Hoher Inzidenzwert
Dossier: 

Einzelhandel darf ab Samstag nur noch Terminshopping anbieten

Autor: 
Bastian André und Simon Allgeier
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
18. März 2021
Mehr zum Thema

©dpa

Ab Samstag darf der Einzelhandel im Ortenaukreis nur noch „Click and Meet“ anbieten. Dann greift die auf Anweisung vom Sozialministerium erlassene neue Allgemeinverfügung.

Aufgrund der hohen Sieben-Tage-Inzidenz über 50 und der nun erfolgten Anweisung des Sozialministeriums muss der Einzelhandel in der Ortenau ab Samstag den Normalbetrieb unter Corona-Bedingungen wieder einstellen. Das bestätigte Landrat Frank Scherer am Donnerstag in einer Video-Pressekonferenz, nachdem es bereits am Mittwochabend solche Signale aus Stuttgart gegeben hatte.

Freitag ist somit der letzte reguläre Öffnungstag. Ab Samstag ist dann nur noch Click & Meet möglich, das heißt Einkaufen nach Termin. Supermärkte sind davon weiterhin nicht betroffen. Am Mittwoch lag die Inzidenz im Ortenaukreis bei 81,2 – und sie steigt derzeit täglich.

Der Ortenaukreis hatte dennoch bis zuletzt um die Anerkennung gerungen, dass im Kreis kein diffuses Infektionsgeschehen herrscht. Das Ministerium sieht das anders. Landrat Scherer betont, dass sowohl er als auch das Ortenauer Gesundheitsamt die Entscheidung nicht richtig findet. „Es gäbe sinnvollere Maßnahmen“, meint er und führt eine innerstädtische Maskenpflicht als Beispiel an, genauso wie unter Aufsicht von Lehrern durchgeführte Eigen-Schnelltests bei Schülern.

Höhere Inzidenzwerte erwartet

- Anzeige -

Durch die Öffnung von Kindergärten und Schulen seien höhere Inzidenzwerte erwartbar gewesen, sagt Gesundheitsamtsleiterin Evelyn Bressau. In diesen Einrichtungen würden aktuell die meisten Neuinfektionen stattfinden. Die ansteigenden Inzidenzzahlen gelte es auszuhalten, zumal das Durchschnittsalter der Neuinfizierten bei 38 liege, was die Zahl schwerer Corona-Verläufe deutlich senke. „Wir können nicht erwarten, dass wir alles aufmachen und die Inzidenz niedrig bleibt, sonst hätten die Maßnahmen ja gar nichts gebracht“, findet die Leiterin des Gesundheitsamtes.

Nachdem der Inzidenzwert im Ortenaukreis am vergangenen Sonntag bereits drei Tage infolge über 50 lag, hatte sich der Krisenstab des Ortenaukreises getroffen und ein Schreiben an das Sozialministerium verfasst. In diesem ersuchte der Landrat Sozialminister Lucha, das Infektionsgeschehen im Ortenaukreis als nicht diffus zu bewerten und argumentierte unter anderem damit, dass im Kreis auch Personen über die RKI-Vorschriften hinaus getestet würden, die Kontaktpersonennachverfolgung weiterhin gewährleistet sei und Schnelltestkapazitäten massiv ausgeweitet würden.

Landrat: Infektionsgeschehen nicht-diffus

Vor allem aber zielte der Verwaltungsjurist Scherer auf die vom Sozialministerium „erst am 12. März nachgeschobene Begründung“ ab, ab welchem Zeitpunkt ein Infektionsgeschehen als diffus gilt. Obwohl am Mittwoch Neuinfektionen in 25 von 51 Gemeinden gemeldet wurden, bezeichnet das Landrats­amt das Infektionsgeschehen als nicht-diffus. „Unsere Auslegung ist, dass das Infektionsgeschehen erst diffus ist, wenn Kontakte nicht mehr nachverfolgbar sind und das Gesundheitsamt überlastet ist“, erklärte Scherer.

