Grundwasser nicht belastet

Landratsamt misst keine erhöhten PFC-Werte in Achern und Rheinau

Autor: 
Von Bettina Kühne
Lesezeit 2 Minuten
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19. Mai 2020
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Landwirt bei der Heuernte. ©Peter Heck

Das Landratsamt ließ mit belastetem Schlamm gedüngte Äcker im Norden des Kreises untersuchen. Ergebnis: Viele seien unbelastet, bei drei müsse die Ernte auf Schadstoffe untersucht werden.

„Keine relevanten PFC-Befunde im nördlichen Kreisgebiet“ lautet das Untersuchungsergebnis von Ackerflächen der Gemarkungen Achern und Rheinau. Das Landratsamt Ortenaukreis teilte gestern mit, dass ein umfassenden Untersuchungsprogramm „allenfalls geringe Verunreinigungen mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) aus Papierschlamm-Kompost-Gemischen ergeben“ hätten. Solche Gemische hatten Landwirte von 1999 bis 2008 zur Düngung auf landwirtschaftlichen Flächen im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden ausgebracht. 

Seit 2014 untersucht

„Ein Datenabgleich mit dem Landratsamt Rastatt Ende Mai 2019 zeigte, dass Landwirte aus dem dortigen Zuständigkeitsbereich im betreffenden Zeitraum auch Ackerflächen im Ortenaukreis bewirtschaftet haben“, so Bernhard Vetter, Leiter des Amts für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Landratsamt Ortenaukreis. So sei nicht auszuschließen gewesen, dass Papierschlamm-Kompost-Gemische aus dem Nachbarkreis auch auf Ackerflächen im Ortenaukreis aufgebracht wurden. Trinkwasseruntersuchungen ab 2014 hätten jedoch keine Hinweise auf PFC-Belastungen im Ortenaukreis ergeben. 

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„Um auch ein minimales Risiko auszuschließen, hat der Ortenaukreis nach den Hinweisen aus Rastatt als vorbeugende Maßnahme zum Verbraucherschutz ein umfassendes Untersuchungsprogramm gestartet und vertiefte Grund-, Trinkwasser-, Boden- und Pflanzenuntersuchungen vorgenommen“, erklärt Vetter. 22 infrage kommende Äcker mit einer Gesamtfläche von 29 Hektar wurden ermittelt und die Böden dieser Flächen untersucht. „Daneben haben wir Nutzpflanzen untersuchen lassen, die erfahrungsgemäß leicht PFC aus verunreinigten Böden aufnehmen können und die auch für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Konkret waren das acht Ackerflächen, auf denen Weizen und Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, angebaut waren“, erläutert der Amtsleiter. Zusätzlich wurden das oberflächennahe Grundwasser sowie das in den umliegenden Wasserschutzgebieten zu Trinkwasserzwecken genutzte Grundwasser auf PFC beprobt und analysiert.

Stoermer gibt Entwarnung

„Nachdem der Abschlussbericht nun vorliegt, freue ich mich sehr, dass wir für die Ackerflächen im Ortenaukreis Entwarnung geben können“, sagt der Erste Landesbeamte und zuständige Dezernent Nikolas Stoermer. „Die Laboruntersuchungen ergaben keine messbaren PFC-Gehalte in Trinkwasser und Pflanzen und nur äußerst geringe in Grundwasser und Böden weniger Flächen“, so Stoermer. „Aus Vorsorgegründen wird auf 5,8 Hektar der Ackerflächen ein Vor-Ernte-Monitoring durchgeführt, wenn dort sensible Nutzpflanzenkulturen angebaut werden“, erklärt der Erste Landesbeamte. 
 

Hintergrund

Ergebnisse im Detail

Pflanzenproben: Bei der Untersuchung von acht ausgewählten Pflanzenproben ergaben sich keine Hinweise auf eine PFC-Verunreinigung der angebauten Nutzpflanzen. Es bestanden keine Bedenken, das Erntegut zu verkaufen. 

Bodenproben: Auf den 22 Ackerflächen wurden 96 Bodenproben entnommen. Bei zehn Ackerflächen – zusammen 7,2 Hektar – wurden keine PFC nachgewiesen. Bei sechs weiteren Ackerflächen wurden auf 9,3 Hektar PFC in geringen Spuren nachgewiesen. Bei drei Ackerflächen waren auf 6,3 Hektar PFC nachweisbar, jedoch unterhalb des geltenden Beurteilungswertes. Für diese Ackerflächen sei kein weiterer Handlungsbedarf gegeben. Bei den drei Ackerflächen mit einer Gesamtgröße von 5,8 Hektar wurden PFC-Gehalte knapp über dem Beurteilungswert nachgewiesen. Auf diesen Ackerflächen sei eine weitergehende Gefährdungsabschätzung mit Grundwasseruntersuchungen durchgeführt worden. Sofern auf den Flächen Nutzpflanzen für Lebensmittelzwecke angebaut werden, solle aus Vorsorgegründen ein Vor-Ernte-Monitoring durchgeführt werden.

Untersuchung oberflächennahes Grundwasser: Auf den drei betroffenen Ackerflächen wurden Grundwassermessstellen errichtet und beprobt. Die Proben wurden im oberflächennahen Grundwasser entnommen, um eine Verlagerung von PFC aus dem Boden ins Grundwasser überprüfen zu können. Bei einer Ackerfläche waren keine PFC im Grundwasser messbar, bei zwei Flächen wurden PFC in Spuren nachgewiesen. Keine der Grundwasserproben habe den Beurteilungswert für PFC überschritten, heißt es. 

Untersuchung Grundwasser für Trinkwasser: Im Umfeld der 22 Ackerflächen befinden sich neun Wasserschutzgebiete. In jedem wurde ein Brunnen beprobt und auf PFC untersucht. Da bei der Untersuchung keine PFC festgestellt wurden, seien keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Eine Gefährdung des zu Trinkwasserzwecken genutzten Grundwassers liege nicht vor, schreibt das Landratsamt in der Pressemitteilung.
 

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