Offenburg

Muettersproch-Gsellschaft stößt Mammutprojekt an

Autor: 
Christine Marklewitz
Lesezeit 2 Minuten
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16. April 2016
Margot Müller aus Fessenbach spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Sie ist engagierte Muettersprochlerin, zieht als Beisitzerin in der Gesellschaft mit und leitet die Offenburger Regionalgruppe.

Margot Müller aus Fessenbach spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Sie ist engagierte Muettersprochlerin, zieht als Beisitzerin in der Gesellschaft mit und leitet die Offenburger Regionalgruppe. ©Christine Marklewitz

Die Muettersprochler vom Bodensee bis Offenburg treffen sich diesen Samstag in Ringsheim. Die Hauptversammlung ist die Geburtsstunde eines einzigartigen Projekts: Der Sprachverein plant, eine Video-Datenbank für den gesamten Spach-raum aufbauen. So sollen alle Facetten konserviert werden. 

Das mit dem Dialekt ist so eine Sache: Fast jeder hat ihn, die meisten wollen ihn nicht. »Er gilt als Karriere-Hemmschuh und wer Mundart spricht, wird schnell als dumm abgestempelt«, weiß Margot Müller. Die 68-Jährige aus Fessenbach spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Sie leitet die Gruppe Offenburg der Muettersproch-Gsellschaft und engagiert sich als Beisitzerin im Gesamtverein. 

»Das Alemannische ist ein Kulturgut, das erhaltenswert ist«, steht für Müller fest. Und das wolle die Muettersproch-Gsellschaft nun mit Kurzvideos der »Altvorderen« angehen, deren Sprachschatz mit dem Tod für immer verloren gehen würde. Der rund 2800 Köpfe zählende Sprachverein stößt hart an seine Grenzen, denn so ein Projekt kostet viel Geld. »Ohne Partner ist das nicht machbar«, steht für Müller fest. Und auch die Mitgliederstruktur bereite große Sorgen – die »Gsellschaft« überaltert zusehends. »Junge lassen sich nur schwer für den Verein begeistern«, sagt Müller.  

So stehe die Zukunft der Regionalgruppen in den Sternen. Einige Vorsitzende seien in einem Alter, in dem sie den Posten gerne abgeben wollen, aber niemanden haben. »Da ist es auch keine Lösung, wenn wir Gruppen zusammenlegen«, so Müller. Die Mitglieder seien nicht mehr so mobil, um die Treffen 30 Kilometer weiter besuchen zu können. 

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Auf lange Sicht werde es die »Gsellschaft« in der jetzigen Form nicht mehr geben, ist Müller klar. Ob auch der Dialekt stirbt? Die Fessenbacherin wiegt den Kopf: »Überraschungen gibt es immer!« Der Dialekt habe zwar allgemein ein Imageproblem, aber die Leute würden sich zwischenzeitlich zurückbesinnen. »Dialekt ist Heimat: Er geht vom Herz direkt ins Hirn!« 

»Cleverle« netzwerken

»Mundart ist aber auch eine Frage des Selbstbewusstseins«, gibt die 68-Jährige zu bedenken. Hier hätten die Schwaben klar die Nase vorn. Und die »Cleverle« seien dazu noch geschäftstüchtig: Das Pendant der Muettersproch-Gsellschaft – schwäbische mund.art – sei  eng mit der Wirtschaft verbandelt und könne Projekte ganz anders gestalten. 

Einen Aspekt der Vereinsarbeit will Margot Müller nicht missen: Das Projekt »Mundart in der Schule«. Dürfe sie im Unterricht eine Lesung halten, seien die Kinder Feuer und Flamme. Ein kleiner Funke, der sich vielleicht im Erwachsenenalter entzündet, denn nach der fünften Klasse, so ihre Erfahrung, »wird das Alemannische oft abgelegt«. 

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