Flüchtlinge

Kreis prüft weitere Turnhallen als Notunterkunft

Autor: 
Thomas Reizel
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31. Juli 2015
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Symbolbild. ©Archiv

Der Ortenaukreis wird nach der Turnhalle des Forstlichen Ausbildungszentrums Mattenhof in Gengenbach weitere Turnhallen mit Flüchtlingen belegen. »Das kann schlagartig passieren«, sagte Dezernent Michael Loritz. Standorte in Kehl, Lahr, Offenburg und Wolfach werden auf Technik und Brandschutz geprüft.

Die Lage im Ortenaukreis ist prekär. »Wenn der Zustrom von Flüchtlingen so anhält wie bisher, dann haben wir für September kaum noch Quartiere«, beschreibt Michael Loritz, beim Landrats­amt zuständiger Dezernent für Migration, die Lage. Im Juli seien 352 Menschen zugewiesen worden, für August und September rechnet Loritz mit je 300 bis 400 Flüchtlingen.

Zwar gebe es auch Abgänge, etwa wenn Asylanträge abgelehnt oder bewilligt werden. Im Falle einer Anerkennung müssen diese Menschen in die sogenannte Anschlussunterbringung, also auf Wohnungen in den 51 Städten und Gemeinden verteilt werden.
Doch der Zustrom ist weit größer, weshalb es beim Bestand von Quartieren einen gravierenden Negativsaldo gibt. Stimmen die Prognosen von Bund und Land, fehlen im Ortenaukreis bis Jahresende rund 870 Plätze.

Prognosen aber ändern sich derzeit rasant. Im Februar waren Experten noch von 250 000 Flüchtlingen in Deutschland ausgegangen, nur drei Monate später lag die Zahl schon bei 450 000. »Ich gehe davon aus, dass auch das zu niedrig ist«, sagte Loritz. Es könnten also weit mehr als 870 Plätze fehlen.

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Obwohl der Kreis eigentlich keine Turnhallen belegen wollte, bleibt ihm jetzt nichts anderes mehr übrig. Für September sind 60 Menschen in Forstlichen Ausbildungszentrum Mattenhof in Gengenbach vorgesehen (wir berichteten gestern). Doch das reicht nicht. »Deshalb überprüfen wir die kreiseigenen Turnhallen an den Beruflichen Schulen in Kehl, Lahr, Offenburg und Wolfach auf Technik und Brandschutz«, erläuterte Michael Loritz. Sollten die Voraussetzung für die Unterbringung gegeben sein, böte jede Halle Platz für mehr als 100 Menschen. Wie im Mattenhof würden auch in den anderen Hallen abgeschlossene Messestände aufgebaut, die ein gewisses Maß an Intims­phäre bieten.

Paradoxe Lage
Dabei bräuchte es die Unterbringung in Turnhallen gar nicht, denn es gibt nach Auskunft von Loritz genügend leerstehende Immobilien im Landkreis: »Aber an die kommen wir nicht ran. Hätten wir diese, dann kämen wir gut über das Jahr.«
Aus diesem Grund habe Landrat Frank Scherer Bürgermeister und Oberbürgermeister zu einem Flüchtlingsgipfel eingeladen. Hier will er die Notlage des Kreises nochmals darstellen und eindringlich um Unterstützung bitten. Gleichwohl sieht Loritz, dass sich vor allem kleinere Gemeinden, in denen größere Gebäude zur Verfügung stehen, überlastet fühlen.

Helfen würde dem Kreis auch, wenn Asylbewerber mit hohen Anerkennungschancen schnell in die Anschlussunterbringung kämen. Deshalb appelliert der Kreis an die Gemeinden, entsprechende Wohnungen bereitzustellen.

Keine Prämienzahlung
Das größte Problem sei der Ansturm aus Balkanländern, die als sichere Herkunftsländer eingestuft werden. »Das macht bei uns 52 Prozent der Belegung aus«, rechnete Loritz vor. Eine Rückreiseprämie, wie sie der Landkreis Lörrach bietet, lehne der Ortenaukreis jedoch ab, weil er befürchtet, dass Menschen nur kommen, um das Geld zu kassieren. Stattdessen gewähre der Kreis in Einzelfällen Rückkehrhilfen, etwa wenn es um Kosten für den Transport von gespendeten Möbeln geht. »Das sind aber keine Beträge, die in die Tausende gehen«, erklärte Michael Loritz.

Hintergrund

Lage wie nach dem Mauerfall

Der Ortenaukreis erlebt nach eigenen Angaben einen Zustrom wie in den Jahren nach dem Mauerfall 1989. Allerdings kamen damals im Gegensatz zu heute zudem viele Aussiedler.
Damals hatte der Landkreis noch Liegenschaften wie die Kehler Hafenkaserne oder auf der Acherner Illenau. Doch hat der Kreis, damals auch aus finanziellen Gründen, diese Immobilien nicht mehr gemietet, zumal der Flüchtlingsstrom abebbte. Den niedrigsten Stand verzeichnete der Kreis  2008/2009 mit unter 300 Asylbewerbern. 2013 waren es rund 1000, vor einem Jahr 1500.  Für dieses Jahr wird mit rund 2500 gerechnet.

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