Polizei aus Offenburg, Frankreich und Albanien mit Europol

500.000 Euro Schaden: Albanische Einbrecherbande gefasst

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red/rs
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10. Juli 2018
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©Europol

Dank der Zusammenarbeit von französischen und albanischen Ermittlungsbehörden mit Einsatzkräften aus Offenburg und Europol wurde eine international agierende Einbrecherbande aus Albanien geschnappt. Fünf Tatverdächtige befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Der Schaden ihrer Taten soll etwa 500.000 Euro betragen.

Fünf Tatverdächtige einer albanischen Einbrecherbande, die für eine Serie von Taten in Europa verantwortlich sein soll, sind festgenommen worden. Das teilen die Staatsanwaltschaft Offenburg, das Polizeipräsidiums Offenburg und Europol in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

Erste Erkenntnisse und Verhaftung im Januar 2017

Begonnen hatte der Fall in Deutschland. Bereits im vergangenen Jahr wurden dazu die ersten Ermittlungen aufgenommen, da Anfang 2017 gehäuft Wohnungseinbrüche auf der Rheinschiene bei Rastatt, Offenburg und Freiburg beobachtet wurden. Die Polizei nahm dabei einen Albaner in Untersuchungshaft. Der Tatverdacht gegen zwei weitere Albaner reichte jedoch zunächst nicht aus.

Auch französische Strafverfolgungsbehörden ermittelten derweil gegen eine albanische Tätergruppierung, die sich auf Wohnungseinbruchdiebstähle in Europa spezialisiert hatte. Die französischen Ermittler beobachteten dabei, wie Teile der Gruppierung ihre Betätigungen nach Deutschland ausweiteten und informierten daraufhin die deutschen Strafverfolgungsbehörden in Offenburg. Im Januar wurden dann drei aus Albanien stammende Männer in Deutschland festgenommen werden, von denen einer schon im Januar 2017 im Verdacht stand, die Taten begangen zu haben. Aufgrund von weiteren Ermittlungen in Frankreich wurde im März ein weiteres Bandenmitglied in Paris festgenommen.

Zusammenarbeit unter Europol

Nach und nach ergaben sich mögliche Zusammenhänge der Täterschaft mithilfe der Ermittlungen zu einer Vielzahl noch ungeklärter Wohnungseinbrüche. Der Gesamtschaden aus dem Jahr 2017 wird in der Pressemitteilung auf rund eine Viertelmillion Euro geschätzt.

Da außerdem der Verdacht bestand, dass es weitere Mittäter gibt, wurden zwei internationale Arbeitstreffen geplant. Diese fanden unter Führung von Europol – der Polizeibehörde der Europäischen Union – zwischen den beteiligten Staaten Deutschland, Frankreich und Albanien statt. Dabei wurde die Zusammenarbeit der drei nationalen Polizeibehörden sowie gemeinsame Strategien und Ziele besprochen, um weiter gegen die albanischen Täter vorzugehen. Unterstützt wurde der Fall aus Mitteln des Bundeskriminalamts und dem EU-Projekt Prinz, das Teil des Inneren Sicherheitsfonds der Europäischen Union ist und zur Bekämpfung von Eigentumskriminalität dient.

Erfolgreicher Zugriff in Albanien

Im Rahmen eines sogenannten "Joint Action Day" erfolgte der Zugriff dann Anfang Juli, wie es in der Pressemitteilung heißt. Auf Antrag der deutschen und französischen Strafverfolgungsbehörden durchsuchte die albanische Polizei dabei neun Wohnungen, Bars und Restaurants in Albanien. Vor Ort gab es dazu Unterstützung von Spezialkräften, Ermittlern von Europol, vom Polizeipräsidium Offenburg und von der französischen Polizei. 

 

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Bei der Durchsuchung wurden zahlreiche Wertgegenstände und Beweismittel aufgefunden, die mutmaßlich mit den Taten in Zusammenhang stehen. Darüberhinaus wurde ein weiteres mutmaßliches Mitglied der Gruppierung festgenommen.

105 Straftaten und 500.0000 Euro Schaden

Laut Pressemitteilung steht die albanische Tätergruppierung in Verdacht, für rund 60 Straftaten in Deutschland und rund 45 Delikte in Frankreich verantwortlich zu sein. Neben Bargeld wurden Schmuck und Uhren entwendet. Der Gruppierung dürften mehr als 40 Personen angehören, die sowohl in Frankreich als auch in Deutschland agierten. Der Gesamtschaden der Einbrüche wird in der Pressemitteilung auf rund 500.000 Euro geschätzt. Die Opfer leiden zum Teil unter schwerwiegenden psychischen Folgen der Tat, heißt es weiter.

Tatverdächtige vor Gericht

Die drei Anfang des Jahres in Deutschland festgenommenen Männer sind mittlerweile von der Staatsanwaltschaft Offenburg angeklagt worden. Ab dem 20. Juli findet vor dem Landgericht Offenburg die Hauptverhandlung statt. Die französischen Ermittlungen werden ebenfalls zeitnah abgeschlossen und verhandelt werden. Das in Albanien festgenommene Bandenmitglied muss sich voraussichtlich vor der albanischen Justiz verantworten.

Der Mann, der schon 2017 in Deutschland festgenommen worden war, ist für einen Teil der Taten aus dem Jahr 2017 bereits am 20. Juni 2017 vom Amtsgericht Rastatt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Für die in der Ortenau begangenen Taten wird er sich ab dem 25. Juli vor dem Amtsgericht Offenburg verantworten müssen.

Deutliches Zeichen gegen internationale Kriminalität

Dank der Unterstützung von Europol aus Den Haag war der Zugriff auch außerhalb der EU in Albanien unter Beteiligung zweier europäischer Polizeibehörden möglich, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Info

Zeitlicher Ablauf der Ermittlungen

  • Anfang 2017: Häufige Wohnungseinbrüche auf der Rheinschiene bei Rastatt, Offenburg und Freiburg -> albanischer Tatverdächtiger festgenommen, zwei weitere unter Verdacht
  • Januar 2018: Französische Ermittler beobachten, wie eine Gruppierung ihre Taten nach Deutschland ausweiten und informieren Offenburg -> drei aus Albanien stammende Männer festgenommen
  • März 2018: Weitere Festnahme in Paris
  • Juli 2018: Zugriff auf neun Wohnungen, Bars und Restaurants in Albanien -> Beweismittel beschlagnahmt; weiteres mutmaßliches Mitglied der Gruppierung festgenommen

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