Am Montag dann habe das Landratsamt Stellung zu weiterführenden Fragen aus Stuttgart genommen. Am Mittwochabend um 21 Uhr kam dann die ministeriale Anordnung, nachdem Baden Online bereits berichtet hatte, dass das Sozialministerium von seiner Linie nicht abrücken und der Ortenaukreis die Corona-Maßnahmen wieder verschärfen muss. Zwischen den Zeilen kritisiert Scherer, dass es zuvor keine Diskussion oder Rücksprache seitens des Ministeriums mit ihm gegeben habe. Scherer: „Wir mussten über ein Medium erfahren, was auf den Ortenaukreis zukommt.“

Hintergrund

Was ab Samstag wieder gilt

Ab Samstag gelten damit in der Ortenau wieder die in der Corona-Verordnung für einen Inzidenz-Wert zwischen 50 und 100 vorgeschriebenen Regelungen: Einzelhandel, Ladengeschäfte und Fachmärkte müssen schließen und dürfen nur noch nach vorheriger Vereinbarung Einzeltermine vergeben. Das gilt auch für Museen, Galerien, zoologische und botanische Gärten sowie Gedenkstätten. Friseure und Baumärkte können hingegen geöffnet bleiben.

Weitere Einschränkungen gelten für den Betrieb von Sportanlagen und Sportstätten im Freien.  Gemeinsam Sport treiben dürfen nur noch Angehörige des eigenen Haushalts oder Angehörige des eigenen und eines weiteren Haushalts mit nicht mehr als fünf Personen. Untersagt ist auch wieder der Betrieb von Musik-, Kunst- und Jugendkunstschulen mit Publikumsverkehr. Das heißt, Einzelunterricht und Unterricht für Gruppen von bis zu fünf Kindern bis einschließlich 14 Jahren ist nicht mehr gestattet. Das gilt auch für Tanz- und Ballettunterricht.

Umfrage: 
Oliver Berg/dpa

Die Einkaufsläden in der Ortenau dürfen nur noch Terminshopping anbieten. Was halten Sie davon?

Ich gehe dann lieber online oder gar nicht shoppen.
80% (1345 Stimmen)
Kein Problem, dann mache ich Termine aus.
20% (341 Stimmen)
Anzahl Stimmen: 1686

