Ortenau

Mit Tempo 50 über den Rhein

Autor: 
Reinhard Reck
Lesezeit 4 Minuten
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27. Juli 2007
Der Hochgeschwindigkeitszug TGV-Est, der seit Juni zwischen Paris und Stuttgart fährt, muss nach der Fahrt über die Grenze sein Tempo drosseln. Es wird noch Jahre dauern, bis die Strecke zwischen dem Rhein und Appenweier aufgerüstet ist. Was aus der »Appenweirer Kurve« wird, ist völlig unklar.
Ortenau/Straßburg. Mit einem Tempo von bis zu 320 km/h braust der »Superschnellzug« TGV-Est durch Frankreich bis zum lothringischen Baudrecourt. Der Superschnellzug? Wohl kaum. Mit gerade mal 50 »Sachen« muss der schnittige »Train à grande vitesse« über die Rheinbrücke bei Kehl zuckeln – so schnell wie ein Auto im Stadtverkehr. Erst wenn die neue zweigleisige Bahnbrücke über den Rhein steht, kann der Zug auf 160 km/h aufdrehen. Bisher war als Zeitpunkt für die Fertigstellung das Jahr 2010 genannt worden. Wie ein DB-Sprecher nun anklingen ließ, könnte es vielleicht auch ein Jahr später werden. Aber mit der Brücke hat der TGV nur das erste Hindernis überwunden. Dann kommt der Kehler Bahnhof, und den darf der Zug nach DB-Angaben nur mit Tempo 100 durchfahren. Auf dem Rest der rund 14 Kilometer langen Strecke bis Appenweier heißt es für den Zug ebenfalls »halbe Kraft voraus«. Eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h ist dort grundsätzlich erlaubt – mit einer Ausnahme: Bei Kork muss der Lokführer erneut auf die Bremse drücken, da das Limit dort bei 120 km/h liegt. Langfristig soll die Strecke durch die Schließung von zehn beschrankten Bahnübergängen und weitere Arbeiten aufgerüstet werden, damit das Paradepferd der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF schließlich ein Tempo zwischen 160 und 200 km/h erreichen kann. Aber dafür wird man noch drei bis vier Jahre brauchen, schätzen DB-Experten. Aber das größte Hindernis ist die »Appenweirer Kurve«, auf der die Züge mit hohem Tempo auf die Rheintalstrecke fahren sollen. Die schon über zehn Jahre dauernden Auseinandersetzungen gleichen einer Gespenster-Debatte: Denn noch ist nach Verlautbarungen der DB völlig offen, was wann dort geschehen soll. Kein Wunder, dass die Appenweirer und ihr Bürgermeister Hansjürgen Stein stocksauer sind. Bereits 1994 fiel die Entscheidung bei einem Raumordnungsverfahren für das Projekt. Die Möglichkeit, die Bahntrasse westlich des Ortsteils Urloffen und damit ganz an Appenweier vorbei verlaufen zu lassen, wurde verworfen. Bahn und Regierungspräsidium favorisierten vielmehr – zum Ärger der Appenweirer Bürger – eine Trasse zwischen der Kernstadt und Urloffen, die die Kommune zerteilen würde. Allerdings war das Verfahren auf fünf Jahre befristet, ohne dass sich etwas getan hätte. Konsequenz für Stein: Eigentlich müsste man jetzt ganz von vorne anfangen. Man habe sich die Finger wundgeschrieben, aber von keiner zuständigen Instanz eine Auskunft darüber erhalten, was nun passieren soll. Das Problem: Die Trasse würde zwei Gewerbegebiete – Langmatt und Ettenbach – kreuzen. Deswegen müssen dort Flächen freigehalten werden. Beim Gebiet »Langmatt« ist nur eine kleinere Ecke betroffen, im Bereich »Ettenbach« würde die Trasse wohl das ganze Gebiet durchkreuzen – je nachdem, wie scharf die Schienenkurve gezogen wird. »Das Verhalten der Bahn ist eine Unverschämtheit«, schimpft Stein, »wir werden bei der Entwicklung der Gewerbegebiete völlig blockiert.« Man habe ansiedlungswilligen Betrieben schon absagen müssen. Stein wäre es am liebsten, wenn man die bestehende Strecke aufrüsten würde, so dass der TGV mit 140 km/h durchbrausen kann. Es sei unsinnig, eine neue Trasse zu bauen, nur um ein paar Minuten Zeit zu gewinnen. Hatten DB-Sprecher früher angedeutet, dass man etwa bis 2015 die neue Trasse bauen wolle, so wird jetzt kein konkretes Datum genannt. In Appenweier will man nicht länger warten. Unlängst wurden die Weichen gestellt, um das Gebiet »Langmatt« zu überplanen. Dasselbe will man auch im »Ettenbach« tun. Allerdings braucht man die Zustimmung des Freiburger Regierungspräsidiums. »Wir werden abwarten, was kommt«, so Stein, »es kann nicht angehen, dass man Appenweier den schwarzen Peter zuschiebt.«

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