Ortenau

Kreuzkraut auf dem Vormarsch

Autor: 
Andreas Braun
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12. Juli 2010
Foto: Andreas Braun - S:\Produktionsbilder\file5v9cry2cdi93lew5bbo.jpg

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Das Schmalblättrige Kreuzkraut ist im Ortenaukreis auf dem Vormarsch: Die aus Südafrika stammende, giftige Pflanze wurde bei uns bereits vor 15 Jahren gefunden und wuchs bislang – weitgehend im Verborgenen – auf Kies- und Schuttflächen. Nun breitet sich diese Art entlang der A 5 aus.

Ortenau. Der Mittelstreifen auf der Autobahn A 5 hat sich seit kurzem in ein gelbes Blütenmeer verwandelt – und zwar über weite Strecken im Kreis von Achern im Norden bis Rust im Süden. Für diese auffällige Farbenpracht sind mehrere Pflanzenarten verantwortlich. Oft handelt es sich jedoch um das Schmalblättrige Kreuzkraut (wissenschaftlich: Senecio inaequidens), das sich vor allem durch seinen stark verzweigten Stängel und seine vergleichsweise schmalen Blätter von ähnlichen Arten der gleichen Gattung unterscheidet. Es wird bis zu 60 Zentimeter hoch und kann bei milden Temperaturen bis in den Dezember hinein blühen.
Eigentlich ist das Schmalblättrige Kreuzkraut im südafrikanischen Hochland zu Hause. Durch Verschleppung mit Schafswolle gelangte die Pflanze jedoch bereits vor über 100 Jahren nach Europa. Seit den 1950er-Jahren schreitet eine zweite Ausbreitungswelle von Belgien aus nach Osten voran; Mitte der 1990er-Jahre schätzten Experten den Bestand des Schmalblättrigen Kreuzkrauts in Baden-Württemberg bereits auf rund 1000 Exemplare.
»Die Vorkommen der Pflanze beschränkten sich zunächst auf Bahnanlagen, Industrie­brachen und ähnliche Stellen«, so Jörg-Uwe Meineke, Leiter des Referats Naturschutz und Landschaftspflege beim Regierungspräsidium Freiburg. In der Ortenau wächst das Schmalblättrige Kreuzkraut beispielsweise schon länger an einigen Stellen im Kehler Hafengebiet. Seit einiger Zeit, so Meineke, beobachte man jedoch, dass die Pflanze verstärkt auch andere Orte besiedle: »Woran das liegt und warum dieser Prozess nicht schon früher eingesetzt hat, weiß man letztlich nicht.« Die zunehmende Erwärmung könne eine Rolle spielen. Eine andere Erklärungsmöglichkeit ist, dass sich die Zusammensetzung des Erbguts bei Pflanzen mitunter rasch ändern kann, was dann eine hohe Anpassungsfähigkeit zur Folge hat.
Dass das Schmalblättrige Kreuzkraut die Mittelstreifen der Autobahn vielerorts in ein gelbes Blütenmeer verwandelt, passt zum deutschlandweiten Trend: »Schwerpunkt der Ausbreitung sind unter anderem Autobahnmittelstreifen und Straßenränder«, heißt es in einer Mitteilung des Bundesamts für Naturschutz. Die Samen würden dabei oftmals durch den Fahrtwind oder durch Anhaftung an Fahrzeugen weiter transportiert. Ökologische Probleme bereite die Pflanze indes noch nicht, zumal sie überwiegend Flächen besiedle, die von anderen Arten kaum bewachsen würden, heißt es.
»Aus Naturschutzsicht ist das Schmalblättrige Kreuzkraut daher bei uns nach wie vor völlig unproblematisch«, resümiert auch Biologe Meineke. Ob dies aber auch in Zukunft so sein wird, bleibt abzuwarten: In Südfrankreich gilt das Gewächs bereits als problematisch, da es verstärkt in Weinberge und Weiden eindringt. Ein Vordringen in Acker- und Weideland ist nicht nur wegen der möglichen Verdrängung heimischer Arten problematisch, sondern auch wegen der Giftigkeit der Pflanze: »Wie andere Kreuzkräuter auch enthält sie Inhaltsstoffe, die zu Leberschäden und Leberkrebs führen können«, erläutert Irmgard Merfort vom Institut für Pharmazeutische Biologie der Uni Freiburg.
Gefährdung?
Laut Bundesamt für Naturschutz ist nicht auszuschließen, dass das Schmalblättrige Kreuzkraut irgendwann auch bei uns in Äcker eindringen und wegen der Giftigkeit den Getreideanbau beeinträchtigen könnte: In ihrer afrikanischen Heimat gelangt die Pflanze gelegentlich in die Brotproduktion, was mitunter zu Vergiftungen führt. Bei uns ist eine solche Gefährdung für Menschen derzeit zwar nicht in Sicht, dennoch sollte die Entwicklung beobachtet werden.

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Kreuzkräuter

Zur Gattung der Kreuzkräuter gehören weltweit etwa 1000 bis 3000 Arten; 14 von ihnen kommen in Baden-Württemberg vor. Der botanische Gattungsname »Senecio« leitet sich vom lateinischen Wort für »Greis« ab – vermutlich, weil die weißlichen Haare der Früchte dieser Pflanzen wie Greisenhaare aussehen. Im Volksmund werden sie daher auch als »Greiskräuter« bezeichnet. Kreuzkräuter sind in der Regel giftig, wobei die Giftigkeit von Art zu Art schwankt. Verantwortlich dafür sind besondere Inhaltsstoffe (Alkaloide), die zu Leberschäden und Krebs führen können. Im vergangenen Jahr sorgte das Jakobs-Kreuzkraut in der Ortenau für Furore, weil es für Pferde und Rinder giftig ist und mancherorts in Weiden eindrang.

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