Gespräch mit Alexandra Klotz, Leiterin der Kinderepileptologie am Freiburger Universitätsklinikum

Wer kann an Epilepsie erkranken? Expertin klärt im Interview auf

Autor: 
Christina Agüera Oliver
Lesezeit 4 Minuten
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04. November 2021

©Ulrich Marx

Die Benefizaktion „Leser helfen“ 2021 kommt der Kinder- und Jugendklinik im Epilepsiezentrum in Kork zugute. Alexandra Klotz, Leiterin der Kinderepileptologie der Neuropädiatrie am Freiburger Universitätsklinikum, erklärt, was es mit dieser Krankheit auf sich hat.

Frau Klotz, was ist Epilepsie?

Vereinfacht gesagt, spricht man dann von einer Epilepsie, wenn mehrfach epileptische Anfälle aufgetreten sind, ohne dass es einen ganz akuten Auslöser, wie zum Beispiel ein schweres Schädel-Hirn-Trauma beim Autounfall, gab.

Welche Formen einer Epilepsie gibt es?

Tatsächlich gibt es viele verschiedene Epilepsieformen. Daher sprechen wir auch nicht von „der Epilepsie“, sondern von „den Epilepsien“. Zum einen unterscheidet man fokale Epilepsien, bei denen der Anfall an einer umschriebenen Stelle im Gehirn entsteht, von generalisierten Epilepsien, bei denen der Anfall von Anfang an beide Hirnhälften betrifft. Noch viel wichtiger ist aber die Unterscheidung der Epilepsieform nach der Ursache. Hier werden unter anderem genetische Epilepsien, strukturellen Epilepsien, beispielsweise bei Fehlbildungen oder Narben im Gehirn, und entzündliche Epilepsien unterschieden. Nicht selten ist aber die Ursache nicht bekannt, daher gibt es auch den Begriff Epilepsie unklarer Ursache.

Wer kann an Epilepsie erkranken?

Kurz gesagt jeder. Epilepsien können jede Altersgruppe, jedes Geschlecht, jede Herkunft betreffen.

Ist Epilepsie erblich?

In den allermeisten Fällen ist eine Epilepsie weder von den Eltern geerbt noch wird sie weitervererbt. Nur in seltenen Fällen von Genmutationen, die auch eine Epilepsie verursachen, ist die Epilepsie dann tatsächlich erblich.

Wie erkennt man eine Epilepsie?

Die meisten Menschen stellen sich unter einem epileptischen Anfall einen großen Anfall vor, mit Bewusstlosigkeit und Zuckungen von Armen und Beinen. Es gibt aber eine Vielzahl anderer Anfallsformen, auch solche ohne Bewegungen, sondern nur mit kurzer Bewusstseinsstörung. Oder solche, die nur der Patient selbst spürt, wie zum Beispiel ein komisches Gefühl oder ein komischer Geruch.

Wie wird eine Diagnose gestellt?

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Manchmal kann die Diagnose einer Epilepsie schon nach einem ersten epileptischen Anfall gestellt werden, wenn sich im EEG (Elektroenzephalogramm, Messung der Gehirnströme) Hinweise auf eine Epilepsie finden. Häufig wird die Diagnose aber erst gestellt, wenn zwei oder mehr Anfälle aufgetreten sind.

Ist Epilepsie heilbar oder therapierbar?

In diesem Punkt unterscheiden sich die verschiedenen Epilepsien sehr stark. Vor allem im Kindesalter geht die Epilepsie häufig wieder weg. Von den Menschen mit bleibender Epilepsie sind etwa zwei Drittel gut mit Medikamenten therapierbar. Die Anfälle hören dann auf, allerdings muss die Medikation über Jahre, manchmal ein Leben lang genommen werden. In dem anderen Drittel sprechen wir von einem therapieschwierigen Verlauf und es  müssen häufig Kombinationen aus zwei oder mehr Medikamenten eingenommen werden.
Es gibt Menschen mit geistiger Behinderung, die auch an Epilepsie leiden. Kann eine Epilepsie eine geistige Behinderung verursachen? Oder umgekehrt?
Geistige Behinderung und Epilepsie kommen zusammen vor. Das kommt vor allem daher, dass es Erkrankungen gibt, die sowohl eine Epilepsie verursachen als auch eine geistige Behinderung. Man kann aber nicht sagen, dass eine Epilepsie zur geistigen Behinderung führt oder umgekehrt.

Was kann einen Epilepsie-Anfall auslösen?

Es gibt verschiedene Auslöser, die als Trigger bezeichnet werden. Dazu gehören zum Beispiel Flackerlicht oder sehr starker Schlafentzug. Das heißt aber nicht, dass diese Trigger immer und bei jedem Menschen mit Epilepsie zum Anfall führen. Die wenigsten Menschen mit Epilepsie sind zum Beispiel empfindlich auf Flackerlicht. Auslöser sollten immer individuell betrachtet werden.

Und was kann man tun, wenn jemand einen epileptischen Anfall bekommt?

Das Wichtigste ist, nicht in Panik zu geraten. Für die meisten Menschen, die einen epileptischen Anfall das erste Mal sehen, ist das eine sehr erschreckende Erfahrung. Die meisten epileptischen Anfälle enden aber von allein, und Atmung und Herzfunktion bleiben intakt. Es ist hilfreich im Blick zu behalten, wie lange der Anfall schon dauert. Außerdem sollte man darauf achten, dass sich derjenige nicht verletzt, ihn also zum Beispiel vom Stuhl auf den Boden legen. Bitte nicht versuchen Gegenstände oder die Finger in den Mund zu stecken. In den meisten Fällen ist es dann ratsam, den Rettungsdienst zu verständigen.

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit dem Epilepsiezentrum Kork aus?

Jede Klinik hat ihre Schwerpunkte, was zum Beispiel Therapiemethoden anbetrifft. Wir arbeiten aber in der Tat sehr eng mit dem Epilepsiezentrum Kork zusammen. Das umfasst zum Beispiel regelmäßige Fallkonferenzen oder gemeinsame Fortbildungen.

 

Info

Epilepsiezentrum der Diakonie Kork wird 2021/2022 bei "Leser helfen" unterstützt

Zum 25. Mal sammelt die jährliche Benefizaktion der Mittelbadischen Presse für Menschen, die Hilfe benötigen – diesmal für an Epilepsie erkrankte Kinder und Jugendliche, die im Epilepsiezentrum der Diakonie Kork auf ihrem oft steinigen Lebensweg  behandelt werden.

Alexandra Klotz, Leiterin der Sektion für pädiatrische Epileptologie (Foto), zeigt die verschiedlichen Epilepsieformen auf, gibt Einblicke in die Krankheit und erklärt im heutigen Interview unter anderem, wie man sich als Außenstehender bei einem Epilepsieanfall richtig verhält. Übrigens: Die ersten Spenden sind bereits eingetroffen.


Foto: Universitätsklinik Freiburg 

Info

Dafür wird konkret gespendet...

◼ ein neues Therapiepferd,
◼ einen mobilen Snoezelenwagen (Snoezelen ist eine Entspannungsmethode),
◼ die Existenzsicherung der Beratungsstelle als einzige im Land,
◼ die erstmalige Anschaffung digitaler Aufklärungsmittel vor allem für hilfesuchende Eltern.

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