Ortenau
Dossier: 

Ludwig Kohler ist in seinem Heimatort unermüdlich engagiert

Von Roland Spether
Lesezeit 6 Minuten
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14. Juli 2022
Ludwig Kohler engagiert sich vielfältig für seinen Heimatort Kappelrodeck - etwa lokalpolitisch, in der Narrenzunft 1811, im Film- und Fotoclub oder als Winzer für die Winzergenossenschaft Hex vom Dasenstein.

(Bild 1/3) Ludwig Kohler engagiert sich vielfältig für seinen Heimatort Kappelrodeck - etwa lokalpolitisch, in der Narrenzunft 1811, im Film- und Fotoclub oder als Winzer für die Winzergenossenschaft Hex vom Dasenstein. ©Roland Spether

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (97): Ludwig Kohler aus Kappelrodeck ist seinem Heimatort eng verbunden, nicht nur als Urfasnachter sondern etwa auch lokalpolitisch und als Winzer.

Wenn bei der Winzerkirwi das Lied von der „Zauberin vom Kapplertal“ auf dem Marktplatz erschallt, wenn Irus-Einachser über die Rennpiste beim Bockbierfest brettern oder an Fasnacht eine mobile „Duppe-Schule“ herrliche Einblicke in die hohe Kunst des Schudis gewähren, dann hat der Maschinenbau-Ingenieur Ludwig Kohler (67) aus Kappelrodeck mit hundertprozentiger Sicherheit ein Mikrofon in der Hand und moderiert fachkundig, aber vor allem spritzig originell und humorvoll das Geschehen. Doch wenn der „Alde Kappler“ erklingt, die „hoorige Katz“ durch die Gassen der Schudihochburg Kappelrodeck schleicht und die Elferräte ihre roten Zylinder aus den Kommoden holen, dann gibt es für den Schudivater, Elferrat und Urfasnachter Ludwig Kohler kein Halten mehr.

Dann ist er selber Akteur einer weithin einmaligen Fasnacht, ist wie seit den 1980er-Jahren als Elferrat Repräsentant der Kappelrodecker Narrenzunft 1811 und schlüpft in alle möglichen Rollen, mit denen er das berühmte „Kappler Schudi-Gen“ zur vollen Entfaltung bringt. Am liebsten tut er das mit seiner Ehefrau Andrea Kohler und den Töchtern Karolina, Barbara und Alexandra, die wiederum ihre Partner mitschleppen, um bei den legendären Schudiabenden in den Gasthäusern eine meistens kurzfristig entwickelte Schnapsidee wie „Gehändel im Kinderzimmer“ oder die Erfindung eines „lebendigen Korkenziehers mit Münzeinwurf“ zu präsentieren.

Sensationell war, als sie mit einer Nummer den Vorbereitungsstress zu Hause präsentierten, damit durch die Gasthäuser zogen, dann in ein anderes Outfit schlüpften und dann erneut auftraten und das Ergebnis ihrer stressigen Vorbereitung kredenzten. „Die kennen wir doch, die waren vorhin schon mal da“, munkelte es an den Tischen und alle waren völlig von den Socken, diese Schudikunst vom Feinsten miterlebt zu haben.

Waschechter „Kappler“

„Ich kam kurz nach der Fasnacht 1955 als waschechter Kappler im Elternhaus in der Hauptstraße zur Welt“, sagt Kohler. Die Eltern Angela und Gerhard Kohler stammten wie der Großvater und der Urgroßvater aus dem Herzen des Achertals. Der Vater war Landwirt, und deshalb wuchs Kohler von Kindesbeinen an mit Reben, Obst und Vieh auf, sodass ihm die Arbeit auf Obstbäumen und in den Reben bestens vertraut ist. Doch beruflich schlug er einen anderen Weg ein, beschäftigte sich mit Maschinen und Technik.

Neben der privaten und beruflichen Seite von Ludwig Kohler gibt es noch eine weitere, die sich geradezu als ein Musterbeispiel für ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement bezeichnen lässt. Seine Premiere im Gemeinderat feierte er 1982 mit 27 Jahren als damals jüngstes Mitglied, Bürgermeister war Erich Hausmann, und es sollten drei Wahlperioden mit wichtigen kommunalen Entscheidungen folgen. Herausragend war unter Bürgermeister Klaus-Peter Mungenast der Bau der 1987 fertiggestellten Ortsumfahrung. „Unter heutigen  Gesichtspunkten einer hohen Verkehrsbelastung wurde die Umgehungsstraße zu einem Segen für den Ort“, sagt Kohler. Denn bis dahin wälzten sich alle Fahrzeuge, inklusive großer Lkw, durch die Hauptstraße, vorbei am Marktplatz und durch die „Warteck-Schikane“, was heute kaum noch vorstellbar ist.

