Kappel-Grafenhausen

Kappel: Barbara Hendricks besucht Polder Elzmündung

Autor: 
Christine Breuer
Lesezeit 3 Minuten
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13. September 2017

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (4. von links) und Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer (3. von rechts) ließen sich von Harald Klumpp vom Regierungspräsidium (5. von rechts) über den Polder Elzmündung informieren. ©Christine Breuer

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) besuchte am Montag die Baustelle des Integrierten Rheinprogramms (IRP) in Kappel. Der umstrittene Polder Elzmündung sei für die Unterlieger des Rheins ein wichtiger Schutz vor Hochwassern, sagte sie. 

Es sind alljährlich wiederkehrende Bilder: In Köln und anderen am Rhein liegenden Städten heißt es im Frühjahr regelmäßig Land unter, wenn der Fluss nach der Schneeschmelze und starken Regenfällen besonders viel Wasser führt. Deshalb wurde der Bau des Hochwasserrückhalteraums Elzmündung nicht nur beschlossen, sondern auch mit dessen Bau begonnen. 

Fischtreppe ist fast fertig
Mittlerweile ist der erste Bauabschnitt, eine Fischtreppe als Aufstieg am Einlassbauwerk nahe Kappel-Grafenhausen, fast beendet, die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt haben begonnen. Ende des Jahres soll der erste Abschnitt komplett fertig und der derzeit gesperrte Fernradweg von Basel in Richtung Norden wieder befahrbar sein. 

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Pegel kann um 30 Zentimeter niedriger ausfallen
»Das Einlassbauwerk ist wichtig für die Menschen, die weiter nördlich am Rhein leben«, sagte Bundesumwelt­ministerin Barbara Hendricks (SPD) bei ihrem Besuch auf der Baustelle am Montag. Die Oberlieger – also die Anwohner am Oberrhein – würden etwas für die Unterlieger, die Menschen am Niederrhein, tun, ohne selbst etwas davon zu haben. Bei Speyer könnte dadurch aber eine Reduzierung des Wasserpegels um rund 30 Zentimeter erreicht werden, gab sie als Beispiel. »Es gibt in Deutschland insgesamt fünf solcher Bauwerke, die an den fünf großen Flüssen Rhein, Donau, Elbe, Weser und Oder gebaut werden. Ich werde mir alle ansehen«, versicherte die Ministerin, die sich zusammen mit Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer und ihrem Staatssekretär Andre Baumann alles genau erläutern ließ. 

Der Polder Elzmündung war von Anfang an umstritten. Bereits 1982 war von Frankreich und Deutschland vereinbart worden, unterhalb der Staustufe Iffezheim den Hochwasserschutz wiederherzustellen, der bereits vor dem Ausbau des Rheins bestanden hatte. Mitte der 1990er-Jahre bildete sich in den Anliegergemeinden, vor allem in Schwanau, eine Bürgerinitiative, die sich vehement gegen den Bau des Polders gewehrt hat. Die befürchteten Folgen: Vernichtung des Ökosystems, Verschmutzung des Grundwassers, Erhöhte Hochwassergefahr für die Gemeinde, Schädigung der Natur und der nahen Bebauung sowie ein erhöhtes Risiko für die Bevölkerung bei einem möglichen Dammbruch.  

»Benefit« für Kappel-Grafenhausen
Jochen Paleit, Bürgermeister von Kappel-Grafenhausen, sieht indes durch den Polder auch Vorteile für seine Gemeinde. Kappel würde durch Brunnen gesichert, die den Wasseranstieg durch Abpumpen des Wassers in die Elz reduzierten. »Das funktioniert auch, wenn die Elz viel Wasser führt, und ist ein großer Benefit für die Gemeinde«, sagte er. 

Stichwort

Der Polder Elzmündung

Der Polder Elzmündung ist Teil des Integrierten Rheinprogramms (IRP). Dieses sieht an 13 Standorten entlang des Rheins auf ehemaligen Auenflächen den Bau von naturverträglichen Hochwasserrückhalteräumen vor – gesamtes Retentionsvolumen: 167,3 Millionen Kubikmeter. Die Gesamt-Investitionskosten sind auf 1,5 Milliarden Euro veranschlagt. 
Die Kosten für den Polder sind mit 77 Millionen Euro veranschlagt. 70 Prozent davon trägt der Bund, 30 Prozent das Land. Momentan hat der Rhein nach Aussage von Harald Klumpp vom Regierungspräsidium eine Abflussgeschwindigkeit von 1100 Kubikmeter pro Sekunde. Wenn der Fluss viel Wasser führt, könnten große Wassermengen mit bis zu 90 Kubikmeter pro Sekunde ins Rückhaltebecken fließen. 

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