"Leser helfen": Pflasterstube Offenburg hofft auf Wohnmobil

Autor: 
Thomas Reizel
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13. November 2016

Axel Richter, Vorsitzender des Fördervereins der Offenburger Pflasterstube, wünscht sich nichts mehr als ein Wohnmobil, um Obdachlose zu erreichen, die nicht den Weg in die Offenburger Pflasterstube finden. »Viele scheuen sich davor oder sind gesundheitlich nicht in der Lage, zu uns zu kommen«, sagt er im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse. Die Entfernungen im Ortenaukreis, mit mehr als 1800 Quadratkilometern Fläche der größte Kreis in Baden-Württemberg, sind groß.

Die Krankheitsbilder sind laut Axel Richter, vor seiner Pensionierung Chirurg am Ortenau-Klinikum in Offenburg, entsprechend: »Wir haben es mit fast dem gesamten Krankheitsspektrum, oft vergesellschaftet mit psychischen und Suchterkrankungen und ihren Komplikationen, zu tun.« In der Pflasterstube, die der Obdachlosenunterkunft St.-Ursula-Heim angegliedert ist, werden etwa 30 bis 40 Menschen pro Woche versorgt. »Die Medikamente werden über Privatrezepte verordnet und vom Förderverein bezahlt«, erklärt Axel Richter.

Doch es gab schon Menschen, die an Krebs litten und dringend operiert werden mussten. »Aber weil die Meisten nicht versichert sind, gibt es Probleme mit den Kostenträgern«, ergänzt er. Deshalb sei eigentlich die soziale Betreuung oberstes Ziel, um diese Menschen in die Krankenversicherung zu bekommen. Aber diejenigen, die nicht den Weg in die Pflasterstube finden, bleiben buchstäblich auf der Strecke. Wie viele es tatsächlich sind, ist nicht bekannt. Zwar kooperiert der Förderverein mit dem Café Löffel in Lahr und der Bahnhofsmission in Kehl, doch diese hätten keine geeigneten Räume. Für den Förderverein sei es aber wirtschaftlich undenkbar, Räume anzumieten.

Hausarzt 

An Bord wären ehrenamtlich Heinrich Vogel (73), Allgemeinmediziner im Ruhestand, und Kirstin Holst, praktizierende Zahnärztin in Bühl (Stadt), sowie Krankenschwester Ute Vogt (Offenburg), Basispfleger Günter Melle (Offenburg) und die soziale Fachkraft Bärbel Wahl. Sie alle würden in wechselnder Besetzung in Zweierteams unterwegs sein. Vogel hatte von 1980 bis 2006 eine Praxis in Willstätt-Legelshurst, war mit der Ärztevereinigung »German Doctors« 2010, 2011 und 2012 je sechs Wochen auf den Philippinen. »Die Situation der Menschen in den Slums ist zwar krasser, aber mit der von Obdachlosen vergleichbar.« Seit 2014 engagiert er sich ehrenamtlich im Kreis.

Zahnärztin

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Zahnärztin Kirsten Holst (56), Gemeindeglied in einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in Bühl, hatte schon als Kind die Berufung, sich um »Menschen, für die sich sonst niemand interessiert« zu kümmern. Sie war seit 2010 bis jetzt unter anderem in Haiti, Uganda, dem Libanon und den Philippinen im Einsatz, hat von der Aktion der Bild-Zeitung »Ein Herz für Kinder« eine mobile Behandlungseinheit finanziert bekommen. Damit hilft Kirsten Holst in der Pflasterstube und würde das auch im Wohnmobil tun.

Krankenschwester

Auch Ute Vogt sieht es als Berufung an, Obdachlosen zu helfen. »Ich bin gelernte Krankenschwester, aber ich konnte wegen des Kostendrucks nicht mehr so arbeiten, wie es mein Berufsverständnis ist«, sagte sie. Sie hilft in Teilzeit in der Pflasterstube – vom Förderverein finanziert – und bei Bedarf, der nach Auskunft von Axel Richter fast immer da ist, auch noch ehrenamtlich. Darüber hinaus würde sie gerne im Wohnmobil für die Obdachlosen arbeiten.

Die »Leser helfen«-Aktion bittet für drei Projekte um Spenden. Außer um das Wohnmobil für die Obdachlosen geht es um einen kleineren Bus für das Offenburger Jugendrotkreuz und einen großen Kombi für den DRK Kreisverband Kehl, mit dem mindestens vier Rollstuhlfahrer gleichzeitig befördert werden können. Die Kosten betragen 130 000 Euro.

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