720 statt 504 Millionen Euro

Kosten für Klinikneubauten steigen dramatisch

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red/js
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11. Juli 2019

Die Kreisräte waren bei ihrer Entscheidung im Juli 2018 für die »Agenda 2030« noch von deutlich niedrigeren Kosten für die Klinikneubauten ausgegangen. ©Ulrich Marx

Der Neubau der Kliniken in Offenburg und Achern und der Teilneubau in Lahr wird für das Ortenau-Klinikum wohl deutlich teurer als gedacht. Statt von 504 Millionen Euro geht Klinikgeschäftsführer Christian Keller jetzt von 720 Millionen Euro aus.

Auf das Ortenau-Klinikum kommt beim Neubau der Standorte in Offenburg und Achern, sowie dem Teilneubau der Klinik in Lahr wohl eine enorme Kostensteigerung zu. Das geht aus einer Pressemitteilung des Ortenau-Klinikums hervor. Klinikgeschäftsführer Christian Keller hatte am Donnerstag den Projektantrag beim Land in einer nichtöffentlichen Sitzung des Krankenhausausschusses vorgestellt. Der Antrag ist Voraussetzung für die Förderung der Baukosten aus dem Krankenhausstrukturfonds des Landes mit der Kofinanzierung des Bundes, so das Klinikum.

Niedrigere Schätzung

Die Beratungsfirma Lohfert und Lohfert war in ihrem Gutachten, auf dessen Grundlage der Kreistag vor einem Jahr  für die Umsetzung der Agenda 2030 gestimmt hatte, noch von Kosten von 504 Millionen Euro ausgegangen. Für den Antrag haben die Berater von Teamplan jetzt Kosten von 720 Millionen Euro ermittelt. 

Die Diskrepanzen zwischen der gutachterlichen Schätzung aus 2018 und der aktuellen Kostenermittlung durch die Fachplaner geht auf verschiedene Faktoren zurück, schreibt das Ortenau-Klinikum. So berücksichtige die aktuelle Kostenermittlung einen deutlichen Anstieg des Baukostenindexes von 2018 auf 2019 um 5,2 Prozent. Dies sei auf die überhitzte Baukonjunktur zurückzuführen. Die Baukosten seien auch in den nächsten Jahren entsprechend dem jeweiligen Baukostenindex fortzuschreiben. Insoweit werde Stand heute von im Durchschnitt mindestens drei bis fünf Prozent auszugehen sein.

Mehr Betten

Auch gehen die Fachplaner von 69 zusätzlichen Planbetten aus, unter anderem weil sie mit einer höheren Leistungsentwicklung des OrtenauKlinikums rechnen, heißt es weiter. Außerdem legen sie einen größeren Flächenbedarf zugrunde. Weitere Ursachen für die Kostensteigerung sind laut der Pressemitteilung höhere Baunebenkosten, eine differenziertere Betrachtung der Medizintechnikkosten sowie ein größerer Umfang der Baumaßnahmen in Lahr. 

In der Einzelbetrachtung der Bauvorhaben gehen die Fachplaner von Teamplan von 867 Betten (bisher 872 Betten) für das Großklinikum in Offenburg aus, schreibt das Klinikum. Für die Gesamtinvestitionskosten in Offenburg veranschlage das Fachbüro rund 494 Millionen  Euro – rund 150 Millionen Euro mehr als bisher angenommen. 

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Lahr wird teurer

Für den Neubau des Standorts Achern legt Teamplan demzufolge einen Bettenbedarf von 270 Betten (bisher 236 Betten) zugrunde. Die Gesamtinvestitionskosten sehen die Planer hier bei rund 136 Millionen Euro. Lohfert und Lohfert war noch von rund 80 Millionen Euro ausgegangen. Für den Teilneubau und Sanierungsmaßnahmen in Lahr werden bis 2030 rund 90 Millionen Euro  (bislang 70 Millionen Euro) veranschlagt. Außerdem habe Teamplan  noch einen zusätzlichen Sicherheitspuffer von 15 Prozent oder 108 Millionen Euro für die Kalkulation vorgeschlagen.

Darüber hinaus schlagen die Planer für den Standort Lahr eine über 2030 hinausgehende Kalkulation mit einer Gesamtsanierung und Modernisierung vor, der ein höherer Flächenbedarf und mögliche weitere Erfordernisse der fernen Zukunft zugrundegelegt wurden. Die summieren sich auf  bis zu zusätzliche 80 Millionen Euro.  

Auf die Förderung des Landes soll die Steigerung aber keinen Einfluss haben. Der Kreis als Träger und das Ortenau-Klinikum erwarten weiterhin die maximale Förderung der Bauvorhaben durch das Land mit bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten, betont das Klinikum in seiner Pressemitteilung. 

Neue Erkenntnisse

»Während im Rahmen des Strategiegutachtens vor allem der Variantenvergleich des Status-Quo mit einem Drei- und Vier-Standortmodell unter den Zielsetzungen der optimalen Versorgungssicherheit, der medizinischen Behandlungsqualität und der Personalgewinnung im Vordergrund standen, ging es für den Projektantrag beim Land jetzt darum, die voraussichtlichen Baukosten durch Fachplaner zu ermitteln und dabei auch die in den letzten Monaten von den Kreisgremien bereits getroffenen weiteren Entscheidungen und neue Erkenntnisse zu berücksichtigen«, erklären Keller und Landrat Frank Scherer.  Es handle sich um Maximalwerte, die mit besonderer kaufmännischer Vorsicht kalkuliert worden sein, heißt es weiter. 

In der Sitzung des Ausschusses seien zudem erste Planungen und Kostenansätze für nicht-klinische Nutzungen wie beispielsweise Parkhäuser, Wohnheime, Betriebskindergärten und Ärztehäuser  vorgestellt worden, die allerdings nicht Bestandteil der Agenda 2030 waren. Die Gesamtbaukosten für diese Einrichtungen werden für alle Standorte, je nach Ausgestaltung, auf rund 120 bis 140 Millionen Euro veranschlagt. Hinsichtlich dieser Vorhaben kommen unter Umständen auch private Investoren und Betreiber in Betracht, so das Klinikum.

Stichwort

Agenda 2030

2018 hat der Kreistag mit großer Mehrheit die Agenda 2030 beschlossen. Sie sieht gravierende Einschnitte in die Kliniklandschaft vor. Bis 2030 sollen die Kliniken in Kehl, Oberkirch und Ettenheim geschlossen werden. Begründet haben Klinik und Kreisverwaltung die Notwendigkeit der Entscheidung mit der Aussicht auf eine bessere medizinische Versorgung und Vorteilen bei der Personalgewinnung. 

Der Widerstand gegen die Agenda ist in den von schließungen betroffenen Städten nach wie vor groß. Der Kreistag beschloss auch den Neubau des Klinikums Achern und die Zuammenführung der zwei bisherigen Offenburger Standorte in einem Großklinikum am Standort Holderstock. 

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