Ortenau

Linke kritisiert Pflegenotstand

Autor: 
Thomas Reizel
Lesezeit 2 Minuten
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12. Februar 2015

Am Ortenau-Klinikum in Kehl liege der Krankenstand des Pflegepersonals weit über dem Landesschnitt, kritisierte Lukas Oßwald, Abgeordneter der Linken im Kreistag. ©Archivfoto Mittelbadische Presse

Offenburg. Lukas Oßwald, Mitglied im Kreistag für die Partei »Die Linke«, hat am Dienstag im Krankenhausausschuss einen besseren Personalschlüssel für Pflegekräfte in Krankenhäusern gefordert und den massiven Aufbau von Überstunden kritisiert. »Wir befinden uns in einem Pflegenotstand. Der Kreis ist hier in der Pflicht«, sagte er.

Am Standort Kehl hätten sich wegen der winterlichen Grippewelle bereits 8000 Überstunden angesammelt. Das liege am rigorosen Einsparen von Pflegepersonal, und das nicht erst seit gestern. Halbtagskräfte würden zu 100 Prozent eingeplant, ohne es vorher abzusprechen, Dienstpläne würden entgegen anderer Absprachen erst drei Tage vor Inkrafttreten bekanntgegeben. Arbeiten auf Abruf sei die Regel. »Wie soll da noch ein Privatleben und Regeneration möglich sein?«, fragte Oßwald. Der Krankenstand in Kehl liege weit über dem Landesschnitt.

Auch an anderen Standorten sehe es nicht besser aus. »Dazu passend ermittelt das Gewerbeaufsichtsamt in Offenburg wegen ungesetzlicher Dienstpläne, nachdem eine anonyme Anzeige eingegangen ist«, behauptete Oßwald. Der Ortenaukreis sei momentan dabei, die Pflege im Ortenau-Klinikum kaputtzusparen. Die gesenkte Kreisumlage habe katastrophale Auswirkungen auf Pflegekräfte und Patienten.

Landrat Frank Scherer hielt dem entgegen, dass der Hinweis auf die Kreisumlage in diesem Zusammenhang völlig fehl am Platz ist. »Wir refinanzieren die Pflege aus dem Budget der Krankenhäuser«, sagte er und ergänzte: »Wir wissen alle um die hohe Belastung der Pflegekräfte. Aber im Vergleich zu anderen Standorten liegt die Belastung im Mittelfeld.«
Auch Klinik-Geschäftsführer Manfred Lörch trat der Kritik entgegen: »Das Gewerbeaufsichtsamt prüft routinemäßig, nicht wegen ungesetzlicher Dienstpläne.« In Kehl würden die Pläne immer vier Wochen vorher erstellt. »Aber wenn einer eine Schicht tauschen will, dann machen wir das«, betonte er.

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Kommen Springer?

Überstunden würden nicht verfallen, sondern in Freizeit abgegolten oder ausbezahlt. Es komme schon vor, dass Mitarbeiter manchmal aus der Freizeit geholt werden müssten. Deswegen werde überlegt, eine Springergruppe einzurichten.

Im Übrigen habe das Klinikum 114 neue Stellen geschaffen. »Nageln Sie mich nicht fest, aber es sind circa 80 Schwestern dabei.« Klar sei aber, dass die Krankenhäuser eine bessere Finanzierung brauchen. Das sage der Kreis schon seit Jahren.

Ausschussmitglied Klaus Jehle (CDU) sagte: »Ich war selber im Krankenhaus. Es lief alles rund.«

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