Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft

Nach Messerangriff: Haftbefehl gegen 26-Jährigen erlassen

Autor: 
Jens Sikeler
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
18. August 2018
Video starten
Mehr zum Thema

(Bild 1/4) Der tatverdächtige 26-Jährige wird von Justizangestellten dem Haftrichter vorgeführt. ©Sebastian Xanke

Gegen den 26-jährigen Somalier, der am Donnerstag einen Offenburger Arzt getötet haben soll, ist am Freitagmittag Haftbefehl wegen Mordes erlassen worden. Derweil wurden weitere Details zur Tat bekannt. Der Mann soll mehrfach auf sein Opfer eingestochen haben. 

Für den Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer bestand bei der Pressekonferenz am Freitag im Foyer des Offenburger Amtsgerichts kein Zweifel. »Der Verdächtige hatte beim Betreten der Praxis das Ziel, das Opfer zu töten.« Kurz zuvor hatte Haftrichterin Ute Körner vom Offenburger Amtsgericht Haftbefehl gegen einen 26-jährigen Somalier erlassen. Der Mann sei dringend tatverdächtig, am Donnerstagmorgen einen Offenburger Hausarzt in seiner Praxis mit mehreren Messerstichen getötet zu haben. 

Der Beschuldigte war von mehreren Beamten an Armen und Beinen gefesselt zur Haftrichterin gebracht worden. Der schmächtige, etwa 1,70 Meter große Mann hielt dabei den Kopf gesenkt und wirkte abwesend. 

Sofort zugestochen

»Der Beschuldigte ging direkt in das Behandlungszimmer. Dort hat er sofort und unvermittelt auf den Arzt eingestochen. Der Arzt versuchte sich vergeblich zu wehren«, fasste Schäfer die Tat zusammen. Für das Opfer sei jede Hilfe zu spät gekommen, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Laut Schäfer rief das Opfer um Hilfe. Zwischen einer herbeigeeilten Arzthelferin und dem Beschuldigten sei es zu einem Gerangel gekommen. Die Frau sei dabei oberflächlich am Kinn verletzt worden. 

Schäfer sah zwei der Tatmerkmale für Mord als erfüllt an. »Der Verdächtige ist heimtückisch in das Behandlungszimmer gestürmt. Der Arzt hatte keine Möglichkeit, sich zu wehren.« Die Messerstiche in den Brustbereich wertete der Oberstaatsanwalt als Beleg dafür, dass »Hass oder andere niedere Beweggründe« für die Tat vorliegen. Die Haftrichterin sah das offensichtlich ähnlich. 

Motiv unklar

- Anzeige -

Beim Motiv des jungen Mannes tappt die Staatsanwaltschaft noch im Dunkeln. Er macht Schäfer zufolge weder der Polizei noch der Haftrichterin gegenüber Angaben zur Tat. »Wir stützen den Tatverdacht deshalb auf die Angaben von Zeugen«. Im Behandlungszimmer, in dem der 26-Jährige zustach, befand sich demzufolge ein Patient. Außerdem seien neben der verletzten Arzthelferin noch weitere Mitarbeiter anwesend gewesen, die ebenfalls über den Tatverlauf Auskunft gegeben hätten. 

Falsch waren Medienberichte und Kommentare in den sozialen Medien, denen zufolge die zehnjährige Tochter des Hausarztes die Tat beobachtet haben soll. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Tat unter den Augen eines Angehörigen stattgefunden habe, betonte Schäfer. Tatsächlich scheint sich das Kind aber in unmittelbarer Nähe des Tatorts befunden zu haben. In den sozialen Medien war berichtet worden, dass die Tochter des Mannes auf dem Rasen vor der Praxis nach ihrem Vater gerufen habe. 

Täter und Opfer kannten sich offenkundig. Der Somalier sei 2016 bei dem Hausarzt in Behandlung gewesen. Es gebe momentan aber keine Anhaltspunkte für eine Konsultation im Jahr 2018. 
Der Mann aus Somalia ist nach Angaben von Schäfer 2015 in die Bundesrepublik eingereist. Danach sei er relativ bald der Stadt Offenburg zugewiesen worden. Wie der Jurist erläuterte, war das Asylverfahren des Mannes noch nicht abgeschlossen. Er genieße aber einen subsidiären Schutzstatus. »Der Beschuldigte hält sich zu Recht hier auf«, betonte Schäfer. 

