Weihnachtsaktion der Mittelbadischen Presse

Intimsphäre schützen: "Aufschrei" Ortenau klärt in Internat auf

Von Christiane Agüera Oliver
Lesezeit 4 Minuten
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17. Dezember 2023
So sieht Missbrauchs-Prävention in der Praxis aus, hier im Dinglinger Haus in Lahr, einer sonderpädagogischen Einrichtung: Die Lehrerin Agnes Nehrbaß veranschaulicht an der Tafel die Bedeutung von Kinderrechten und versucht auf diese Weise gegenseitigen Respekt, Fairness und angemessenes Verhalten im Konfliktfall gemeinsam einzuüben.

So sieht Missbrauchs-Prävention in der Praxis aus, hier im Dinglinger Haus in Lahr, einer sonderpädagogischen Einrichtung: Die Lehrerin Agnes Nehrbaß veranschaulicht an der Tafel die Bedeutung von Kinderrechten und versucht auf diese Weise gegenseitigen Respekt, Fairness und angemessenes Verhalten im Konfliktfall gemeinsam einzuüben. ©Dinglinger Haus

Um stärker vorbeugend tätig sein zu können, unterstützt "Leser helfen" in diesem Jahr den Verein "Aufschrei gegen sexuellen Missbrauch". Die Kooperation mit dem Sprachheilzentrum am Dinglinger Haus in Lahr ist ein besonders gelungenes Beispiel dieser Arbeit.

Die Weihnachtsaktion "Leser helfen" der Mittelbadischen Presse unterstützt in diesem Jahr den Ortenauer Verein "Aufschrei" gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Erwachsenen, weil der Beratungsstau nach Corona und zahlreichen Missbrauchsskandalen enorm ist - und dies viel Geld kostet. Ziel ist, noch vor Weihnachten die 100.000-Euro-Grenze zu erreichen. Die traditionsreiche Spendenaktion endet wie immer mit dem Neujahrsschwimmen in der World of Living von Weber Haus, das am Sonntag, 7. Januar, ab 13 Uhr stattfindet.

Heute stellen wir ein beispielhaftes Präventionsprojekt des "Aufschrei" vor. Regelmäßig führt der Verein im Sprachheilzentrum am Dinglinger Haus in Lahr solche Projekte für die Sechs- und Siebtklässler statt. "Es geht darum zu sensibilisieren und wahrzunehmen", erklären Direktor Wolfgang Klink und Lehrerin Agnes Nehrbaß.

Das sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit Internat und dem Förderschwerpunkt "Sprache und Lernen" in Lahr besuchen derzeit rund 90 Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur neunten Klasse. Von Montag bis Freitag leben davon 43 Kinder in fünf Internatsgruppen und 35 werden in Tagesgruppen begleitet. Zusätzlich gibt es eine Außenstelle bei Lörrach. Das Angebot des Sprachheilzentrums richtet sich vor allem an diejenigen, die in ihrer Sprachentwicklung gestört oder verzögert sind und gleichzeitig im Bereich Lernen eine sonderpädagogische Förderung brauchen. "Das Herzstück unserer Arbeit besteht aus einem sonder- und sozialpädagogischen Ganztagesangebot. Die Lehrkräfte und Mitarbeitenden, egal ob in Tagesgruppe oder Internat, gestalten die Förderung in enger Kooperation im Team und fördern die Kinder gemeinsam über den ganzen Tag", erklärt der Schulleiter.

Zur Einheit aus schulischer Bildung und sozial-kommunikativer Entwicklungsförderung gehöre auch das Thema Sexualität. Die "anonyme Kiste", steht in den Klassenzimmern. Dort können die Kinder Fragen einwerfen, die im Biologie-Unterricht beantwortet werden. Zudem hängen an den Wänden Plakate zum Thema. "Wir merken zwar, dass Fragen da sind, dieses Thema die Schüler aber oft überfordert", berichtet Agnes Nehrbaß. Deshalb sind die Pädagogen dankbar für die Unterstützung der externen Fachleute vom "Aufschrei", zu denen seit mehr als zehn Jahren ein enger Kontakt bestehe.

