Benefizaktion "Leser helfen"

So sieht der Alltag für Eltern und Kinder im Elternhaus aus

Autor: 
Victoria Hof
Lesezeit 3 Minuten
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06. Dezember 2019
Neue Familien stehen meist unangemeldet im Elternhaus. Sonja Schmidt und ihre Kolleginnen versuchen nicht nur bei der Zimmervergabe auf die Bedürfnisse der Familien einzugehen.

Neue Familien stehen meist unangemeldet im Elternhaus. Sonja Schmidt und ihre Kolleginnen versuchen nicht nur bei der Zimmervergabe auf die Bedürfnisse der Familien einzugehen. ©Förderverein für krebskranke Kinder

Im Freiburger Elternhaus kümmert man sich um die Eltern und Geschwister schwerstkranker Kinder. Oft stehen die Betroffenen noch unter Schock, wenn sie am Empfang des Elternhauses stehen. Dort werden sie von den Mitarbeiterinnen einfühlsam aufgenommen.

Unangemeldet und oft direkt nach der Diagnose stehen die Eltern schwerstkranker Kinder plötzlich am Empfang des Elternhauses. Viele weinen oder sind verzweifelt. Manche wirken orientierungslos und wieder andere glauben an ein Missverständnis und wollen nur noch eins, nämlich aus diesem Alptraum erwachen. Die drei Mitarbeiterinnen am Empfang des Elternhauses werden tagtäglich mit unterschiedlichsten Menschen und schweren Schicksalen konfrontiert. Allen gemeinsam ist die Sorge um ein schwerstkrankes Kind. Iris Fritz, Renate Schneider und Sonja Schmidt tun alles dafür, dass sich diese Familien willkommen fühlen und in ihrem völlig neuen Alltag zurechtfinden. Sie erklären die Abläufe, führen durchs Elternhaus oder reservieren Zimmer am Telefon. Außerdem hören sie zu, halten mit aus, fühlen mit. Jeden Tag aufs Neue.   

Es ist zwar kein leichter Job, sind sich die Frauen einig. Doch er sei sinnstiftend und deshalb erfüllend. „Für uns ist es wichtig, dass wir hier auch immer wieder lachen können, neben allen traurigen Nachrichten gibt es ja zum Glück auch die schönen und Hoffnung machenden“, erzählt Renate Schneider. „Es sind ständige Extreme hier, auf eine schlechte Nachricht folgt eine gute Nachricht, und wir switchen ständig hin und her.“ Die Schicksale gehen den Mitarbeiterinnen im Elternhaus auch nach vielen Jahren noch nah. „An Leid gewöhnt man sich nie“, findet Sonja Schmidt. „Vor allem Rückfälle nehmen einen mit, wenn eine Familie plötzlich wieder dasteht, die man eigentlich schon längst verabschiedet hatte.“ 

Wertvolles Feedback

Wenn das Team am Empfang des Elternhauses auf irgendetwas eingestellt ist, dann darauf, dass es sich auf nichts einstellen kann. Denn jeder Tag ist anders. Auch die Auslastung des Elternhauses mit seinen 37 Zimmern und 73 Betten variiert von Tag zu Tag. Mit bis zu 1800 Übernachtungen pro Monat stößt das Elternhaus hin und wieder sogar an seine Grenzen, dann werden in den Gemeinschafts- oder Besprechungsräumen zusätzliche Schlafmöglichkeiten eingerichtet.  

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„Wenn man hier arbeitet, muss man organisieren und flexibel mit Veränderungen umgehen können“, erzählt Iris Fritz aus ihrem Alltag. Am allerwichtigsten aber sei es, dass man eine gute Menschenkenntnis habe und sich in die Gefühle anderer hineinversetzen könne. „Wir haben Supervisionen im Team, damit schaffen wir es, das Erlebte zu verarbeiten“, erklärt Fritz. „Was uns aber am besten hilft, ist unser Humor.“

Die schönste Anerkennung für ihre Arbeit bekommen die Empfangsdamen durch die zahlreichen Dankesschreiben, die Familien nach Ende der Therapiezeit hinterlassen. „Das Feedback der Eltern zeigt uns, dass unsere Arbeit wertvoll ist, und das wiederum motiviert uns“, sagt Sonja Schmidt. 

„Sich sicher fühlen“

Immer wieder kommt es in den Zimmern und Fluren des Elternhauses zu Begegnungen und Gesprächen unterschiedlichster Art. Das Empfangsteam und auch die hauswirtschaftlichen Mitarbeiterinnen sind deshalb ganz nah an den Eltern dran. „Wir bekommen vieles ungefiltert und unmittelbar mit“, sagt Renate Schneider. Es seien regelrechte Wechselbäder an Gefühlen und oft reiche ein einziger Blick und man wisse, dass es dem Kind drüben in der Klinik nicht gut gehe.  

Doch all das sei nur menschlich und nachvollziehbar, finden die Frauen vom Empfang. Ihnen ist es wichtig, dass sich die Gäste im Elternhaus sicher und wohl fühlen und jeder sein könne, wie er ist, ohne sich erklären zu müssen. 

Stichwort

Neues Elternhaus

Der Förderverein für krebskranke Kinder unterhält in Freiburg ein Elternhaus in unmittelbarer Nähe zur Kinderklinik. Dieses bietet nicht nur eine Übernachtungsmöglichkeit für Eltern und Geschwister, sondern betreut die Familien mit einem ganzheitlichen Konzept. Unter anderem gibt es psychosoziale Beratung sowie sozialpädagogische Betreuung für die Kinder. Mit dem Neubau der Klinik wird es auch ein neues Elternhaus geben. Zwölf Millionen Euro müssen dafür über Spenden aufgebracht werden. 
Die diesjährige Benefizaktion »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse sammelt für das neue Elternhaus.

Spenden für »Leser helfen«

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