In Gewahrsam 

Der 26-Jährige ist polizeilich bisher zwei Mal in diesem Sommer in Erscheinung getreten. Beide male sei er mit Mitbewohnern in Streit geraten, erläuterte der Oberstaatsanwalt. Beim zweiten Mal vor wenigen Tagen sei er dann von der Polizei für  eine Nacht in Gewahrsam genommen worden. »Es ging dabei darum, die Streithähne zu trennen«, sagte  Schäfer. 

Angekündigt hat der Somalier nach bisherigen Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft die Tat nicht. Die Ermittlungen dazu laufen laut Schäfer aber noch. Dabei sollen unter anderem die möglichen Internetaktivitäten des Beschuldigten untersucht werden. 

Die Ermittlungskommission der Kriminalpolizei untersucht laut dem Oberstaatsanwalt auch, ob Drogen oder Medikamente bei der Tat eine Rolle gespielt haben. Alkohol im Blut sei bei dem Verdächtigen aber keiner gefunden worden, sagte Schäfer.

Haftbefehl erlassen: Herwig Schäfer, Leiter der Staatsanwaltschaft Offenburg, nennt Details auf der Pressekonferenz

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

Das Stadtradeln in seinem ersten Jahr – mit Initiatoren. 
vor 1 Stunde
Sadtradeln Neuried
Am Neurieder Stadtradeln beteiligen sich nicht nur Privatleute, sondern auch Firmen. Das Zwischenergebnis ist heute schon viel besser als das vergangene Jahr.
Evelyn Bressau (Mitte), Leiterin des Gesundheitsamts und fachliche Leiterin der KGK, begrüßt Projektmitarbeiterin Karin Ruder (links) und Projektkoordinatorin Linda Fuchs (rechts), die aktuell eine Bestands- und Bedarfsanalyse durchführen.
vor 3 Stunden
Gesundheitskonferenz
Die Kommunale Gesundheitskonferenz des Ortenaukreises (KGK) möchte die gesundheitliche Versorgung in der südlichen Ortenau weiterentwickeln. Dabei geht es um chronisch und mehrfach Erkrankte.
vor 3 Stunden
Inzidenz und mehr
Wie entwickeln sich die Corona-Infektionszahlen im Ortenaukreis? Unsere Übersicht gibt den aktuellen Stand mit Zahlen vom Land und den Kommunen.
vor 13 Stunden
Zwischen Offenburg und Lahr
Bei einem Auffahrunfall am Dienstagmorgen ist es auf der A5 Höhe Meißenheim zu einem schweren Unfall gekommen. Der Unfallverursacher war betrunken unterwegs gewesen.
Die Betrüger arbeiten auch mit Telefonanrufen. 
vor 14 Stunden
Verbraucherschützer warnt
Ein Rentner aus der Ortenau hat Zehntausende Euro durch eine perfide Betrugsmasche verloren. Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg schlägt deshalb jetzt Alarm.
Die Spaziergänge für die Grundrechte von Taras Maygutiak im Frühjahr 2020 hatten ein gerichtliches Nachspiel, weil die Aktion nicht angemeldet war.
vor 14 Stunden
Strafbefehl nicht akzeptiert
Legitimer Protest oder Verstoß gegen das Versammlungsgesetz? Der Offenburger AfD-Stadtrat Taras Maygutiak musste sich am Montag wegen seiner Spaziergänge für die Grundrechte vor dem Amtsgericht verantworten.
Klaus Mastel (links) vom Amt für „pflanzliche und tierische Erzeugung“ des Regierungspräsidiums Freiburg und der Betriebsleiter des Kirschhofs in Kehl, Hansjörg Körkel (rechts) präsentieren das Maisfeld.
vor 17 Stunden
Versuchsfelder
Das Regierungspräsidium Freiburg erforscht auch auf Versuchsfeldern in der Ortenau, wie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gesenkt werden kann. Bei den Landwirten weckt das auch Ängste.
Parteifreunde unter sich: Der Kehler Oberbürger Toni Vetrano (von links), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (alle CDU) unterhalten sich vor einer Wahlkampfveranstaltung in Kehl.
