Ortenau

"Leser helfen" unterstützt Förderverein für krebskranke Kinder

Autor: 
Victoria Hof
Lesezeit 4 Minuten
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20. November 2019

Seit vielen Jahren setzen sie sich ehrenamtlich für Familien krebskranker Kinder ein (von links): Bernd Rendler, Werner Kimmig, Inge Rendler, Wolfgang L. Obleser, Hans-Peter Vollet, Till Brutzer, Manuela Bitsch und Johannes Bitsch. Die meisten Vorstandsmitglieder des Fördervereins für krebskranke Kinder waren selbst betroffen und haben ein krebskrankes Kind begleitet. ©Förderverein

Seit 1980 setzt sich der Förderverein für krebskranke Kinder für eine Verbesserung der Lebenssituation von  betroffenen Familien ein. Die meisten der acht Vorstandsmitglieder wissen aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, ein krebskrankes Kind zu haben.

Wie alle Familien hat die Diagnose Krebs auch die Oberkircher Familie Rendler aus heiterem Himmel getroffen. 1984 erkrankte das Nesthäkchen Anne-Catrin  an Leukämie. Es folgte eine schwere Zeit voller Ungewissheit und Leid mit einem dreiviertel Jahr stationärer Chemotherapie in der Unikinderklinik in Freiburg. Schon während der Therapie beschloss das Ehepaar Rendler, etwas gegen die katastrophalen räumlichen und personellen Zustände auf der Kinderkrebsstation zu tun. „Ich bin ein Mensch, der einfach etwas tun muss“, erklärt sich Bernd Rendler heute sein Engagement. „Ich war nie gut darin, einfach nur auszuhalten und abzuwarten.“

Gemeinsam mit dem damaligen Oberkircher Bürgermeister Willi Stächele und dem TV-Produzenten Werner Kimmig, mit denen die Rendlers schon damals eng befreundet waren, schlossen sie sich dem 1980 gegründeten Förderverein für krebskranke Kinder in Freiburg an. Dieser war zu dem Zeitpunkt zahlungsunfähig. Gründer Karl Günther aus Donaueschingen, selbst Großvater eines an Leukämie erkrankten Kindes, war als Landesgerichtspräsident zwar politisch aktiv, doch eine Lobby und die notwendige Außenwirkung fehlten dem Verein. Das Ehepaar Rendler, Werner Kimmig und Willi Stächele kamen genau im richtigen Moment. Mit dem unbedingten Willen, die Situation für betroffenen Familien zu verbessern und die Krebsforschung voranzutreiben sowie mit der politischen Reichweite Stächeles und dem PR-Knowhow Kimmigs gelang es über die Jahre, die Bevölkerung in der Ortenau und später auch weit darüber hinaus für das Thema zu sensibilisieren. „Bis in die 70er-Jahre hinein sind die krebskranken Kinder fast ausnahmslos gestorben. Erst die moderne Chemotherapie brachte Heilungschancen“, erklärt Rendler. „Die räumliche und personelle Ausstattung in der Kinderkrebsklinik konnte mit dem medizinischen Fortschritt einfach nicht mithalten.“ 

Schallplatten und Kunst

Den finanziellen Grundstock von 17 000 D-Mark für die Sanierung und Erweiterung der Krebsstation brachte unter anderem eine Schallplatte mit Weihnachtsmusik, produziert von Kimmig. „Auch als Oberkircher Künstler ihre Werke zugunsten des Fördervereins verkauften, kam eine stattliche Summe zusammen“, erinnert sich Rendler. In der Ortenau folgten immer mehr Aktionen zugunsten des Fördervereins. Der 1986 eigentlich als einmalige Veranstaltung angedachte Dreikönigsball in Oberkirch zum Beispiel etablierte sich als jährliche Großveranstaltung.  Nicht zuletzt durch Benefizaktionen wie „Leser helfen“ sei der Förderverein für krebskranke Kinder inzwischen eine bekannte Größe in der Ortenau. Auch Aktionen wie die Europapark-Spendengala von Roland Mack sind nicht mehr wegzudenken. 

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1996 wurde das Kuratorium für Forschung und Wissenschaft mit zunächst 13 Mitgliedern gegründet – alle stammten aus der Ortenau. Heute sitzen im Kuratorium über 50 bekannte Personen aus Medizin, Politik, Wirtschaft, Sport und der Medienbranche. Sie unterstützen die Kinderklinik auf dem Gebiet der Wissenschaft und Forschung ideel und finanziell. Im Mittelpunkt steht dabei das Anliegen, die Heilungschancen von krebskranken Kindern und Jugendlichen zu verbessern und deren Lebensqualität zu erhöhen. Alle zwei Jahre stiften die Mitglieder den auf 10 000 Euro dotierten internationalen Forschungspreis, welcher vom Förderverein an Wissenschaftler verliehen wird, die sich in besonderem Maße auf dem Gebiet der Krebsforschung verdient gemacht haben. 

Achtköpfiges Vorstandteam

Mit Hans-Peter Vollet, Wolfgang Obleser, dem Ehepaar Bitsch sowie dem zuletzt beigetreteten Till Brutzer hat sich das ursprüngliche Trio auf ein heute achtköpfiges Vorstandsteam vergrößert. Das Ehepaar Rendler und Werner Kimmig wurden für ihr Engagement bereits mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Wolfgang Obleser und Hans-Peter Vollet erhielten für ihre Verdienste die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg. 
Verkauf des alten Hauses

„Wir verstehen uns im Vorstand absolut als Team“, betont Bernd Rendler. „Jeder hier bringt seine individuellen Fähigkeiten ein und wir ergänzen uns auf ideale Weise.“ Auch das neue große Ziel, den Neubau eines Elternhauses neben der neuen Kinderklinik, werde man mit vereinten Kräften erreichen. „Mit dem Verkauf des alten Elternhauses wird ein solider Grundstein für die Finanzierung gelegt“, ist sich Rendler sicher. Für den Rest ist der Verein dringend auf Spenden angewiesen und vertraut auf die Großzügigkeit der Bevölkerung.

Eine interaktive Karte zu diesem Thema finden Sie unter: www.bo.de/leserhelfen

Info

Neues Elternhaus

Der Förderverein für krebskranke Kinder unterhält in Freiburg ein Elternhaus in unmittelbarer Nähe zur Kinderklinik. Dieses bietet nicht nur eine Übernachtungsmöglichkeit für Eltern und Geschwister, sondern betreut die Familien mit einem ganzheitlichen Konzept. Unter anderem gibt es psychosoziale Beratung sowie sozialpädagogische Betreuung für die Kinder. Mit dem Neubau der Klinik wird es auch ein neues Elternhaus geben. Zwölf Millionen müssen dafür über Spenden aufgebracht werden. 

Die diesjährige Benefizaktion »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse sammelt für das neue Elternhaus. Spenden Sie, die Eltern werden es Ihnen danken!

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