Gengenbach

Junker-Hubschrauberlandeplatz in Gengenbach genehmigt

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red/chs
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14. Dezember 2016
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©Marc Faltin

Das Regierungspräsidium hat dem Antrag der Firma Junker, in Gengenbach einen Hubschrauberlandeplatz zu errichten, genehmigt - mit Auflagen. Die Pläne Junkers hatten bei Anwohnern Proteste hervorgerufen.

Das Regierungspräsidium Freiburgn habe die luftrechtliche Genehmigung für den Bau und Betrieb eines Hubschraubersonderlandeplatzes auf dem geplanten Firmengebäude der  Erwin Junker Grinding Technology in Gengenbach erteilt, hieß es am Dienstag in einer Pressemitteilung. Der Flugbetrieb sei nach der Entscheidung der Behörde jedoch nur montags bis freitags zwischen 7 und 19 Uhr sowie samstags zwischen 9 und 13 Uhr möglich, so das Regierungspräsidium weiter. Außerdem werde die Zahl der Flugbewegungen auf 360 in den verkehrsreichsten sechs Monaten eines Jahres begrenzt - also durchschnittlich 60 Flugbewegungen pro Monat.

Proteste von Anwohnern
Im Vorfeld der Genehmigung hatte es Proteste von Anwohnern gegeben. Deshalb habe des Regierungspräsidium abzuwägen. Dabei galt es einerseits das Interesse des Investors und der Stadt Gengenbach auf Umsetzung des Gesamtprojekts zu berücksichtigen, für das als Argument die Schaffung von 300 neuen Arbeitsplätzen ins Feld geführt wurde. Auf der anderen Seite sei aber auch das Ruheinteresse der Anwohner in ihrem Wohnumfeld besonders in die Entscheidung einbezogen worden. 

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Maximal zehn Flugbewegungen täglich
Außerhalb der genehmigten Zeiten dürfe nicht geflogen werden. Als Tagesmaximum wurden zehn Flugbewegungen festgelegt – beispielsweise fünf Starts und fünf Landungen. Gerade mit dem bei den Anwohnern sehr kontrovers diskutierten Thema der Flugbetriebszeiten und möglicher Lärmbeeinträchtigungen habe sich das Regierungspräsidium sehr intensiv auseinandergesetzt und mit den Interessen Junkers abgewogen. Junker hatte die Ansiedelung seines Hauptsitzes von der Einrichtung eines Hubschrauberlandeplatzes für Personen- und Materialtransporte abhängig gemacht.

Bürgermeister Erny freut sich auf Junker
Gengenbachs Bürgermeister Thorsten Erny zeigte sich in einer Pressemitteilung erfreut über die Entscheidung des Regierungspräsidiums Freiburg. "Das Regierungspräsidium hat sehr verantwortungsvoll versucht, alle Interessen abzuwägen, dafür bin ich den verantwortlichen Beamten aber auch Frau Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer sehr dankbar", meinte Erny in seiner Stellungnahme. Nun sei der Weg frei, dass die Firma Junker ihren Verwaltungsneubau mit  Akademiegebäude in Gengenbach verwirklichen könne. Die Stadt Gengenbach hatte bereits im Vorfeld die Baugenehmigung für den Junker-Neubau. "Wir freuen uns auf die Firma Junker und auf die 300 neuen Arbeitsplätze in Gengenbach", sagte Bürgermeister Erny.

 

Chronologie

  • Am 10. April 2014 verkündet Fabrikant Erwin Junker, den Hauptsitz seines Maschinenbau-Unternehmens mit weltweit 1250 Mitarbeitern nach Gengenbach verlagern zu wollen. Auf dem früheren Hukla-Holzlagerplatz will Nordrachs größter Arbeitgeber für 15 Millionen Euro neben Verwaltung und Halle für Endmontage, Abnahme und Kundeneinweisung der in Osteuropa produzierten Hochgeschwindigkeits-Schleifmaschinen auch eine Akademie mit 30 Einzelzimmern, Hörsaal für bis zu 100 Besuchern plus Restaurant bauen. 300 bis 320 Arbeitsplätze sollen in Gengenbach entstehen. Bürgermeister Thorsten Erny spricht von einer »Jahrhundert-Chance« für Gengenbach.
     
  • Am 23. September 2014 unterschreiben Fabrikant Junker und Bürgermeister Erny im Notariat Gengenbach den Kaufvertrag für das 25 697 Quadratmeter große Gelände im Gewerbegebiet »Kinzigpark II«.
     
  • Im März 2015 stellt die Firma Junker einer Gengenbacher Delegation um Bürgermeister Erny vor Ort das in Holice/Tschechien innerhalb von 15 Monaten gebaute  Akademie- und Verwaltungsgebäude vor, das in dieser Form auch in Gengenbach gebaut werden soll.
     
  •  Am 4. August 2015 enthüllt die Maschinenbaufabrik Junker im Gengenbacher Gewerbegebiet am L99-Kreisel das Baustellenschild für den künftigen Hauptsitz. Baustart soll noch in diesem Jahr oder im Frühjahr 2016 sein. Erwin Junker landet per Hubschrauber. Der 85-Jährige wolle schon lange keine Zeit mehr in Staus auf der Autobahn vergeuden, sagt er. Natürlich sei auf dem künftigen Firmenhauptsitz in Gengenbach daher ein Hubschrauber-Landeplatz eingeplant – auf dem großen Flachdach des fünfstöckigen Verwaltungsgebäudes.
     