vor 17 Stunden
Jens Spahn in Kehl
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) muss sich bei einem Wahlkampfauftritt in Kehl auch Kritik anhören. Spahn warnte vor einer Spaltung der Gesellschaft und erhielt einen mit vielen Emotionen verbundenen Auftrag.
Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (Zweite von links) sprach mit (von links) dem OGM-Vorstandsvorsitzende Wendelin Obrecht, Dominic Ell von der Initiative Jungland, dem Vorstandsvorsitzenden der Oberkircher Winzer, Franz Männle und dem BLHV-Vizepräsidenten Egon Busam.
vor 17 Stunden
Landwirschaftsministerin in Oberkirch
Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) absolvierte einen Wahlkampftermin beim Obstgroßmarkt Oberkirch. Dort hörte sie sich die Sorgen der Landwirte an und setzte sich für einen branchenspezifischen Mindestlohn ein, der nicht von der Politik festgelegt wird.
20.09.2021
100.000 Euro Schaden
Ein ehemaliger Döner-Imbiss in Lahr ist am Samstag in Brand geraten. Die Gebäude wurden evakuiert und keiner wurde verletzt. Allerdings wurden die Einsatzkräfte bei ihren Arbeiten von Schaulustigen behindert. Es entstand ein Schaden in Höhe von mindestens 100.000 Euro.
20.09.2021
Berghaupten
Der dreispurige Ausbau der B 33 zwischen den beiden Anschlussstellen Gengenbach Mitte und Gengenbach Süd beginnt. Die Bauarbeiten sollen Ende 2022 abgeschlossen sein.
20.09.2021
Ortenau
Die Polizei hat am Sonntag einen 19-Jährigen auf der A5 bei Meißenheim stark betrunken zu Fuß angetroffen. Der junge Mann wurde von keinen Autofahrern verletzt.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das Autohaus Roth KG beschäftigt über 70 Mitarbeiter an drei Standorten in der Ortenau. Nun soll das Team weiter wachsen.
    17.09.2021
    Verstärkung gesucht: Autohaus Roth stellt ein
    Das Autohaus ROTH steht für persönliche Betreuung sowie kundenorientierten Service - und das seit 45 Jahren! Für die Standorte in Offenburg und Oppenau wird Verstärkung gesucht. Das Unternehmen freut sich auf interessante Bewerbungen.
  • Junge Schulabgänger haben in der Ortenau gut lachen: Ihnen stehen eine Vielzahl an Wegen für die passende berufliche Zukunft offen.
    10.09.2021
    Bereits heute an die berufliche Zukunft denken
    Duale Ausbildung, duales Studium oder Studium? Für Schulabgänger ist es nicht einfach, sich für den passenden beruflichen Werdegang zu entscheiden. Denn gerade in der Ortenau gibt es erfolgreiche Unternehmen aller Branchen, die unzählige Karrieremöglichkeiten bieten.
  • 50 Jahre Komfort und Bequemlichkeit: das muss gefeiert werden. Auch bei Möbel RiVo in Achern.
    31.08.2021
    3. und 4. September: Stressless®-Show-Truck bei Möbel RiVo
    Vor genau 50 Jahren, im Jahre 1971, begann eine norwegische Erfolgsgeschichte: Der erste Stressless® Relaxsessel kam auf den Markt. Ein revolutionärer Sessel, der einen neuen Standard in Sachen Komfort und Funktionalität setzte.
  • Die Technik aus Biberach ist perfekt für Reparatur und Wartung der hochkomplexen Triebwerke. 
    29.08.2021
    HYDRO Systems KG: Sicherheit für die Luftfahrt aus Biberach
    Die Produkte von HYDRO Systems KG in Biberach sind nichts für die kleine Werkstatt – da muss schon ein Flugzeughangar her! Seit mehr als 50 Jahren entwickelt und produziert HYDRO Lösungen für Bau, Wartung und Reparatur von Flugzeugen. Der Weltmarktführer stellt ein!