Leidenschaftliche Fasnachterin
Dossier: 

Nadja Zinks unnachahmliche Kunst der freien Improvitaion

Autor: 
Roland Spether
Lesezeit 5 Minuten
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21. Oktober 2021

(Bild 1/3) Nadja Zink vor dem Dorfbrunnen von Kappelrodeck. In ihrer Heimat fühlt sie sich pudelwohl. ©Roland Spether

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (67): Wirtschaftsingenieurin Nadja Zink aus Kappelrodeck, leidenschaftliche Fasnachterin, die für ihre unnachahmlichen Auftritte bei zahlreichen Festen bekannt ist.

Trotz einer Fernsehsendung über sie ist Nadja Zink nicht abgehoben. „Der Himmel ist bewölkt, man sieht keine Sterne“ – spontan, kurz und köstlich kommentierte Nadja Zink beim Schudiabend im 200. Jubiläumsjahr der „Kappler“ Fastnacht 2011 eine Fernsehsendung über sie und Allüren, die ihr nach dieser SWR-Sendung womöglich in den Kopf stiegen oder das Fasnacht-Urgestein gar als neuen „Stern“ am Himmel funkeln ließen. Weit gefehlt, denn alle Kommentare ließen die absolute Expertin in Sachen „Brätsch-Schudi“ völlig kalt, von blinkenden Sternen war weit und breit nichts zu sehen, und ihre damaligen Begleiter beim Schudiabend, die Gaudi-Burschen Michael „Mitsch“ Hodapp, Armin Ossola und Kurt Gutenkunst, streichelten als Schulkinder liebevoll eine hölzerne Wackel-Ente und meinten: „Weil Sofi kein Star sein will, haben wir eine Ente als Star dabei“. Damit war alles über Stars und Sternchen der Schudikunst „gschwätzt“.

Gute Fernsehsendung

Die Fernsehsendung über Nadja Zink war gut, und wenn sie heute noch beim Bäcker, im Dorf, bei Festen mit „Hallo Sofi“ angesprochen wird, dann lacht sie aus vollem Herzen und freut sich, dass die Menschen die waschechte „Kapplerin“ von Kopf bis Fuß erkennen und die Diplom-Wirtschaftsingenieurin eine ganz normale Frau ist.

„Kappler“ Fasnachts-Gen

Dass Nadja Zink mit einem ganz starken „Fasnachts-Gen“ für Frohsinn in allen Variationen ausgestattet ist, könnte mit dem „Acherner Opa“ zusammenhängen, der vor vielen Jahren auch schon die Narretei liebte und als Schudi unterwegs war. Ihre Mama Christa Zink war gar ein Page, der den unvergessenen Acherner Narrhalla-Präsidenten Hans Vierneisel bei Auftritten und Prunksitzungen charmant flankierte, die Orden verteilte und diese mit den obligatorischen Küsschen garnierte. Papa Werner Zink ist unter den Fußball-Insidern besser als Sportler und Verbandstrainer im Südbadischen Fußballverband bekannt, doch wenn die „Hoorige Katz“ miaute und die „Kappler“ Hexen ihre Besen schwangen, gab es auch für ihn kein halten.

Da war es auch nicht verwunderlich, dass Tochter Nadja zu den Umzügen in der „Kinderschäs“ mitfahren durfte und sie, wie alle Kinder von Kappelrodeck eigentlich auch, von Kindesbeinen an die herrliche Schudikunst miterlebte, selbst als Pröpperle oder Dupp die „Hoorige Katz“ hochleben ließ und kräftig in den uralten Fastnachtshits einstimmte: „Jupheidi und Jupheida, Schwarzwurscht isch kei Servela“.

Sie ist "Sofi" wegen der Sonnenfinsternis 1999

Wenn Nadja Zink in ihre Paraderolle schlüpft, dann ist sie die „Sofi“ und so mancher rätselt, weshalb sie ihren Namen so und nicht „Sophie“ schreibt. Das hängt damit zusammen, dass am 11. August 1999 der „Tag der schwarzen Sonne“ war, der Mond sich vor die Sonne schob und in ganz Deutschland eine totale Sonnenfinsternis herrschte. Mitten am Tag wurde es stockdunkel, so mancher sah schon das Ende der Welt kommen und erwartete gar die Apokalypse auf der Hornisgrinde. Doch an diesem Tag stieg Nadja Zink als „Sofi“ in Anlehnung an die Sonnenfinsternis wie ein Phönix aus der närrischen Asche, thematisierte als Dupp dieses Jahrhundertereignis und sorgte dafür, dass bei den Schudiabenden die Sonne in schönster Pracht strahlte.