  • Am 16. Dezember 2015 erteilen der Stadtrat und Reichenbachs Ortschaftsrat das gemeindliche Einvernehmen für einen Hubschrauber-Landeplatz auf dem geplanten Neubau der Firma Junker. Das Regierungspräsidium (RP) entscheidet über den Landeplatz, gegen den sich eine Bürgerinitiative mit Rechtsanwalt Dirk Knop als Sprecher gebildet hat. Die Ansiedlung der Firma Junker »ist eine tolle Geschichte für Gengenbach, aber nicht zu jedem Preis«, so Knop. Zehn Autominuten vom geplanten Firmenstandort entfernt stehe in Offenburg ein Flugplatz zur Verfügung, »wo Kapazitäten vorhanden sind.« Start und Landung eines Hubschraubers seien mit der Lautstärke eines Presslufthammers vergleichbar, so  Knop, der am nahen Amselberg wohnt, »beim Junker-Bauprojekt kommt hinzu, dass der Landeplatz auf 25 Metern Höhe wäre, weshalb sich der Schall im Vergleich zu einer Bodenlandung weithin entfalten kann.« 
     
  • Am 1. Februar 2016 fordert die Bürgerinitiative »Fluglärm Junker Gengenbach«, die aus acht Gengenbachern besteht  »mit weiteren 17 Personen, die uns unterstützen«, so Knop, das RP auf, diesen Landeplatz nicht zu genehmigen.
     
  • »Es gilt zu zeigen, dass die große Mehrheit der Gengenbacher die Ansiedlung der Firma Junker befürwortet und gegen den dann nötigen Hubschrauber-Landeplatz nichts einzuwenden hat«: Dies sagt Christa Indruch, Initiatorin der Bürgerinitiative »Pro Gengenbach« am 8. Februar 2016 als Reaktion auf die »Bürgerinitiative Fluglärm Junker«. Kurz darauf präsentiert sie 450 Unterschriften.
     
  • Am 14. Dezember 2016 liegt die Enscheidung des RP vor.
Info

Stimmen zur RP-Entscheidung

Von der Firma Junker war gestern keine Stellungnahme zu erhalten zur Entscheidung des Regierungspräsidiums. Der Fabrikant und die Geschäftsleitung waren unterwegs.

  • Gengenbachs Bürgermeister Thorsten Erny zeigte sich erleichtert und erfreut über die Entscheidung des RP: »Das Regierungspräsidium hat sehr verantwortungsvoll versucht, alle Interessen abzuwägen, dafür bin ich den verantwortlichen Beamten und Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer sehr dankbar. Wir freuen uns auf die Firma Junker und die 300 neuen Arbeitsplätze in Gengenbach.«
     
  • Von einem »großen Teilerfolg« sprach auf OT-Nachfrage Rechtsanwalt Dirk Knop als Sprecher der Bürgerinitiative »Junker Fluglärm« mit Blick auf die Beschränkung des Flugbetriebs: »Die Firma Junker hatte ursprünglich einen Flugbetrieb an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr beantragt. Und das RP hat die Zahl der Flugbewegungen auf 360 in den verkehrsreichsten sechs Monaten eines Jahres begrenzt. Dies bedeutet, dass der Firma Junker im Durchschnitt an den zugelassenen Tagen lediglich zwei Flugbewegungen möglich sind.« Sobald die Entscheidungsgründe vorliegen würden, so Knop, werde die Bürgerinitiative nach Überprüfung durch Hansjörg Melchinger (Karlsruhe), Fachanwalt für Verwaltungsrecht und Luftverkehrsrechtsexperte, das weitere Vorgehen beschließen.
     
  • Rechtsanwalt Gregor Strempel mit Mandanten aus dem Gewerbegebiet erklärte auf OT-Nachfrage: »Die Genehmigung eines Hubschrauberlandeplatzes setzt einen bestehenden Bedarf voraus und dass das betreffende Vorhaben vernünftiger Weise geboten ist (siehe BVerwGE 127, 95). Durch die erst kürzlich vom RP zu Gunsten der Firma Junker erteilte Genehmigung eines Hubschrauberlandeplatzes in Nordrach wird der Bedarf der Firma Junker jedoch längst ausreichend abgedeckt. Ein zweiter Hubschrauberlandeplatz in Gengenbach ist daher weder erforderlich noch gar vernünftiger Weise geboten. Wir werden daher aller Voraussicht nach gegen die Entscheidung des RP Rechtsmittel einlegen.«
     
  • Christa Indruch von der Bürgerinitiative »Pro Gengenbach« sprach auf OT-Nachfrage die Hoffnung aus, »dass dieser Kompromiss für die Firma Junker akzeptabel ist und dass sie ihr Projekt zum Wohle der Stadt Gengenbach realisiert«. Und »wir hoffen, dass auch die Fluglärm-Initiative diesen Kompromiss tragen kann.«
Umfrage: 
Archiv

Das Regierungspräsidium hat den Junker-Hubschrauberlandeplatz in Gengenbach genehmigt. Anwohner fürchten Fluglärm. Finden Sie die Entscheidung gut?

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