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 45 Minuten
Aktuelle Zahlen
Wie entwickeln sich die Corona-Infektionszahlen im Ortenaukreis? Unsere Übersicht gibt den aktuellen Stand mit Zahlen vom Land und den Kommunen.
Die Impfzentren der Ortenau werden ab Montag, 14. Juni, den Zweitgeimpften den QR-Code für den digitalen Impfpass gleich mitgeben.
vor 45 Minuten
Wo gibt es den QR-Code?
Noch sind manche Sachverhalte rund um den digitalen Impfpass der breiten Öffentlichkeit unklar. Wir haben das zuständige Sozialministerium befragt.
vor 45 Minuten
**LIVE**
Wie geht es weiter in der Pandemie-Krise? Mit unserem Newsblog sind Sie aktuell informiert über die wichtigsten Entwicklungen zum Coronavirus in der Ortenau und darüber hinaus.
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigt die App zum digitalen Impfpass bei der Pressekonferenz zur Corona-Lage am Donnerstag. Ab Montag werden die Apotheken dafür zuständig sein, dieses Zertifikat bereitzustellen. 
vor 1 Stunde
Herausforderung mit wenig Vorlaufzeit
Mit bemerkenswert kurzem Vorlauf und noch vielen offenen Fragen sollen die Apotheken ab Montag den digitalen Impfnachweis ausstellen. Die Bereitschaft ist da, die schlechte Vorbereitung nervt.
vor 2 Stunden
In eigener Sache
„Leser helfen“, die Benefizaktion der Mittelbadischen Presse, geht in die 25. Runde. Ab sofort können Bewerbungen eingehen.
Peter Juhani Koop, Pressesprecher des Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz in Kehl.
vor 2 Stunden
Ortenau-Kolumne
Die Deutsche Umweltplakette wird in Frankreich nicht anerkannt. Peter Juhani-Koop, Pressesprecher des Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz in Kehl, erläutert in der Ortenau-Kolumne, warum sich das ändern sollte.
Das Digitalgeschäft wird für die Deutsche Bank immer wichtiger. 
vor 2 Stunden
Digitalgeschäft immer wichtiger
Die Deutsche Bank in Offenburg hat ihr Geschäftsvolumen im Pandemie-Jahr um zehn Prozent gesteigert. Dabei habe sich auch gezeigt, wie wichtig digitale Bankzugänge und -angebote sind.
Wer Kurzarbeitergeld bezogen hat, muss bei der Steuererklärung einiges beachten 
vor 3 Stunden
Entlassungen vermieden
Das Kurzarbeitergeld hat viele Ortenauer vor dem Sturz in die Arbeitslosigkeit bewahrt. Bei der Steuererklärung könnte es aber für manchen ein böses Erwachen geben.
Freuen sich über den Start der Lebensretter-App FirstAED im Ortenaukreis: (v.l.) Jürgen Mohrbacher, Mitinitiator der FirstAED-App, Joachim Hurst, Geschäftsführer DRK Kreisverband Lahr, Manfred Lenz, Geschäftsführer DRK Kreisverband Kehl, Urs Kramer, Amtsleiter Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt Ortenaukreis, Landrat Frank Scherer, Chefarzt Philipp Diehl, Ortenau Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller undPeter Kraemer, Medizinischer Direktor des Ortenau Klinikums.
vor 15 Stunden
Schnelle Hilfe
Ortenaukreis, Ortenau-Klinikum und DRK-Kreisverbände starten das Projekt „Region der Ersthelfer“ zur schnellstmöglichen Hilfe für Betroffene mit Herzkreislaufstillstand.
vor 20 Stunden
Ortenau
Allerheiligen-Wasserfälle und Klosterruine, Engelskanzel, Braunberg und Lierbachtal: Die Tour bietet beeindruckende Ausblicke und sorgt mit den Wasserfällen, steilen Schluchten und der Klosterruine immer wieder für Abwechslung.
Ortenauer Kinderärzte werden sich an die Empfehlung der Ständigen Impfkommission halten und bevorzugt Jugendliche impfen, die eine schwere Vorerkrankung haben.
13.06.2021
Forschung ist noch nicht sehr weit
Kinderärzte und Impfzentren in der Ortenau impfen bevorzugt 12- bis 17-Jährige mit schweren Vorerkrankungen. Gesunden Jugendlichen raten sie abzuwarten, bis mehr über die Risiken erforscht ist.
12.06.2021
Ortenau
Hobby, Passion, Ehrenamt: All das und noch viel mehr bedeutet das Wandern für Albert Huber schon seit fast 50 Jahren. Porträt eines Wanderers.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das Arbeitgeberversprechen "in good company" wird bei Hubert Burda Media wörtlich genommen. 
    vor 45 Minuten
    Spannende Sales-Jobs: Im Dialog mit den Verbrauchern
    1903 als Druckerei gegründet, gehört Hubert Burda Media heute mit mehr als 1600 Arbeitsplätzen am Standort Offenburg zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region und zählt mit weiteren Standorten zu einem der größten Medien- und Technologieunternehmen Europas.
  • Das Trinationales Filmfestival der Medien Hochschule Offenburg wird live aus dem FORUM Cinema in Offeburg gestreamt.
    12.06.2021
    Filmfestival Hochschule Offenburg – 53 Filme am Start
    Das trinationale studentische Filmfestival SHORTS wird dieses Jahr vom 1. bis 5. Juli live aus den FORUM Cinemas Offenburg gestreamt.
  • Bürstner ist seit über 55 Jahren ein Garant für Qualität und Kompetenz in Sachen Wohnmobile und Wohnwagen.
    11.06.2021
    Bürstner GmbH & Co. KG aus Neumühl: Ein Garant für Qualität
    Seit 55 Jahren sind Bürstner-Wohnwagen ein Synonym für Qualität und unbeschwerten Urlaub. Das beweisen viele Preise. 2021 ist der Wohnmobilhersteller mit dem German Innovation Award „Winner“ ausgezeichnet worden. Das Unternehmen baut seine Produktion aus und stellt ein.
  • Am 11. und 12. Juni bietet die Herrenknecht AG Schülern mit bei den Ausbildungstagen Einblick in rund ein Dutzend Ausbildungsberufe.
    11.06.2021
    Herrenknecht AG in Schwanau sucht junge Talente
    Die Herrenknecht AG - der weltweit agierende Hersteller von Tunnelvortriebsmaschinen, beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter in Schwanau. Auf der Suche nach Nachwuchstalenten veranstaltet das Unternehmen am 11. und 12. Juni zwei Ausbildungstage. Gleich anmelden!