Achern
Dossier: 

Jürgen Franck ist das Gesicht hinter der Revitalisierung der Illenau

Wolfgang Winter
Lesezeit 6 Minuten
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07. Oktober 2021

(Bild 1/3) Bei allen Gemeinschaftsaktionen, wie hier bei einem Bücherbasar, packt Jürgen Franck mit an. um Gelder für die Illenau Werkstätten oder das Illenaumuseum zu erwirtschaften. ©Daniela Busam

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (65): Der Acherner Jürgen Franck hat die Revitalisierung der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Illenau vorangetrieben. Seine Kraft stellt er in den Dienst der Gemeinschaft.

Jürgen Franck, ein sich stets in den Dienst der Gemeinschaft stellendes Original, gehört zu den markanten Persönlichkeiten der Acherner Bürgerschaft. Sein beispielhaftes Engagement mit Kopf, Herz und Hand half den Weg zur Revitalisierung der ehemaligen Heil-und Pflegeanstalt Illenau zu bahnen. Der 2005 in Pension gegangene Studiendirektor für Deutsch und Geographie wirkte außerdem als beliebter Pädagoge, innovativer Gemeinderat und aktiver Mitgestalter des kulturellen Lebens der Stadt. Jürgen Franck kam 1943 in Berlin zur Welt. Da die Familie ihr im Krieg ausgebombtes Heim verließ und in Heidelberg ansässig wurde, verlebte der heute 78-Jährige seine Kindheit und Jugend in der Universitätsstadt.

Auf Anhieb in Achern verliebt

Dass er den Unterricht des Gymnasiums, von wenigen Ausnahmen abgesehen, als weniger motivierend empfand, zählt er zu den Gründen den Beruf des Lehrers gewählt zu haben. Nach dem Studium in Heidelberg und München unterrichtete er anfangs 1968 in Mannheim. Dabei geriet er als junger Verbindungslehrer in den Konflikt zwischen einer traditionsorientierten Schulleitung und den sich im Aufbruch befindlichen Oberstufenschülern. Franck hegte bereits damals mit seiner 1968 geheirateten Frau die Sehnsucht nach einem eigenen Haus. Als das Paar eines Tages Achern besuchte, verliebte es sich auf Anhieb in die „wunderschöne, harmonische Landschaft“.

Umzug nach Fautenbach

1974 war es soweit, die Francks zogen nach Fautenbach in den Rohbau ihres Hauses das sie mit jeder Menge Eigenarbeit fertig stellten. Es sollte kein abgeschiedenes Familiendomizil werden, sondern als Treffpunkt der Generationen und als offenes Haus dienen. 1979/80 engagierte sich der am Acherner Gymnasium unterrichtende Franck zum ersten Mal in der Kommunalpolitik. Die Verwaltung plante eine Baumallee zu entfernen und durch eine Neupflanzung zu ersetzen. In Achern tobte ein Meinungskrieg, eine Unterschriftenaktion spaltete alteingesessene Familien. Der Protest führte zur Gründung der Acherner Bürger Liste (ABL), die 1980 auf Anhieb drei Sitze im Gemeinderat eroberte. Mit ihren Themen „Umwelt und Natur, Verkehr, Stadtbild, Kinder und Jugendliche, Kultur“ traf sie den Nerv der Zeit.

Mit Argumenten alleine lässt sich die Welt nicht ändern

Jürgen Franck amtierte in den Anfangsjahren als Sprecher der Fraktion. „Jeder Lehrer sollte mindestens eine Wahlperiode im Gemeinderat mitwirken und den Prozess der Auseinandersetzung kennen lernen. Die Vorstellung, dass man mit Argumenten allein die Welt verändern kann, ist irrig. Vielmehr ist das Interesse und die Arbeit an gemeinsamen Zielen notwendig“, betont Franck. Zu seinem Engagement gehörten gemeinsame Aktionen mit Schülern, so zum Beispiel der Ausbau des Kellerraums unter dem Acherner Gymnasium als Lagerraum für die Kunstabteilung „Etwas bleibendes gestalten, das einen nachhaltigen Wert noch in der Zukunft hat“ lautet noch heute Francks Devise. Dazu sollte er schon bald – mehr als in den kühnsten Träumen vorgestellt – Gelegenheit finden.

Ehrenamtliche Helfer

2004 wurde die Gruppe „Illenau Aktiv“ gegründet. Die erhoffte Vitalisierung der von den französischen Streitkräften verlassenen Illenau war über lange Zeit nicht vorangekommen. Im kleinen Kreis wurde beschlossen, den ehrwürdigen Festsaal der Anstalt für Veranstaltungen herzurichten. Jürgen Franck und sein enger Freund und Kollege, Kunsterzieher Franz Rothmund, machten sich ans Werk. Die von ihnen motivierten ehrenamtlichen Kräfte und Fachfirmen konnten, mit finanzieller Unterstützung der Stadt und einigen Sponsoren, den Saal zu einem Schmuckstück machen. Hier konnten jetzt Kulturveranstaltungen und Feiern stattfinden, die den Bekanntheitsgrad der Illenau beträchtlich steigern sollten.

