Interview

»Leser helfen«: Jetzt kann man sich bewerben!

06. Mai 2016
&copy Ulrich Marx&copy Iris Rothe&copy Christoph Breithaupt&copy Ulrich Marx

Die Aktion »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse sammelt Spenden für Projekte in der Region. In diesem Jahr feiert sie ihr 20-jähriges Bestehen. Thomas Reizel, seit 2000 Vorsitzender des Vereins, spricht im Interview mit unserer Zeitung über die Höhepunkte der vergangenen zwei Jahrzehnte und über den weiteren Fahrplan für dieses Jahr.

Die »Leser helfen«-Aktion feiert in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag. Wie wird gefeiert?
Thomas Reizel: Es gibt eine ganze Reihe von Ideen, aber jetzt schon konkrete Termine zu nennen, wäre noch zu früh. Was ich aber sagen kann, ist, dass es wieder eine Reihe von guten Bekannten geben wird. Die Unbekannten Musiker ohne Zukunft  werden eine Oldie-Party veranstalten, der FV Ebersweier wieder einen Silvesterlauf und Weber Haus das Neujahrsschwimmen in der ›World of Living‹. Da wird es etwas Besonderes geben, weil Organisator Hans-Dieter Rahner dieses Neujahrsschwimmen dann vor 30 Jahren ins Leben rief, damals aber noch nicht mit Weberhaus, sondern mit ein paar Freunden.

Es gab viele Spendenaktionen – wie der Verkauf der historischen Ausgaben des Offenburger Tageblatts im vergangenen Winter. Was war ihr Höhepunkt?
Reizel: Für mich ist schön zu sehen, dass viele Freiwillige jedes Jahr mithelfen, Geld für den guten Zweck zu sammeln, sei es durch Aktionen auf Weihnachtsmärkten oder Festen. Ein Highlight gibt es in dem Sinne für mich nicht, weil jede Aktion anders und am Ende immer ein Erfolg war. Gehen wir aber von reinen Zahlen aus, dann war es 2002/2003 mit 375 000 Euro für die Erweiterung des Elternhauses an der Universitäts-Kinderkrebs-Klinik. Dahinter lag vor zwei Jahren mit rund 241.000 Euro der Förderverein für nierenkranke Kinder und Jugendliche.

Worin liegt der Reiz einer »Leser-helfen«-Aktion?
Reizel: Der große Vorteil bei »Leser helfen« ist, dass die Menschen sehen können, dass das Geld in der Region bleibt. Sie können auch nachvollziehen, was mit den Spenden umgesetzt wurde. So wurden für das Aids-Hospiz, Sozialstationen und den Spastikerverein Autos finanziert, die mit Leser-helfen-Logo ausgestattet wurden. Medizinische Geräte, Spielplätze, der Sinnesgarten für die Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch sind weitere Beispiele. Das alles hilft den Betroffenen nicht nur einmal, sondern viele Jahre. 

Wie sieht der Fahrplan bis zum Auftakt der Aktion aus?
Reizel: Jetzt geht es darum, dass sich Vereine und Institutionen in den nächsten Wochen um die Aufnahme für das Projekt bewerben können, die Kranke, Menschen mit Behinderungen oder Menschen in Not unterstützen. Die Mitglieder von ›Leser helfen‹ entscheiden dann, welches Projekt zum Zuge kommt. Gefördert werden keine kommunalen, sondern gemeinnützige Vereine, die keine Fördermittel für ihre Projekte bekommen. Wichtig ist, dass die Projekte auf Dauer angelegt sind. Es geht also nicht um die Übernahme von laufenden Betriebskosten. 

Ein Baustein ist der Spendenzähler. Warum?
Reizel: Er ist ein Beitrag zur Transparenz. Jeder kann so sehen, ob die eigene Spende und wieviel Geld insgesamt angekommen ist.

Welche waren die außergewöhnlichsten Spenden der vergangenen 20 Jahre?
Reizel: Wir hatten schon Überweisungen von 99 Cent. Da hat vielleicht ein Kind sein Sparschwein geplündert und wollte etwas Gutes tun. Die größte Spende gab es vor zwei Jahren für den Förderverein Nierenkranke Kinder von einer Person, die anonym bleiben wollte über 50 000 Euro. Übrigens: Seit dem vergangenen Jahr kann man auch online spenden.

Wie viele Spenden sind denn insgesamt seit 1996 eingegangen?
Reizel: Bislang konnten wir Vereinen und Institutionen mit rund 2,8 Millionen Euro unterstützen. Es waren rund 40 Projekte.

Autor:
Matthias Jundt

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