Offenburg

"Leser helfen"-Vorsitzender Thomas Reizel berichtet vom Besuch beim Bundespräsidenten

Autor: 
Thomas Reizel
Lesezeit 5 Minuten
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14. September 2015
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(Bild 1/2) Das Bürgerfest auf dem Berliner Schloss Bellevue in Berlin war für Thomas Reizel, Vorsitzender des Vereins "Leser helfen", ein unvergessliches Erlebnis. ©Sybille Geiger

Das Bürgerfest auf Schloss Bellevue, zu dem Joachim Gauck rund 6000 Ehrenamtliche eingeladen hatte, wird für alle Gäste unvergesslich bleiben. Auch für Thomas Reizel, Vorsitzender des Vereins »Leser helfen«, und seine Partnerin Sibylle Geiger. Ein Erlebnisbericht.

Ab 15.30 Uhr ist Einlass. Lange Schlangen stehen am Eingangstor. Jeder muss sich ausweisen und eine Sicherheitsschleuse passieren. Weil das Wetter wechselhaft ist, reichen die Mitarbeiter jedem Gast einen blauen Regenschirm mit der weißen Aufschrift »Der Bundespräsident«. Noch sind wir nicht im Park, »nur« vor dem Schloss. Schon jetzt lassen sich viele auf dem roten Teppich fotografieren. Kaum ist die Eingangshalle durchschritten und der Schlosspark betreten, stehen Servicekräfte auf beiden Seiten des Wegs Spalier. Es gibt Sekt und Antipasti. Der Park strahlt, die große Bühne ist beleuchtet, Bierzeltgarnituren, jede mit weißen Hussen überzogen, stehen unter einer riesigen Pagode.

Die Blicke gleiten über den Park. Dutzende Stände warten auf die Gäste. Auch die Koch-Nationalmannschaft der Bundeswehr ist vertreten. Und: Currywurst im Schlosspark? Aber die hat in Berlin halt Tradition. Und es gibt so viel Informationen – von hauptamtlichen Hilfsorganisationen bis hin zu künstlerischen Projekten. 6000 Ehrenamtliche. Jeder hat seine Geschichte. Wir sind schon jetzt überwältigt. Noch ist das Fest nicht eröffnet, noch hat Joachim Gauck nicht gesprochen. Dann ein Blick ins Programmheft: Nena wird in wenigen Stunden ein Live-Konzert geben, die Bigband der Bundeswehr zum Tanz bitten. Wir sind überwältigt und gespannt. Wir sehen Schauspieler, TV-Moderatoren, Politiker. Vor allem aber ist es ein Fest des Ehrenamts – wir sehen Menschen in bayerischer Tracht mit Gamsbart und Bergleute aus dem Erzgebirge.

Plötzlich herrscht Aufbruchsstimmung. Die Menschen strömen zur Bühne, recken ihre Handys und Digi-Cams in die Höhe. Wir auch. Der Bundespräsident begrüßt die Gäste, darunter sind auch viele Flüchtlinge, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der israelische Botschafter.

»Ohne Sie wäre Deutschland viel ärmer«, dankt Joachim Gauck allen. Dieses Engagement der vielen Freiwilligen, vor allem in der Flüchtlingshilfe, zeige, dass Hetzer und Brandstifter in Deutschland schon verloren haben.  »Aber jetzt kommt für Sie der wichtigste Satz: Das Fest ist eröffnet.« Wir befinden uns inmitten von Vertretern der ganz großen Welt – Ärzte ohne Grenzen, Unicef – wie auch der ganz kleinen: Kinder-Clowns, Betreuer von Demenzkranken.