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Stallungen waren in desolatem Zustand

2005 entdeckte Rothmund die ehemaligen, in einem desolaten Zustand befindlichen Stallungen der Heilanstalt. Als er sie zusammen mit Franck besichtigte, herrschte anfangs blankes Entsetzen, das sich erst ganz allmählich, nicht zuletzt dank einer zündenden Idee, in Begeisterung verwandelte.

Die hier entstehenden „Illenau-Werkstätten“ sollten am Ende als geistige Initialzündung für die Revitalisierung der Illenau wirken. Vorstand Jürgen Franck und sein Stellvertreter Franz Rothmund setzten sich zum Ziel, das heruntergekommene Gebäude in ein gut ausgestattetes „Zentrum für Kunst, Handwerk und Technik“ zu verwandeln. Früher gab es die Schuhmacherei schräg über der Straße, den Onkel mit der Schreiner-Werkstatt oder Großmutters Schneiderei, wo die Arbeit von Handwerkern erlebt werden konnte. In einer zunehmend virtuell erlebten Welt empfanden es die Initiatoren deshalb als besonders wichtig, „dass wieder Dinge angefasst, gestaltet und umgeformt werden können“.

1,5 Jahre Restaurierung als Kraftanstrengung

Die Vereinsmitglieder gingen mit gutem Beispiel voran und bewältigten die rund anderthalbjährige Restaurierungsphase mit einer Kraftanstrengung. Im Mai 2008 wurden die Werkstätten offiziell aus der Taufe gehoben. Weit über 1500 ehrenamtliche Arbeitsstunden wurden von den Vereinsmitgliedern geleistet. Der Ausbau kostete 780 000 Euro, von denen der Förderverein 200 000 Euro aufbrachte. Dazu kam unter anderem die Hilfe von Institutionen und Firmen der Region, die Material und Werkzeuge spendeten, sowie Arbeitskräfte und Fahrzeuge stellten. Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach nannte die Eröffnung der Illenau-Werkstätten einen „wichtigen Meilenstein“ und erklärte: „Durch ihre beispielhafte Pionierarbeit haben sie die Illenau maßgeblich geprägt und vorangebracht.“

Dazu gehörte zum Beispiel auch die Organisation von Bücher- und Geschirrbasaren, die dank der immensen geistigen und körperlichen Einsatzbereitschaft der Aktiven beträchtliche Summen erbrachte. Spätestens hier muss ausdrücklich betont werden, dass bei diesen Arbeiten stets beide Geschlechter mit großer Tatkraft in allen Bereichen zupackten.

Weiteres Großprojekt

Mit dem erlösten Geld wurde nicht nur der Bau und Unterhalt der Werkstätten finanziert, sondern außerdem ein weiteres Großprojekt gestemmt. Der von Jürgen Franck und Siegfried Stinus initiierte Verein „Förderkreis Forum Illenau“ restaurierte die ehemalige Großküche und das angrenzende Arkadengebäude. Hier entstand ein von der WDL betriebenes Bistro und ein Museum. Die Gesamtkosten von einer Million Euro wurden unter Einbeziehung der Landeszuschüsse komplett vom Förderkreis Forum Illenau geschultert. Weder für das Bauvorhaben noch für die mittelfristigen Bewirtschaftungs- und Unterhaltungskosten wurden städtische Mittel in Anspruch genommen. Bei einer Vorbesichtigung erklärte Thomas Müller vom „Arbeitskreis Psychiatriegeschichte Baden-Württemberg“ begeistert: „Hier entsteht das zukünftige Badische Psychiatriemuseum, es ist unglaublich, was hier geleistet wurde.“

Familiärer Zusammenhalt

In der Rückschau ist klar, dass die angestoßenen Projekte gelungen sind. Das Bistro floriert, das Museum wird vom Dienstag bis Sonntag von 11 bis 22 Uhr rege besucht und die Illenau-Werkstätten bieten ein beeindruckendes, bürgerfreundliches Jahresprogramm. Franck tritt inzwischen kürzer, ist aber immer noch als aktiver Mitarbeiter in den Werkstätten und als Illenau-Führer tätig. Sein Erfolgsgeheimnis: Der enge, fast familiäre Zusammenschluss aller Aktiven, ihr freundschaftlicher, vertrauensvoller Umgang und der Vorsatz, jede Arbeit gemeinsam zu einem guten Ende zu bringen.

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