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Dossier: 

Mit ansteckender Motivation: Henriette Haas ist sozial engagiert

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09. September 2020

Zehn Stunden ehrenamtliche Arbeit und viel Herzblut steckt Henriette Haas jede Woche in den Tafelladen in Hornberg, der im Dezember 2012 eröffnet wurde. Die 63-Jährige freut sich, dass während des Corona-Lockdowns ein junges Team für die älteren ehrenamtlichen Helfer eingesprungen ist. ©Iris Rothe

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (13): Die Hornbergerin Henriette Haas. Die gebürtige Pfälzerin, die seit 40 Jahren im Kreis lebt, ist sozial vielfältig engagiert – etwa bei der Arbeiterwohlfahrt und dem Tafelladen.

Unermüdlich, umtriebig und stets im Dauereinsatz – und nebenher schaufelt sie auch noch den Termin für diesen Zeitungsartikel frei: Henriette Haas, seit 2007 Vorsitzende der Hornberger Arbeiterwohlfahrt (Awo), ist der Motor und gleichzeitig die gute Seele des Vereins. 

Viel Spaß und Herzblut

Viel Spaß und noch mehr Herzblut beim Engagement für andere sind ihre ganz persönlichen Schmierstoffe. Dass der Motor mitunter manchmal ins Stottern kommt, weil alles halt doch nicht mehr so leicht läuft wie vor zehn Jahren, räumt sie durchaus ein. Henriette Haas hat viele Aufgaben: Die Hausaufgabenhilfe, die Veranstaltungen in der Awo-Begegnungsstätte, die Ferienbetreuung, die jährliche große Weihnachtsfeier, das Wald- und Kinderfest, Ausflüge, die geplant werden wollen, und die Fasnacht, bei der in der Begegnungsstätte ebenfalls allerhand geboten ist.

Und dann gibt es da noch den größten Brocken, den Tafelladen, der allein zehn Stunden wöchentlich an ehrenamtlicher Arbeit verschlingt. Zudem ist sie Wanderwartin bei den Hornberger Naturfreunden und dort vor allem für die jährliche Kultur- und Wanderwoche verantwortlich – und sie ist seit 28 Jahren Mitglied im SPD-Ortsverein.

Ohne die Helfer geht es nicht

Familiär vorbelastet für solch einen Vereinseinsatz ist die gebürtige Pfälzerin, die seit 40 Jahren im Schwarzwald heimisch ist und die hiesigen Berge nicht mehr missen will, nicht. „Ich spielte als Kind und Jugendliche lediglich Gitarre.“ Als sie ihren heutigen Mann Erich kennenlernte, änderte sich alles. Während sie ihm anfangs viele Jahre zur Seite stand, ist es heute er, der sie bei ihren zahlreichen Aufgaben unterstützt, in die sie nach und nach hineinwuchs. „Sonst ginge es gar nicht“, stellt sie fest.

Und ohne die weiteren treuen Geister, auf die sie sich immer verlassen kann, auch nicht. Selbst wenn sich das Ehepaar manchmal einen „Awo-freien Tag“ vornimmt – am Ende werde dann halt doch wieder über die Vereinsbelange gesprochen. Es mache für sie vieles einfacher, mit ihrem Mann, der das Amt seit Jahrzehnten ausübt, auch gleich den Kassierer im Haus zu haben. Zur Familie gehören noch der Sohn, die Schwiegertochter, die beiden Enkelkinder und der Hund. Selbst wenn das Ehepaar Haas privat im Urlaub ist, erkunden sie Ziele für die Kultur- und Wanderwochen, laufen alles vor und knobeln die Unternehmungen aus, die sie fürs Kulturelle anbieten wollen.

Konzept erstellt und dem Gemeinderat vorgestellt

Zehn Jahre gibt es die Awo-Ferienbetreuung mittlerweile. Auch das ein Kind der engagierten Hornbergerin. Denn es konnte ihrer Meinung nach nicht sein, „dass in Hornberg nichts stattfindet“. Sie erstellte ein Konzept, stellte es dem Gemeinderat vor – und die Sache kam bis heute erfolgreich ins Laufen.

Henriette Haas braucht für ihre vielen Einsätze Managerqualitäten und Einfühlungsvermögen, was gerade für die Abwicklung des Tafelladens gilt. Dass der doch so viel Arbeit macht, konnte sie sich bei der Eröffnung im Dezember 2012 nicht vorstellen. Immer weiter dazuzulernen gehört ebenso zu ihren Erfahrungen, wie einfach mal „den gesunden Menschenverstand einzuschalten und zu lernen, dass nicht alles bis auf das letzte i-Tüpfelchen perfekt sein muss“.

