Ortenau

Käfer-Alarm!

Autor: 
Franziska Jäger
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10. Juli 2014
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Borkenkäfer sind die Feinde der Waldbauern. Aber keine Sorge: Beim abgebildeten Borkenkäfer handelt es sich lediglich um ein Modell aus Kunststoff. ©Ulrich Marx

Er ist der Feind vieler Waldbauern: der Borkenkäfer. Lautlos und gierig frisst er sich durch die Fichtenbestände und macht aus einem wertvollen Baustoff Totholz. Doch auch der Käfer hat Feinde: eine mobile Taskforce bewacht den Korridor rund um den Nationalpark Schwarzwald.

Sonnenstrahlen, die durch die Kronen schimmernd auf den moosbedeckten Waldboden treffen, Wasserplätschern, Vogelgezwitscher. Ansonsten Stille. So hat man es gern. Schneisen im Wald, nadelnde Fichten und hängende Äste. Vertrocknete Rinde, die vom Holz herunterklafft und einen abgestorbenen Baum zurücklässt. So hat man es ungern. Vor allem, weil die Gefahr so ganz aus dem Stillen kommt. Deshalb zieht Siegfried Huber durch die Wälder. Mit dem Fernglas in der Hand sucht er nach dem braunen Bohrmehl, das am Fuß der Nadelbäume haftet. Das ist das Zeichen. Dann ist er da, der Borkenkäfer.

Den vergangenen Winter haben sie gut in der Nadelschicht des Waldes herumgebracht. Seit dem Frühjahr schwärmen die knapp fünf Millimeter großen, walzenförmigen Käfer nun wieder lautlos und gierig umher. Ihr Ziel: lädierte Fichten.

Mit seinem Geländewagen verlässt Siegfried Huber Oppenau und biegt in einen unscheinbaren Waldweg ein. Der 49-Jährige ist Revierleiter des Privatwaldes Oppenau. Es geht steil bergauf. In einer Kurve hält Huber an. Markierte Baumstämme liegen an der Seite. Klassisches Bauholz, zur Abholung bereit. Die Wälder im Renchtal haben Probleme, wie Huber zugibt. Vor 400 Jahren herrschte noch richtige ökologische Vielfalt, Tannen und Buchen bestimmten das Waldbild. Heute wollen alle Säger Fichtenholz haben. »Und weil es einfach ist, Fichtenbestand großzuziehen, haben wir hier nun mal Monokulturen«, ergänzt er. Die liebt der Borkenkäfer.

Huber holt eine Axt, Pinzette und ein Marmeladenglas aus dem Kofferraum. Er steigt auf den Holzstapel und schlägt ein Stück Rinde aus einem Stamm. 35 verschiedene Borkenkäfer gibt es in Deutschland, der aggressivste ist der Buchdrucker, der nur Fichten befällt. Einen von ihnen entdeckt Huber nun, als er die Rinde umdreht. Das Fraßbild ist erstaunlich. Vom Muttergang gehen zahlreiche Geschwistergänge zu allen Seiten ab. Der wirtschaftliche Schaden ist immens. Eine hochwertige Verwendung des Holzes ist passé, zum Dachstuhlbau reicht es gerade noch. Mit der Pinzette zieht Huber den Käfer aus der Rinde, wirft ihn in das Glas, hält es in die Sonne. Ein ganzer Haufen brauner Käfer liegt da schon drin.