Durchweg positive Rückmeldungen geben Schüler, Eltern und Mitarbeitende des Dinglinger Hauses. "Die Kinder sprechen mit jemandem von außen, können offen darüber reden", so Nehrbaß. Mehrheitlich falle es den Jungs schwerer, sich zu öffnen und einer Frau anzuvertrauen. "Es ist ihnen peinlich, deshalb ist es gut, dass auch ein Mann vom "Aufschrei"-Fachteam als Ansprechpartner da ist," sagt sie.

Gefahren erkennen

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"Wo sind meine Grenzen? Wie werde ich gestärkt? Welche Geheimnisse darf ich erzählen?" - diese Fragen werden während des Präventionsprojekts beantwortet. "Die Schüler werden darin gestärkt, offen auf uns zuzugehen", informiert Wolfgang Klink.

„Im Internat ist es sehr wichtig, die Intimsphäre jedes Einzelnen zu respektieren und zu schützen“, so der Schulleiter. Das Erlernen dieses Respekts und Schutzes mit den Kindern und Jugendlichen ist sehr zentral. Dazu ist eine entwicklungsangemessene Begleitung notwendig, die nicht einfach verbietet, sondern wahrnimmt und anspricht.

Dabei werde präventiv vermittelt, was akzeptierbar und tolerierbar sei und was eben nicht. Kinder, die eine sprachliche Begrenzung haben, seien potenziell gefährdeter, schätzt Klink. Eine komplexe Melange aus Struktur in der Organisation, Haltung und kollegialer Mitarbeit des Personals sei gefordert.

Die präventive Arbeit vom "Aufschrei" sorge dafür, dass das Risiko geringer würde, wenn die Kinder Gefahren erkennen und man sich jemandem anvertrauen könne.

Derzeit werde ein Schutzkonzept für das Sprachheilzentrum erstellt. "Wo sind die Risiken für die Kinder und Jugendlichen unserer Einrichtung?", laute einer der Schwerpunkte. "Ein Fingerzeig, ausgelacht werden, Stoßen - sind das Verhaltensweisen, die zu einem Übergriff gehören?" - solche Fragen würden dabei gestellt. Ein Schutzkonzept, das mit Unterstützung und Impulsen von "Aufschrei" erfolgt. Vieles brauche "enorme Achtsamkeit".

So gab es eine Zusammenarbeit mit Fachberater Manuel Tumino vom "Aufschrei" bei der Überarbeitung des sexualpädagogischen Konzepts. "Was fehlt, was gut ist, was geändert werden könnte", zählt Klink die gegebenen Hinweise auf.

Ein Video über "Aufschrei" finden Sie unter www.bo.de/3W5 

Info

Die aktuellen Spender

Thomas und Sandra Meier, Klaus und Sonja Krieg, Heinz und Trude Blasczyk, Jürgen Dreyer, Kornelia Richardt, Jürgen und Hannelore Waldeisen, Robert und Gerlinde Wussler, Sabine Sauer, Isabella Anja Hoferer, Ingeburg Sebastian, Marina Dobschat-Kühnel, Martin und Ursula Vauderwange, Elisabeth Streif, Silvia Herfurth, Michael Baumann, Edith Blender, Lieselotte Krieg, Christa Bauer, Karin Mornberger, Klaus Peter und Brunhilde Dierle, Klaus und Gisela Benz, Hermann Schätzle, Klaus-Dieter Riedel, Helma Knauer, Reinhard und Erika Ramstein, Irmtraud Lutz, Werner und Roswitha Osswald, Wolfgang Borsch, Maria Isenmann, Michael Friese, Uli und Stefan Kunner, , Isabell Peter, Alexander Jörger, , Oliver und Yvonne Stockmayer, Gabriele Kipka, Stephan Weis, Erika Gross, Christiane Klöpfer, Germanus Lehmann, Ingeborg Seiler, Gerlinde Wöhrle, Heinrich und Gerda Kirn, Andrea Scheehuber, Kurt und Ilse Scholder.

Gertrud Armbruster, Ernst Schmidt, Manfred Bächle, Traudel und Winfried Gensheimer, Elisabeth und Albert Bonath, Jürgen Knosp, Erna Schrempp, Schätzle Bau GmbH, Wolfgang Klein, Peter und Eli Auer, Friedbert Seiler, Willi und Sieglinde Sauer, Klemens Basler, Richard und Friedhilde Basler, Jutta Seiler.

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