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Politisch meinungsstark

„Die Sofi sagt halt Sachen, die andere vielleicht auch gerne sagen würden“, meinte Zink, die beim „Brätschen“ kein Blatt vor den Mund nimmt. Dabei ist sie eine von Grund auf fröhliche, ehrliche und bodenständige Frau, die das Herz am rechten Fleck hat, voller Optimismus in die Welt blickt und dabei die Dinge um sie herum auch durchaus kritisch sieht.

Das wird besonders im Sitzungszimmer des Gemeinderates deutlich, wenn sie so manche Themen aus einer anderen Perspektive sieht, deutlich und leidenschaftlich ihre Meinung sagt und dabei auch in Kauf nimmt, anzuecken. „Es gibt auch andere Leute, die wie ich denken“, so Zink, die 2019 in den Gemeinderat gewählt wurde. „Ich wünsche mir mehr Bürgerbeteiligung bei bestimmten Themen des Gemeinderates.“ Denn sie ist davon überzeugt, dass notwendige Dinge nur durch ein persönliches Engagement „von innen her“ geändert werden können und da gibt es manches, wo sie in Kappelrodeck Bedarf sieht.

"Perfekter Ausgleich zum Beruf"

„Die Dupp ist für mich der perfekte Ausgleich zum Beruf“, sagt die Wirtschatsingenieurin. Doch ihre unnachahmliche Kunst der freien Improvisation „wie einem der Schnabel halt gewachsen ist“ hat sie auch auf der Bühne in Karlsruhe präsentiert. Bei „Nix wie Kuddlmuddl“ hatte Zink 2011 ihre ersten Auftritte bei der „Badisch Bühn“. Das Lernen ihrer Rollen auch in Mundartstücken wie „Em Kalle sei Dande“ und „Jedds griegsch dei Fedd weg“ fiel ihr leicht, und auch mit dem Rampenlicht der Bühne hatte sie überhaupt keine Probleme. Wohl aber mit der Sprache: „Ich kann nur Kapplerisch, und dort unten sollte ich Karlsruher Badisch sprechen“, erzählt sie.

Sprach-Problem gelöst

Doch wer Fernsehauftritte souverän meistert, als Schudi der Spontaneität und Kreativität freien Lauf lässt und im Mathe-Abi eine super Note hatte, der konnte auch dieses „Sproch-Problem“ lösen. Seit 2016 wohnt sie wieder in ihrem Heimatort, fühlt sich hier pudelwohl, und wenn nicht gerade Corona herrscht und der Fasnacht einen Strich durch die Rechnung macht, erscheint Sofi und sprüht vor Mutterwitz und Lebensfreunde.

Legendäre Auftritte

Unvergessen und legendär sind ihre Auftritte 2011 zum 200. Jubiläum der Narrenzunft 1811, als sie mit Fahrrad und Leiter in den voll besetzten „Achertäler Dom“ einzieht, mit Pfarrer Wendelin Faller eine köstliche „Narren-Predigt“ hielt und dieser dabei mit der „Quetscheleiter“ auf die Kanzel stieg. Dass sie danach mit dem Ufo der Narrenzunft vom Marktplatz auf und davon in den Sternenhimmel der Narretei fliegt, konnten die Elferräte und Schudis gerade noch verhindern.

Zur Person

Nadja Zink

Nadja Zink erblickte 1979 das Licht der Welt, sie wuchs in Kappelrodeck auf und besuchte nach der Grundschule das Gymnasium in Achern. Dass sie in Mathematik und Physik sehr gut war, führte zum Studium für Wirtschaftsingenieurwesen und zu einem Fachbereich, den Frauen nicht unbedingt anstreben. Doch Technik und Wirtschaft liegen ihr, sie arbeitet für die Firma Securiton in Achern und ist im Bereich moderner Alarm- und Sicherheitstechnik tätig. Nach über 16 Jahren in Karlsruhe kehrte sie wieder nach Kappelrodeck zurück und fühlt sich wohl, in der Heimat der Hex vom Dasenstein und in einem Dorf zu wohnen, in dem in normalen Zeiten ein Fest nach dem anderen stattfindet, viele Vereine aktiv sind und der dörfliche Charakter noch spürbar wird. Sie ist Mitglied in der Narrenzunft 1811, im Turnverein und im Tennisclub und hat kürzlich mit anderen einen Kulturverein gegründet, um auch hier Akzente zu setzen.

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