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Huber koordiniert seit März das Borkenkäfer-Monitoring in seinen an den Nationalpark Schwarzwald angrenzenden Gebieten. Wenn die Temperaturen nach dem Winter steigen, schauen seine Mitarbeiter nach den ersten Anzeichen des Käferflugs. Die Population der ersten Generation so niedrig wie möglich zu halten, sei wichtig. »Diese erste Phase zu verpassen, wäre schwerwiegend, weil dann bereits viele Bäume befallen sind«, erläutert Huber. Wenn erst einmal die dritte Generation ausgebildet ist, lägen die Chancen der Bekämpfung quasi bei null. Die beste Lösung bei Befall sei, das Holz schnell aus dem Wald zu holen, noch bevor sich der Jungkäfer ausbohrt und zum nächsten Baum fliegt. Auch das Entrinden der Bäume helfe. Die Stämme zu begiften, sei in dieser Region allerdings nicht üblich. Ist ein Baum komplett befallen, kann man das übrigens manchmal hören: Dann klopft der Specht ans Holz, um den Käfer zu verzehren.

Die Gefahr, dass es dieses Jahr drei Generationen gibt, ist sehr groß«, sagt Huber auf einmal und zieht die Mundwinkel etwas sorgvoll nach unten. Die erste Generation an Borkenkäfern brütete bereits im Mai. Die zweite Generation sei im Juli zu erwarten, die dritte im September. Die Zahl der Weibchen verzehnfacht sich mal eben nach der ersten Generation, bis zur dritten Generation könne sich die Population locker vertausendfachen. Das wäre wahrlich der Albtraum der Waldbauern. Die Waldarbeiter waren im April bereits sehr beunruhigt. Hoffnung keimte dann in diesem Frühjahr auf mit den kühlen und regnerischen Tagen der ersten Maihälfte, die Lage schien sich etwas zu entspannen. Die Käfer mögen keine kalte Luft, fliegen erst ab 18 Grad Celsius.

Inzwischen fährt Huber weiter in Richtung Lierbach. Am Straßenrand steht ein Protestschild: Ein durchgestrichenes »Nationalpark« ist darauf zu lesen. Forstwirte, deren Wald in direkter Nähe zum Nationalpark Schwarzwald liegt, beobachten die Borkenkäfer-Bekämpfung skeptisch. Denn im Park wird dem Käfer kein Einhalt geboten, lediglich in einem 500 Meter breiten Korridor um den Park herum. Im Ortenaukreis sind die Kommunen Seebach, Oppenau und Ottenhöfen betroffen. Hubers mobile Einsatzgruppe, die Käfer-Task-Force, grast den Korridor aber intensiv und konsequent ab und erfasst verdächtige Bäume per GPS-Gerät. Seit Wochen machen die Borkenkäfer-Ranger zu zweit Streife durch den Fichtenwald, jeweils im Abstand von 20 Metern.  Alle 14 Tage, so die Vorgabe, müssen alle Fichten gesichtet werden. Überschlagen bedeutet das: Jeder Mitarbeiter muss alle zwei Wochen insgesamt 20 000 Bäume sehen. Schafft man das? Siegfried Huber entgeht ein Grinsen. Für die Schutzaufgabe sieht sich das Team gerüstet. »In 18 bis 20 Jahren spielen Borkenkäfer für die angrenzenden Wälder keine Rolle mehr. Wir sind gut aufgestellt ,und alle Mitarbeiter sind hochsensibel und aufmerksam.«

Unweit der Klosterruine Allerheiligen entdeckt Huber eine Reihe nur noch weißer Baumstämme. Die Rinde hat sich komplett freigemacht. Huber weiß: Hier sind keine Käfer mehr drin. Er schaut zum Nachbarbaum. »Da sitzt jetzt garantiert der Borkenkäfer und fängt oben in der Baumkrone an zu bohren.« Ein Blick nach unten scheint dies zu bestätigen: In dem am Stamm hängenden Spinnengewebe hat sich Bohrmehl verfangen. Dahinter große Fraßbilder. »Den brauchen wir nicht mehr fällen, das ist nur noch Totholz.«

Seit über 20 Jahren ist Siegfried Huber im Revier. Sonnenstrahlen schimmern durch die Kronen auf den Waldboden, hier und da hoppelt ein Hase durch das Dickicht, kein Specht trommelt, nur die Vögel singen. Ansonsten Stille. So hat man es gern.

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