Serie "Wir sind systemrelevant"

Sparkasse: Jetzt geht’s um Liquidität

Michael Hass
Lesezeit 4 Minuten
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17. April 2020

Sichern die Versorgung mit Geld, ob bar oder mit Karte: Kreditinstitute wie die Sparkasse in Offenburg. ©Ulrich Marx

Neue Serie: Ortenauer Firmen, die in der Corona-Krise unverzichtbar sind. Heute: Wie die Sparkasse Offenburg/Ortenau mit der Krise umgeht.

Banken und Sparkassen haben als Rückgrat der Wirtschaft in der Corona-Krise eine Schlüsselrolle inne. Die Sparkasse Offenburg/Ortenau hat eigens einen Krisenstab eingerichtet, um wichtige Entscheidungen zu koordinieren. Der Tenor: „Wir sind da und erfüllen unsere Aufgaben“, stellt Helmut Becker, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Offenburg, klar.

Schließlich sind die Sparkassen neben den Genossenschaftsbanken wichtige Anlaufstellen für Gewerbetreibende und Unternehmen, die jetzt Liquidität zum wirtschaftlichen Überleben brauchen. 

„Das ist jetzt unsere wichtigste Aufgabe.“ Und nicht zuletzt sichert die Sparkasse den Zugang zu Bargeld, bleibt trotz teilweise nicht mehr zugänglicher Filialen für die Menschen erreichbar und stellt die kreditwirtschaftliche Infrastruktur, insbesondere den Zahlungsverkehr, sicher. „Zudem nehmen wir als Hausbank bei der Weiterleitung der Sonderkreditprogramme Corona eine besondere gesellschaftliche Verantwortung wahr.“

Seit dem 24. März sind die kleinen Filialen geschlossen. Derzeit sind neben den vier Kundenzentren in Offenburg, Lahr, Achern und Oberkirch nur noch die Geschäftsstellen in Ettenheim, Renchen und Schutterwald geöffnet. Bereits am kommenden Montag werden sechs weitere Geschäftsstellen wieder öffnen. Beratungstermine mit den Kunden werden überwiegend online oder telefonisch abgewickelt. Das KundenServiceCenter wurde personell verstärkt, so dass die vermehrten Kundenanrufe rasch bearbeitet werden können. 25 Home-Office-Arbeitsplätze hat die Sparkasse Offenburg aktuell ihren Mitarbeitern eingerichtet. „Alle Stabs- und Betriebsbereiche wurden personell und räumlich getrennt, so dass verschiedene Mitarbeitergruppen in unterschiedlichen Gebäudeteilen in der Sparkassenzentrale arbeiten“, verdeutlicht Uwe Dohle, Bereichsleiter Kommunikation bei der Sparkasse Offenburg.

Die Sorgen der 771 Mitarbeiter vor Ansteckung seien insbesondere in der Anfangsphase der Krise groß gewesen. Vor allem bei Mitarbeitern, die in den Filialen im direkten Kundenkontakt standen. „Als Sparkasse haben wir auch den Vorteil, dass wir die Kunden an unseren „Kassenplätzen“ bedienen können, die aufgrund der Verglasung eine höhere Sicherheit für Kunden und Mitarbeiter bieten“, so Dohle und betont, dass Hygienevorschriften bei der Sparkasse Offenburg penibel eingehalten werden.

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Für diejenigen Mitarbeiter, die im Zusammenhang mit dem Corona-Virus zuhause in Quarantäne bleiben müssen, gibt‘s ein „Care-Paket“. „Ein großer Karton mit verschiedenen Nudelsorten, die wir von einem unserer Kunden bezogen haben“, schmunzelt Uwe Dohle und erzählt, dass die Überraschung bei den betroffenen Kollegen für große Freude sorgt.
Firmen verlieren derzeit ihre Bonität. Es gibt Insolvenzen. Banken und Sparkassen müssen Rückstellungen bilden, können weniger Geld verleihen. Ein Risiko?

„Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 hat die Mehrzahl unserer Firmen eine sehr lange konjunkturelle Wachstumsphase genutzt, um entsprechende Reserven aufzubauen. Auch die Sparkasse Offenburg/Ortenau hat in den vergangenen Jahren sehr gute Geschäftsjahre gehabt und konnte ausreichend Vorsorgerücklagen bilden“, stellt Vorstand Helmut Becker klar. Außerdem hätten die Sicherungseinrichtungen der Sparkassen eine besondere Qualität. In welchen Größenordnungen Insolvenzen von Firmenkunden auf die Sparkasse zukommen, ist derzeit noch nicht abzusehen. „Der Faktor Zeit ist dabei ganz entscheidend.“

Entscheidend wird auch sein, ob Banken und Sparkassen „business as usual“-fähig bleiben, inwiefern sie also ihr reguläres Kreditgeschäft aufrechterhalten können: eigene Kredite vergeben, die nichts mit der Corona-Krise zu tun haben.

Was benötigen Banken von der Politik, um die Krise zu meistern?

„Die politisch Verantwortlichen auf Bundes- und Landesebene haben in sehr kurzer Zeit umfangreiche Hilfen initiiert und umgesetzt. Es wurden allerdings auch Standards bei der Weitergabe von haftungsunterlegten Sonderkrediten verabschiedet. Hier gibt es oft Unklarheiten bei den Kunden bezüglich der Antragsberechtigung.“ Der Informationsbedarf sei, so Uwe Dohle, sehr hoch.
„Helfen würde uns in diesen Krisenzeiten ein geringerer Regulierungsdruck, um die Bürokratie zu erleichtern.“

ZUR INFO: Die Folge 4 unserer Serie „Wir sind systemrelevant“ erscheint am Montag mit einem Porträt der Firma  JULABO aus Seelbach. Sie stellt hochpräzise Temperiergeräte her, die weltweit bei der Analyse und in der Forschung zu COVID-19 zum Einsatz kommen.

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