Ortenau

Nazi-Straße wird umbenannt

Autor: 
Ramsteiner Claudia
Lesezeit 3 Minuten
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14. März 2013
Ulrich Marx - Die Wilhelm-Zangen-Straße bekommt nach ihrer Umbenennung gleich zwei Namen: Vom Gasthaus »Eiche« bis zur Eisenbahnbrücke (rot) heißt sie ab 1. Januar 2014 »Hinterer Bahnhof« und von der Brücke bis zum zukünftigen Interkommunalen Gew

Ulrich Marx - Die Wilhelm-Zangen-Straße bekommt nach ihrer Umbenennung gleich zwei Namen: Vom Gasthaus »Eiche« bis zur Eisenbahnbrücke (rot) heißt sie ab 1. Januar 2014 »Hinterer Bahnhof« und von der Brücke bis zum zukünftigen Interkommunalen Gew

Die ehemaligen Graf-Heinrich-Schüler, die die Rückbenennung der Hausacher Wilhelm-Zangen-Straße in Rosenstraße gefordert hatten, haben zumindest einen Teilerfolg erzielt. Die Umbenennung war schon im Januar beschlossen worden, der künftige Name wird aber »Hinterer Bahnhof« sein.

Hausach. Der Beschluss, die Wilhelm-Zangen-Straße wegen der Nazi-Vergangenheit des ehemaligen Reichswirtschaftsführers umzubenennen, war bereits in der Gemeinderatssitzung im Januar gefallen. Den Stein ins Rollen gebracht hatten ehemalige Schüler der Graf-Heinrich-Schule, die am Montagabend die Umbenennung auch live miterleben wollten. Die Entscheidung fiel denkbar knapp.

Die Verwaltung hatte in der Sitzungsvorlage die drei Vorschläge aufgelistet: der frühere Name »Rosenstraße«, den die Schüler vorgeschlagen hatten, »Hinterer Bahnhof«, wie das Gebiet im Volksmund heißt, und »Industriestraße«.

Die Verwaltung hatte zwar in der Vorlage keine Empfehlung abgegeben, aber Bürgermeister Manfred Wöhrle machte keinen Hehl aus seiner Vorliebe für Industriestraße – weil dieses Gebiet nun mal den Schwerpunkt der Hausacher Industrie bilde mit dem Gros der Arbeitsplätze. Rosenstraße passe eher zu einem Wohngebiet. »Wir schaffen ja neue Wohngebiete, da gäbe es Möglichkeiten, diesen Namen noch einmal zu vergeben.«

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Brigitte Salzmann (SPD) stellte sich auf die Seite der Schüler, die der Straße den alten Namen zurückgeben würden – schließlich hieße sie heute noch so, wenn sie 1954 nicht geändert worden wäre. Innerhalb von 60 Jahren einer Straße den dritten Namen zu verpassen, halte sie nicht für angemessen. »In den Reben wird auch kein Wein mehr angebaut und in der Lehmgrube kein Lehm mehr gestochen«, argumentierte sie. »Rosenstraße passt in eine Wohnsiedlung, aber nicht in ein gewachsenes Industriegebiet«, hielt Udo Prange (FW) dagegen. Verwaltungsrechtlich sei die Umbenennung damals zwar umstritten, aber rechtmäßig gewesen. Der Name Rosenstraße passe nicht zur Adresse einer weltweit agierenden Firma.

»Für mich war entscheidend, dass die Straße nicht mehr nach Wilhelm Zangen benannt wird«, sagte Thomas Waldenspuhl (CDU). Auch er schloss sich der Argumentation der Schüler an, dass die Straße immer noch Rosenstraße hieße, wäre sie 1954 nicht geändert worden. Er sah auch den »geschichtlichen Hintersinn« mit dem Bezug auf die Widerstandsbewegung »Weiße Rose« im Dritten Reich (auch wenn der 200 Jahre alte Gewannname damit natürlich nichts zu tun hatte).

Änderung ab 2014

Bei der Diskussion über die Abstimmungsmodalitäten zeichnete sich bereits ab, dass die Rosenstraßenfans in knapper Minderheit waren. Bei der Stichwahl siegte dann der Hinterer Bahnhof mit zehn zu neun Stimmen. »Wir sollten den Betrieben nun die Zeit geben, sich auf den neuen Namen einzustellen«, betonte Bürgermeister Manfred Wöhrle und schlug vor, den Straßennamen offiziell ab 1. Januar 2014 zu ändern. Den Betrieben werde der neue Straßennahmen schriftlich mitgeteilt. Wenn auch die Schüler nicht verstanden, weshalb ihr Vorschlag Rosenstraße nach der einfachen Abstimmung nicht gewonnen hat – so war dies doch zweitrangig. Das Gefühl, mit dem Antrag »Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Hitlers« und »Umbenennung der Wilhelm-Zangen-Straße« einen Beitrag zur Aufarbeitung der Hausacher Geschichte geleistet zu haben, überwog bei weitem.

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