Offenburg

Lindenhöhe-Chef Ulrich Strehlow geht nach 20 Jahren

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 2 Minuten
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09. Juli 2018
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Ulrich Strehlow will sich im Ruhestand zunächst eine halbjährige Auszeit gönnen. ©Ulrich Marx

Mit der Kinder- und Jugendpsychatrie an der Lindenhöhe wurde vor 20 Jahren eine Versorgungslücke geschlossen. Ulrich Strehlow, der die Abteilung aufbaute, verabschiedet sich in den Ruhestand. Sein Vermächtnis: Die Tagesklinik wurde umgestaltet und es wird fünf Plätze für die Krisenintervention geben.

Zwei Erfolge für »seine« Klinik machen für Ulrich Strehlow, Leiter der Mediclin-Klinik an der Lindenhöhe, die Sache rund: Noch bevor er in Ruhestand geht, konnte die neue Tagesklinik (siehe Kasten) für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen in einem eigenen Trakt eingerichtet werden. Zudem erreichte der Professor für Kinder- und Jugendpsychatrie, dass es neben den 25 stationären Betten künftig auch fünf Plätze für Notfälle gibt. Sie dienen der Krisenintervention, wenn Kinder oder Jugendliche aufgrund eines psychischen Ausnahmezustands in akuter Gefahr sind.

Dass es um die psychische Gesundheit der jungen Menschen schlechter bestellt ist als früher, will Strehlow nicht gelten lassen: Konstant erkranken rund 20 Prozent der Heranwachsenden psychisch. Klagen über die Jugend gingen zurück bis in die Antike, erklärt der Professor. Allerdings habe er in seiner beruflichen Laufbahn erlebt, dass es besondere Häufungen von psychischen Auffälligkeiten – Magersucht, Ritzen, ADHS oder Hochbegabung – gab. In jüngster Zeit sei dies der Asperger-Autismus gewesen. Aber er könne nicht von mehr Erkrankungen sprechen. »Man schaut eben genauer hin«, sagt er.

Manchmal zu genau, was für die Kinder Stress bedeuten kann. Eltern, die ihre Kinder oder Teenager zu psychisch gesunden jungen Erwachsenen erziehen wollen, rät der Experte vor allem zu einem: »Gelassenheit.« Den jungen Menschen dagegen »hilft die rosarote Brille beim Überleben«.

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Offenburg war unversorgte Gegend

Als positiv registriert er, dass die Inanspruchnahme der angebotenen Hilfe zunehme. Als Strehlow im Jahr 1999 nach Offenburg kam, baute er als Pionier die gesamte Kinder- und Jugendpsychatrie der Klinik an der Lindenhöhe auf. »Es bestand damals großer Bedarf, denn hier war eine unversorgte Gegend«, blickt Strehlow zurück. Obwohl er inzwischen in Rastatt eine Außenstelle aufbauen konnte, »sind wir immer noch schlechter versorgt als der Osten des Landes«. 

Bereits während des Studiums begann Strehlow, sich für die Kinder- und Jugendpsychatrie zu interessieren.  »Damals dachte ich, man könne am meisten bewegen, weil Kinder noch nicht so viel erlebt haben«, sagt er. Dies habe sich nur teilweise bewahrheitet; er habe erfahren, wie wichtig die  Zusammenarbeit mit den Eltern ist, um für die Kinder etwas zu erreichen.

Nun will sich Strehlow zunächst eine halbjährige Auszeit gönnen.

Hintergrund

Platz für zehn Kinder und Jugendliche

Die Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychatrie an der Lindenhöhe, lange ein Provisorium, ist in einen neuen Trakt umgezogen. Zehn Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren können in den Räumlichkeiten teilstationär betreut werden. 

Es gibt mehr Platz, unter anderem in der Essküche, in der mit den jungen Patienten gemeinsam Essen zubereitet wird. Integriert werden konnten die Therapeutenzimmer, was kurze Wege bedeutet. 

Das Spielzimmer ist durch eine Glastür mit einem Zimmer verbunden. So können die Kinder unauffällig beobachtet werden. Es ist damit zu rechnen, dass eine Videobeobachtung gesetzlich bald nicht mehr erlaubt sein wird.

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