Zehnjährige Pause

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Ludwig Kohler hatte eine Alternative zu der vom Land Baden-Württemberg vorgelegten Variante: Er schlug vor, einen etwa ein Kilometer langen Tunnel unter dem Schlossberg hindurch zu bauen. Technisch wäre dies durchaus machbar gewesen, aber das Land winkte aufgrund zu hoher Kosten ab. Drei Wahlperioden war Ludwig Kohler für die Freien Wähler im Gemeinderat, dann standen erst mal die Familie, das Privatleben und der Beruf im Mittelpunkt. Zehn Jahre lang dauerte die Gemeinderatspause, doch dann war es wieder so weit, dass er erneut für die Freien Wähler antrat und auf Anhieb gewählt wurde. Danach sollten zwei weitere Perioden folgen, 2009 wurde Stefan Hattenbach neuer Bürgermeister und Ludwig Kohler ist bis heute ein engagiertes Mitglied am Ratstisch seiner Heimatgemeinde und Sprecher der Freien Wähler.

Als Maschinenbau-Ingenieur passt er gut in den Technischen Ausschuss, aufgrund seiner langen kommunalpolitischen Erfahrung ist er auch im Verwaltungsausschuss ein wichtiger Ratgeber. Unzählige Sitzungen, Beratungen und Entscheidungen wurden in all den Jahren absolviert. Doch noch immer geht er mit Begeisterung in den Gemeinderat, diskutiert, überlegt und berät über die anstehenden Themen – wenn die Meinung der Fraktion gefragt ist, geht die Hand des 67-Jährigen nach oben. „Ich finde es wichtig, dass Personen im Gemeinderat vertreten sind, die verschiedene Gruppen der Bevölkerung repräsentieren und die gute und richtige Entscheidungen treffen.“

Film- und Fotoclub

Dass Ludwig Kohler während seiner bislang sechs Gemeinderatsperioden die Entwicklung von Kappelrodeck wesentlich mitgestaltete und in allen Variationen miterlebte, liegt bei einer so langen Zeit auf der Hand. Dabei dürfte auch so mancher Schnappschuss entstanden sein, denn er ist seit 50 Jahren im Film- und Fotoclub und seit 35 Jahren dessen Vorsitzender. Doch bei so vielen Plänen im Kopf und so vielen Aktivitäten konnte es durchaus passieren, dass er mit seiner Familie zum Ausflug unterwegs war, die Kamera um den Hals hatte und am Abend bemerkte, dass er „vor lauter lauter“ kein einziges Bild machte, wie seine Ehefrau verrät. Doch ob Fotos geschossen werden oder nicht, mit seiner Andrea Kohler bildet er ein perfektes Team. Wenn wie in Corona-Zeiten neue Ideen wie die Schaufenster-Schudi oder virtuelle Schudi-Abende ausgeheckt werden, dann glühen im Hause Kohler die Köpfe und dann dauert es nicht lange, bis Andrea Kohler als Hexe mit „Tatütata“ auf dem Besen durch die gute Stube „fliegt“ und von Ludwig Kohler für Filmaufnahmen optimal ausgeleuchtet wird.  

Landesehrennadel

Neben seiner großen Liebe Fasnacht und dem Vorsitz im Film- und Fotoclub seines Heimatorts ist der 67-jährige Maschinenbau-Ingenieur als Winzer auch Mitglied der Winzergenossenschaft „Hex vom Dasenstein“. Hier setzt er sich für die Belange der Winzer ein. Auch der Obstbau und die Veredlung des Obstes zu edlen Bränden liegt ihm am Herzen. Für seine großen Verdienste um die Kappelrodecker Fasnacht erhielt Ludwig Kohler 2011 anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Narrenzunft 1811 die Landesehrennadel Baden-Württemberg verliehen.

Neben den vielen öffentlichen Aktivitäten gibt es noch eine im Stillen, denn Ludwig Kohler spendet Blut. Im Juni 2022 wurde der 67-Jährige von Bürgermeister Stefan Hattenbach für 150 Blutspenden geehrt. Bei einer jeweils abgezapften Menge von 500 Millilitern kommt eine Gesamtmenge von 75 Litern Blut für Menschen, die diesen „Lebenssaft“ dringend benötigen, zusammen. 

Zur Person

Ludwig Kohler

Kappelrodeck ist Ludwig Kohlers (67) Heimatort. Hier besuchte er die Volks- und Realschule, legte die Mittlere Reife ab und wechselte dann auf das Technische Gymnasium in
Offenburg. 1974 absolvierte er sein Abitur und begann danach ein Studium als Maschinenbau-Ingenieur, das er erfolgreich abschloss. Nach verschiedenen beruflichen Stationen arbeitete er zuletzt über 20 Jahre bei der Firma Lipco in Sasbach.

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