Ortenau

Moderator im Lautenbacher »Dschungel«

Autor: 
Simon Allgeier
Lesezeit 5 Minuten
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13. September 2011
Foto: Ulrich Marx - Mit Kaffee und vielen Zigaretten bereitet sich Jörg Draeger (rechts) auf seinen Auftritt bei Family.TV vor. Geschäftsführer Timo C. Storost sieht die Zukunft seines Internetfernsehens rosig.

Foto: Ulrich Marx - Mit Kaffee und vielen Zigaretten bereitet sich Jörg Draeger (rechts) auf seinen Auftritt bei Family.TV vor. Geschäftsführer Timo C. Storost sieht die Zukunft seines Internetfernsehens rosig.

In Lautenbach startete der Internet-Fernseh-Sender »Family.TV« am Sonntagabend in seine neue Programm-Saison. Mit dabei: Jörg Draeger. Die Fahrt nach Lautenbach wird ihm allerdings lang in Erinnerung bleiben: In der Bahn verlor der Moderator nämlich einen seiner »Zonks«.

Lautenbach. Jörg Draeger nimmt kein Blatt vor den Mund – vielmehr eine Zigarette nach der anderen zwischen die Lippen, sitzt unter der überdachten Terrasse, hört den Regen hinter sich rauschen und raucht Kette. »Das war ein ganz großes Ups, als ich hier reinkam«, sagt Draeger, der bis vor Kurzem noch eine Spielshow bei RTL2 moderieren durfte. »RTL2 hat das gegen die Wand gefahren. Aber da drehte sich das Karussell bereits, und ich konnte nicht mehr abspringen.«
Und so kam es zu dem »Ups«, das Draeger über die Lippen kam, als er am frühen Sonntagabend das Studio von »Family.TV« in Lautenbach betrat. »Selbst das kleinste Studio, das ich bisher kannte, war fünfmal größer«, sagt Draeger und wirkt enttäuscht. Geworben worden war er mit einem ICE-Ticket erster Klasse, einer Übernachtung im Hotel, ein wenig Taschengeld und drei Flaschen Wein. Auf letztere freut er sich nun ganz besonders.
Nun sitzt er also hier in einem Garten in Lautenbach, umgeben von Bäumen, Hecken und tropfenden Blättern, in einem »Dschungel«, wie er selbst sagt. Dabei wollte er doch nie in den »Dschungel«, die RTL-Show, in der Sonja Zietlow und Dirk Bach Stars aus der grünen Hölle holen. Und auch nicht auf die »Alm«, auf der es »Promi-Schweiß und Edelweiß gibt«. Stattdessen sitzt er in Lautenbach, raucht und wartet auf seinen Auftritt bei Family.TV.
Pappe vorm Fenster
Doch wo Draeger nun angelangt ist, fließt ebenfalls der Schweiß. Zwei Scheinwerfer an der Decke des zum Fernsehstudio umfunktionierten Wohnzimmers zaubern Timo C. Storost kleine Perlen auf die Stirn. Die Fenster sind geschlossen, mit schwarzer Pappe zugeklebt, und zwei Camcorder sind auf Storost und seinen Mistreiter in Cowboystiefeln und offenem Hemd gerichtet. Storost ist der Erfinder, Geschäftsführer und Moderator von Family.TV. Ein »erfolgreicher Jungunternehmer«, wie er in seinem Lebenslauf schreibt.
Es ist kurz nach sechs Uhr und Storost – die Haare: kurz, die Stimme: leicht angeschlagen – stimmt, eingepfercht auf dem kleinen weißen Sofa zusammen mit dem Mann in Cowboystiefeln seine Zuschauer vor den Bildschirmen auf das ein, was er um 20.15 Uhr zeigen wird: »Jörg Draeger meets Family.TV«.
»Jetzt haben Sie noch ein bisschen Zeit, gehen Sie noch mit dem Hund spazieren und schicken Sie uns Ihre Fragen an Jörg Draeger«, plappert der Mann in Cowboystiefeln in schnellem Tonfall und fuchtelt mit einem bereits etwas verlebten Zonk vor dem Camcorder herum. Der Zonk, der einstige Trostpreis bei »Geh aufs Ganze«, gehört eigentlich Storost – eine Erinnerung aus Kindheitstagen – heute wird er verzockt. Und das nur, weil sich Draeger im ICE von einer »äußerst attraktiven Dame« seines Zonks hat berauben lassen. Sagt er. Storost und Peter Cieslar – so heißt der Mann in Cowboystiefeln – erheben sich nun vom Sofa, und es beginnt das Tagesprogramm auf Family.TV: Der »AH-Bra« wird Frauen mit zu viel oder zu wenig Oberweite wortreich angeboten. Family.TV bedient sich auch beim Programm von Teleshopping-Sendern. »Die Werbung habe ich jetzt schon zum hundertsten Mal gesehen«, stöhnt ein Angestellter von Family.TV, blickt auf einen Bildschirm an der Wand und setzt sich auf die Bierbank, die in der dem Studio vorgelagerten Redaktion steht.
»Mach einen Banner«
Storost erkennt indessen die Zeichen der Zeit: »Schnell, mach mal noch einen Banner für 9/11«, herrscht er einen seiner Mitarbeiter an, der sich sogleich daran macht, für die von der Nachrichtenagentur Reuters bezogenen 20-Uhr-Nachrichten einen kleinen Banner am Computer anzufertigen.
Storost kann sich zurücklehnen. Erst einmal durchatmen beziehungsweise eine oder mehrere rauchen. Das Oettinger-Bier und die Tüten Chips in der Redaktion müssen noch warten. Die gibt es zur After-Show-Party, wenn Jörg Draeger Family.TV getroffen hat. Storost geht in den Garten, setzt sich neben Draeger. Dem sind mittlerweile die Zigaretten ausgegangen. »Holst du mir ein paar Päckchen?«, fragt er Redakteurin Susanne, die kurz darauf mit vier Big Packs zurückkehrt.
»Man könnte das jetzt sicher als Abstieg verkaufen«, nimmt der Moderator dem Journalisten die Frage aus dem Mund. Eigentlich wollte er mit einem neuen Konzept, einem Casino-Format, die deutsche TV-Landschaft noch einmal kräftig aufwirbeln.
Ein Sender hatte ihm bereits zugesagt, dann wurde dessen Führungsspitze ausgewechselt, Draeger und dessen Format auf Halde gelegt – und Timo C. Storost kam. »Storost sagte, das kann ich auch produzieren«, erzählt Draeger mit kritischem Blick und fügt hinzu: »Das bezweifle ich noch.«
Es ist 20 Uhr. Draeger schlurft ins Studio, setzt sich neben Storost aufs Sofa. Es gibt Probleme mit dem Ton. Die »Ah-Bra«-Werbung überlagert Storosts und Draegers Gespräch, der Techniker haut unter dem Tisch ein paar Mal auf den PC. Es läuft wieder.

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Stichwort: Family.TV

te 2009 mit Family.TV nach eigenen Angaben Deutschlands ersten Internet-Fernsehsender in Lautenbach. Am Montag startete er mit einer Programmoffensive, die sowohl Eigenproduktionen (Frühstücksfernsehen, Mittagsmagazin) als auch Programmeinkäufe aus dem Hause Pro7-Sat1 beinhaltet. Als Zweitverwertungssender will Storost Family.TV jedoch nicht verstanden wissen. Jörg Draeger soll künftig eine zweistündige Live-Sendung im Stil von »Geh aufs Ganze« moderieren. all

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