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Konzepte zu erstellen, learning by doing und sich durchzubeißen, das ist seit vielen Jahren ihr Motto. Die Konfrontation mit den Schicksalen der Menschen ist nicht immer einfach. „Manche brauchen das Gespräch“, berührt sie das Erzählte immer wieder. Bedauerlich sei, dass genau dieses Zwischenmenschliche durch die Corona-Krise derzeit etwas ins Hintertreffen gerate. Mit ihren Mitstreitern ist die Tafel momentan „einigermaßen gut aufgestellt“. 

Schließung war nie ein Thema

Und gerade in der jetzigen Situation zeichnet Henriette Haas etwas ganz Besonderes aus: Sie hätte nämlich einfach den Schlüssel umdrehen und die Tafel schließen können, wie es andere machten. Nicht einmal hätte sie daran gedacht. Solch eine Überlegung habe sich einfach nie gestellt – dafür vielmehr die Frage, wie das Ganze irgendwie durchgebracht werden kann.

Ihre Motivation ist ansteckend – und dann gelingt es ihr aber, zwar manchmal schon unter großen Mühen, am Ende doch wieder die Öffnungstage zu bewältigen. Irgendwo taucht ein Helfer auf und in der schwierigen Corona-Zeit sogar ein ganzes junges Team. Ist, wenn frühmorgens ein Fahrer ausfällt, der Ware abholen soll, Not am Mann, fährt sie kurzerhand selbst mit und überrumpelt mal wieder ihren Chef, dass sie leider erst später kommen kann.

Ein Jahr von der Idee bis zur Eröffnung

Die Idee für einen Tafelladen in Hornberg stammt ursprünglich von Harald Baumann, dem Betreiber des hiesigen Edeka-Marktes. Er ging damals auf die Awo zu, ob sich das Vorstandsteam so etwas nicht vorstellen könne. Ein Jahr lang arbeiteten Henriette und Erich Haas von der Idee bis zur Eröffnung und stellten das Nötige auf die Beine. „Wir wollten alles klar haben, absolvierten viele Besuche und Treffen, schauten uns an, wie das andere machen und was man dafür braucht.“ Fragen über Fragen türmten sich auf und viele kreative Lösungen waren gefragt.

Für ihren vielfältigen Einsatz erhielt Henriette Haas 2016 die Bürgermedaille in Bronze der Stadt Hornberg. Sie sei vielleicht der Motor, doch die Räder würden das Ganze in Bewegung halten. „Alle, die bei uns mitarbeiten, werden an ihrem Platz gebraucht“, sei sie um jeden einzelnen ihrer Helfer dankbar, sagte sie damals bei der Ehrungsveranstaltung. Diese Aussage ist ihr auch heute noch sehr wichtig.

„Keine schlafenden Hunde wecken“

Doch wer sie kennt, der weiß, dass da sicher noch einige weitere Ideen schlummern? Da muss sie selber schmunzeln. Tatsächlich gebe es schon noch welche, die gern auf die Welt kommen würden. Doch eigentlich kann und will die 63-Jährige nichts mehr obendrauf packen und will deshalb auch „keine schlafenden Hunde wecken“. Nah und stets mit einem offenen Ohr für die Mitglieder, Einsame und Bedürftige da zu sein, ist ihr ein Anliegen. Immer hilfsbereit und ohne Vorbehalte – und mit einem Hang „zum Bemuttern“, wie es ihr Mann ausdrücken würde.

Vielen, die in der Region auf Unterstützung angewiesen sind, würde ohne Henriette Haas etwas fehlen. Aber da fällt ihr gleich noch etwas ein, was sie gern loswerden würde. Nämlich den Appell an die Jugend, die sich in der heutigen Zeit oft nicht mehr festbinden lassen wolle: „Soziales Engagement kann auch Spaß machen und tut der eigenen Seele gut.“ Sie freut sich, dass ein Mitglied aus dem jungen Team, das so selbstlos für die älteren ehrenamtlich Tätigen der Tafel während des Shutdowns einsprang, als Helfer dabeigeblieben ist. Und sie ermutigt auch alle anderen, sich lieber zu engagieren, als zuhause zu sitzen und trüben Gedanken nachzuhängen.
 

Zur Person

Henriette Haas

... kam vor 40 Jahren aus der Pfalz in den Schwarzwald. Nachdem sie mit Vereinen eigentlich nichts am Hut hatte, wuchs sie durch ihren Mann Erich und dessen Engagement in der Awo und im SPD- Ortsverein Hornberg nach und nach in viele Aufgaben hinein. Seit 28 Jahren ist sie selbst Mitglied im SPD-Ortsverein und seit 2007 die Vorsitzende der Hornberger Awo. Ein ganz besonderes Anliegen ist ihr der Hornberger Tafelladen, der im Dezember 2012 eröffnet wurde und in den sie sehr viel Zeit und Herzblut steckt. Für ihr vielfältiges Engagement erhielt die 63-Jährige 2016 die Bürgermedaille in Bronze der Stadt Hornberg.

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