Ortenau

Lindenwanze weit verbreitet

Autor: 
Andreas Braun
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28. Februar 2008
Foto: Andreas Braun - Die Lindenwanze ist im Kreis offenbar stärker verbreitet als ursprünglich vermutet. Leser der Mittelbadischen Presse haben Funde in Oberkirch und Schutterwald gemeldet.

Foto: Andreas Braun - Die Lindenwanze ist im Kreis offenbar stärker verbreitet als ursprünglich vermutet. Leser der Mittelbadischen Presse haben Funde in Oberkirch und Schutterwald gemeldet.

Die südeuropäische Lindenwanze ist im Landkreis stärker verbreitet als zunächst vermutet: Nachdem die Mittelbadische Presse kürzlich über einen Massenbefall dieser Tierart bei Oberkirch berichtet hatte, meldeten mehrere Leser dem Pflanzenschutzdienst weitere Vorkommen.

Ortenau. Kurz vor Weihnachten fand Martina Tripp aus Oberkirch Tausende Exemplare einer ihr unbekannten Insektenart an einer Linde in ihrem Garten. Wie bereits berichtet, handelt es sich dabei um die in Südeuropa beheimatete Lindenwanze. Der Oberkircher Fund sorgte für Aufsehen, da die lästige Wanze in Deutschland zuvor nur an ganz wenigen Stellen aufgetaucht war. Zwischenzeitlich sind weitere Vorkommen im Landkreis bekannt geworden: »Ich hatte die Wanze sogar bei mir im Büro«, sagt beispielsweise Oberkirchs Umweltbeauftragter Gerhard Schäffner. Da es sich dabei nur um ein Einzelexemplar handelte, sei ihm das Tier zunächst nicht weiter verdächtig vorgekommen. »Anhand des Fotos aus der Zeitung erkannte ich dann aber sofort, dass es eine Lindenwanze war«, meint der Umweltfachmann.
Auch anderenorts in Oberkirch sei das Tier bereits aufgetaucht: »Unser Gärtner hat es an mehreren Stellen gefunden«, so Schäffner. Außerdem sei von Anwohnern ein auffälliger Insektenbefall an einem Baum in der Nähe eines Spielplatzes gemeldet worden, bei dem es sich ebenfalls um Ansammlungen der schwarz-braun gemusterten Lindenwanze handeln dürfte.
»Das wird zur Zeit aber noch geprüft«, sagt Schäffner.
Auch in Schutterwald gibt es die Lindenwanze bereits: »Ein Mitarbeiter fand mehrere Exemplare im Kronenbereich der Linde vor dem Rathaus«, erklärt Bauhofleiter Thomas Wurth auf Anfrage der Mittelbadischen Presse. Bezüglich des weiteren Vorgehens werde man Rücksprache mit dem Pflanzenschutzdienst halten.
Hubertus Gernoth von der Zuständigen Fachbehörde beim Ortenauer Landratsamt bestätigt das zahlreiche Auftreten der Lindenwanze im Kreis: »Das gute Wetter hat wohl dazu beigetragen, dass die Tiere vielerorts ihre Winterquartiere verlassen haben, um sich zu sonnen«, vermutet Gernoth. Wahrscheinlich sei die Art schon länger in der Ortenau zu Hause, bislang aber übersehen worden.
In der Nordschweiz, wo die die Lindenwanze erstmals 2001 auftauchte, gilt das für Menschen ungefährliche Insekt zwar als lästig, größere Pflanzenschäden hat sie dort aber kaum verursacht. Im Ortenaukreis könnte dies jedoch anders sein: »Ich gehe davon aus, dass wir hier für die nächsten Jahre ein Problem bekommen«, mutmaßt Hubertus Gernoth: Bis sich die natürlichen Feinde und Gegenspieler auf die Lindenwanze eingestellt hätten, seien ernsthafte Baumschäden nicht auszuschließen.
Zehntausende an Wand
Da die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf den Grünflächen nach geltender Gesetzeslage nicht ohne weiteres zulässig ist, kann der Pflanzenschutzdienst betroffenen Gartenbesitzern keine pauschale Lösung zum Umgang mit dem neuen Schädling nennen: »Die Leute sollen sich unbedingt zuerst bei uns melden«, rät Gernoth. Je nach Einzelfall werde man dann entscheiden, ob und mit welchem Mittel gegebenenfalls gespritzt werden könne. Dass die Lindenwanze auch am und im Haus äußerst lästig werden kann, musste derweil Joachim Kränzle aus dem Offenburger Stadtteil Windschläg erfahren: »Bei gutem Wetter sind es wohl Zehntausende, die an  unserer Hauswand sitzen«, sagt der 43-jährige Schreiner. Mitunter sei die ganze Wand bis unters Dach von den Krabbeltieren besiedelt, auch in die Ritzen auf der Terrasse und im Haus würden sie vorkommen.
Biologe Gernoth, der sich vor Ort ein Bild von der Situation gemacht hat, vermutet eine denkmalgeschützte Linde auf dem angrenzenden Grundstück als Befallsherd: »Wahrscheinlich kommen die Tiere von dort und haben sich über den  Winter ins Nachbarhaus verkrochen«, meint Gernoth. Da die Lindenwanze aus Südeuropa stamme, sei sie die kalten Temperaturen bei uns nicht so gewöhnt: »Es ist gut möglich, dass die Tiere unter den hiesigen Klimabedingungen häufiger in Gebäude gehen als in ihrer ursprünglichen Heimat«, vermutet Gernoth. Joachim Kränzle jedenfalls hat von den lästigen Sechsbeinern erst einmal genug und will ihnen in nächster Zeit mit einem Schädlingsbekämpfungsmittel zu Leibe rücken.

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Hintergrund: Neue Insekten in der Ortenau
Klimaerwärmung und Gütertransporte sorgen dafür, dass immer mehr fremdländische Insektenarten in die Ortenau kommen. Sie können Pflanzenschäden verursachen oder einheimische Arten verdrängen. Kopfzerbrechen bereitet den Gärtnern zum Beispiel die Ross-kastanien-Miniermotte.
Seit etwa einem Jahr ist auch der Asiatische Marienkäfer im Ortenaukreis zu Hause, der dem einheimischen Siebenpunkt Konkurrenz macht. Vor einigen Monaten tauchte dann der Wacholder-Prachtkäfer im Kreis auf. Seine Larven können Thuja-Hecken zum Absterben bringen.

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