Kehl - Bodersweier

Kehler Hebebühnen-Hersteller Nußbaum stellt Insolvenzantrag

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red/ba
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17. April 2020
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(Bild 1/2) Verlassen wirkt das Firmengebäude der Nußbaum GmbH & Co. KG. Sie hat Insolvenz angemeldet. ©Ulrich Marx

Der Hebebühnen-Hersteller Otto Nußbaum in Kehl hat einen Insolvenzantrag gestellt. Die Firma leide unter rückläufigen Aufträgen und den Auswirkungen in der Corona-Krise. 220 Mitarbeiter sollen nun Insolvenzgeld erhalten.

Die Otto Nußbaum GmbH & Co. KG mit Sitz in Kehl-Bodersweier hat Insolvenzantrag beim Amtsgericht Offenburg gestellt. Das Amtsgericht bestellte den Rechtsanwalt Dirk Pehl von Schultze & Braun aus Achern zum vorläufigen Insolvenzverwalter, wie die Kanzlei in einer Pressemitteilung schreibt.

Derzeit würden die wirtschaftliche Lage des Hebebühnen-Herstellers und die Möglichkeiten einer Sanierung geprüft. Die rund 220 Mitarbeiter arbeiten aktuell nicht – das Unternehmen habe für April vollständig Kurzarbeit angemeldet. Grundsätzlich stehe den Mitarbeitern Insolvenzgeld zu, heißt es in der Mitteilung. Daher soll nun mit der Agentur für Arbeit abgestimmt werden, wie beide Lohnersatzleistungen – Insolvenzgeld und Kurzarbeitergeld – miteinander verbunden werden können, sodass die Mitarbeiter abgesichert sind und zugleich Zeit für die Sanierung bleibt. Für einen Erfolg der Sanierung wird es entscheidend darauf ankommen, wie schnell die Wirtschaft wieder hochfahren kann, betont die Kanzlei in der Mitteilung.

Nachfrageeinbruch bereits Ende 2019

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Nußbaum sei auch, aber nicht nur in der Corona-Krise in Schieflage geraten: 2016 begann für das Unternehmen ein Restrukturierungsprozess, durch den die Produktion auf den Standort Kehl konzentriert wurde und erstmals Arbeitsplätze abgebaut werden mussten. In der gesamten Unternehmensgruppe, die nach eigenen Angaben deutschlandweit 500 Mitarbeiter beschäftigt, wurden laut Ingo Schorlemmer, Pressesprecher der Kanzlei Schultze & Braun seit 2016 rund 250 Stellen gestrichen und Produktionsstandorte zusammengelegt.

Neben den Aufwendungen für die Restrukturierung belasten das Unternehmen, das 2018 einen Umsatz von 65 Millionen Euro erwirtschaftet hat, weiterhin hohe Tilgungslasten. Ein Nachfrageeinbruch im Laufe des zweiten Halbjahres 2019 sowie die unklaren wirtschaftlichen Aussichten in der jetzigen Krise hätten den Insolvenzantrag notwendig gemacht. Insbesondere die Automobilindustrie sei im zweiten Halbjahr 2019 von steigenden Insolvenzzahlen und schwindenden Stückzahlen geprägt gewesen, erklärt Schorlemmer. Dies habe auch Auswirkungen auf die Werkstätten gehabt, hinzu komme, dass viele Autohersteller Vertragswerkstätten schließen. In der Folge würden auch weniger Hebebühnen benötigt, die von der Nußbaum GmbH & Co. KG hergestellt werden.

Suche nach einem Investor

Vom Insolvenzverwalter soll laut Schorlemmer nun geprüft werden, ob sich das Unternehmen aus sich selbst heraus sanieren kann. „Das beinhaltet einen Insolvenzplan und einen Vergleich mit den wichtigsten Gläubigern“, stellt Schorlemmer fest. Der erfolgversprechendere Weg sei jedoch ein klassischer Unternehmensverkauf und die Suche nach einem Investor, der frisches Geld mitbringt.

Hintergrund

Nußbaum GmbH & Co. KG

Die Otto Nußbaum GmbH & Co. KG ist ein familiengeführtes Unternehmen in Kehl und gilt als einer der Marktführer für Hebebühnentechnik weltweit. 2018 feierte die Firma ihr 75-jähriges Bestehen. Der Umsatz belief sich laut dem Wirtschaftsinformationsdienst North Data auf jeweils 65 Millionen Euro in den Jahren 2017 und 2018. 2011 waren es noch 107 Millionen Euro. Die Unternehmen Nussbaum World Lifts GmbH, Nussbaum Parking GmbH, Nussbaum Automotive Solutions LP und Nussbaum Technologies GmbH sind von diesem Insolvenzantrag laut Mitteilung der Kanzlei Schultze & Braun nicht betroffen.

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