Auf der großen Bühne laufen Talkrunden mit den TV-Moderatorinnen Susanne Holst und Andrea Vannahme sowie Eckart von Hirschhausen. Auch Frank Plasberg ist da. Unterdessen zeigt sich Gauck volksnah, wenngleich abgeschirmt von seiner Security. Er nimmt Platz, spricht mit den Menschen, fast jeder möchte ein Foto mit ihm. Doch nur wenigen gelingt es – das Gedränge ist zu groß. Wir sind beeindruckt vom Ambiente im Schlosspark. Wohin sollen wir zuerst gehen? Wir entscheiden uns erst mal für einen Rundgang. Vor dem »Ort der Begegnung«, einer Aktionsfläche mit Künstlern und Vorträgen, begegnen wir Elvira Drobinski-Weiß, SPD-Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Offenburg. »Was machen Sie denn da?«, fragt sie mich. Ich erzähle ihr von »Leser helfen«. »Es ist ja toll, dass Ihr Engagement so gewürdigt wird«, sagt sie und kündigt an, die Aktion der Mittelbadischen Presse in Zukunft genauer zu verfolgen und sich in Ehrenamtsfragen künftig direkt an mich zu wenden.

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Am »Ort der Begegnung« sollen alle Ehrenamtlichen ihre Aktion auf vorbereitete DIN-A4-Leinwände malen – für eine Deutschland-Karte des Ehrenamts. Malen kann ich zwar nicht, aber das »Leser helfen«-Logo ist verewigt. Am »Rapunzel«-Stand treffen wir Renate Künast, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. Sie trinkt eine Tasse fair gehandelten Kaffee, plaudert und lässt sich mit mir fotografieren. »Das Foto schicke ich unserem Offenburger Landtagsabgeordneten Thomas Marwein«, flachse ich. Und Künast meint: »Sehr gut.«

Wenige Meter weiter rutschen kleine Kinder auf Spielzeug-ICE am Stand der Bahnstiftung durch einen Gleisparcours. Davor steht tatsächlich der Bahnchef selbst, Rüdiger Grube. Ich erwähne seine Bahnfahrt von Offenburg nach Effringen-Kirchen, als er sich ein Bild von der Rheintalbahn machen wollte. »Ich kenne Sie«, sagt er und erwähnt, dass sich der Bundestag im Oktober mit dem Projekt befassen werde: »Aber Sie werden noch viel schreiben müssen«, verweist er auf die Bleistifte und Notizblöcke, die die Bahnstiftung jedem Gast reicht.

Schließlich kommen wir am Stand der Koch-Nationalmannschaft der Bundeswehr an. Nach ein paar Häppchen auf dem biologisch abbaubaren Teller spricht mich von hinten jemand an. »Der Herr Reizel hat auch überall seine Finger drin.« Ich drehe mich um: Ewald Elsäßer, langjähriger Leiter des Amts für Waldwirtschaft, und nun im Ruhestand, steht vor uns. »Ich weiß gar nicht, warum ich eingeladen wurde«, sagt er und berichtet, dass er die Einladung nach Berlin mit einer Urlaubsreise mit dem Wohnmobil verbunden hat.

Längst ist die Sonne untergegangen, das Schloss Bellevue erstrahlt illuminiert in allen Farben. Stargast Nena steht auf der Bühne. Natürlich sind alle guten Plätze längst in unerreichbarer Nähe. Das Konzert aber ist grandios. Plötzlich spricht ein grauhaariger Mann Sibylle an. Er bittet sie charmant darum, sein Bierglas bei ihr am Tisch abstellen zu dürfen – es ist Dieter Hallervorden! Mittlerweile zeigen uns Security-Beauftragte Grenzen. Mit einem roten Seil werden die Festgäste in sicherheitsbedingte Schranken gewiesen. Nicht, weil Joachim Gauck sie auf seinem Weg zur Bühne verabschiedet, sondern wegen des Abschluss-Feuerwerks. Und das hat es in sich: Zu »Freude schöner Götterfunken« gleicht der Berliner Himmel über Schloss Bellevue einem Sternenregen, der nie vergessen wird.

Am Samstag geht es nochmals auf Schloss Bellevue – zum Tag der offenen Tür. Wir hatten am Freitag viel gesehen und doch auch wenig. Da spricht der Geschäftsführer der ARD-Fernsehlotterie Sibylle an. Christian Kipper ging mit ihr in Gengenbach zur Schule. Ein unverhofftes Wiedersehen nach 40 Jahren.

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