Seit dem Brexit

Mehr Briten wollen sich in der Ortenau einbürgern lassen

Autor: 
Marc Mudrak
Lesezeit 3 Minuten
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14. Juni 2017

Immer mehr britische Bürger bemühen sich seit der Entscheidung ihres Landes, die EU zu verlassen, um einen deutschen Pass. Im Ortenaukreis wurden seither sechs Briten eingebürgert – zwischen 2002 und 2015 waren es ingesamt nur acht. ©dpa

Die Zahl der Briten, die sich für die deutsche Staatsbürgerschaft interessieren, ist in der Ortenau nach dem Brexit-Votum im Juni 2016 deutlich gestiegen. 17 Anträge wurden seither gestellt, teilte das Landratsamt auf Anfrage mit. Auch aus Frankreich häuften sich zuletzt die Anfragen.

Viele Briten wollen sich offenbar mit dem Abschied ihres Landes aus der Europäischen Union nicht abfinden und beantragen die deutsche Staatsbürgerschaft. Seit der Brexit-Entscheidung im Juni vergangenen Jahres sind die Einbürgerungszahlen britischer Staatsangehöriger in der Bundesrepublik spürbar angestiegen. 

Dieser Trend zeigt sich auch in der Ortenau. »Seit der Entscheidung zum Ausstieg aus der EU wurden bereits sechs Briten eingebürgert«, teilte Gabriele Schindler, Sprecherin des Landratsamt, auf Anfrage der Mittelbadischen Presse mit. Im selben Zeitraum seien 17 Anträge für die deutsche Staatsangehörigkeit gestellt worden. »Darüber hinaus gab es noch deutlich mehr Anfragen von Briten, die es sich noch überlegen, zumindest eine EU-Staatsbürgerschaft zu beantragen«, erklärte Schindler. Wie stark der Anstieg ist, legt ein Vergleich mit den Vorjahren nahe. Nach Angaben des Landratsamts wurden im Zeitraum zwischen 2002 und 2015 insgesamt nur acht Briten eingebürgert.

Außergewöhnliches Interesse an der deutschen Staatsangehörigkeit haben zuletzt aber nicht nur Briten gezeigt. Auch aus Frankreich häuften sich vor der Präsidentschaftswahl im Mai dieses Jahres die Anfragen im Ortenauer Landratsamt. 

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Hintergrund könnte der von Marine Le Pen, Kandidatin des rechtsradikalen Front National, angekündigte Ausstieg aus dem Euro und die geplante Abkehr von der Gemeinschaft der Europäischen Union gewesen sein. »Vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich haben wohl aus Angst vor einem Frexit auch einige Franzosen Interesse an einer Einbürgerung bekundet«, erklärte Schindler.

Im Jahr 2016 habe es insgesamt 515 Neuanträge für die Einbürgerung im Ortenaukreis gegeben, davon hätten 356 Menschen aus 60 Nationen den deutschen Pass auch erhalten. 2015 wurden nach Angaben des Landratsmts 353 Menschen aus 58 Nationen eingebürgert. Damals seien 425 Anträge eingegangen. »2016 waren unter den Eingebürgerten 100 EU-Bürger, 2015 lag diese Zahl bei 78«, erklärte Schindler.

Türken und Kosovaren

Mit sechs Einbürgerungen seit dem Brexit-Votum stehen die Briten allerdings nicht an der Spitze derer, die im Kreis Deutsche werden wollen. Diese Position haben türkische Staatsangehörige inne: 63 von ihnen wurden im Jahr 2016 eingebürgert, 2015 waren es 73, teilte Schindler mit. Den zweiten Platz belegten in beiden Jahren Menschen aus dem Kosovo mit 33 Einbürgerungen im Jahr 2016 und 38 im Jahr 2015. Auf Platz drei lagen im vergangenen Jahr rumänische Staatsangehörige (22 Einbürgerungen) und im Jahr 2015 Iraker (20 Einbürgerungen).

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