Ortenau

"Leser helfen": Niklas ist sehr pragmatisch

Autor: 
Thomas Reizel
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
25. November 2015

Annette Echtle freut sich, dass ihr Sohn Niklas Plack im Christlichen Jugenddorf gut aufgehoben ist. Albert Waidele, Ausbildungsleiter in der Schreinerei, lobt den 17-Jährigen als sehr engagierten Jugendlichen mit guten Grundfertigkeiten. ©Thomas Reizel

»Leser helfen« bittet in diesem Jahr um Spenden für das Christliche Jugenddorf (CJD) in Offenburg. Das für das Internat genutzte Haus Gengenbach ist nicht barrierefrei. Doch für den Umbau hat das CJD kein Geld. Doch was macht es eigentlich? Das Beispiel von Niklas Plack aus Lahr verdeutlicht es.

Offenburg. Niklas Plack aus Lahr fühlt sich sehr wohl im Christlichen Jugenddorf (CJD) in Offenburg. »Seit 1. September mache ich hier eine Schreinerlehre«, freut er sich. Der heute 17-Jährige hat eine lange Geschichte hinter sich. Er musste schon als Kind in Lahr in einer Tagesgruppe des »Dinglinger Hauses« betreut werden. »Dort haben wir schon viel mit Holz gemacht. Schon damals habe ich gemerkt, dass Holz lebt und mir das sehr viel Spaß macht«, erzählt der Jugendliche.

Außerdem hatten seine Eltern Wald und einen Holzhandel, dort hat er schon als Kind mitgeholfen. Später zog seine Mutter ins Harmersbachtal, Niklas besuchte die Förderschule in Zell a. H.: »In Mathe war ich immer gut, aber mit Deutsch hatte ich Probleme, vor allem mit der Rechtschreibung.« Sein Weg führte seine Familie zurück nach Lahr und ihn in das Christliche Jugenddorf zur Schul- und Berufsvorbereitung.

Zuerst sammelte Niklas Erfahrungen in der  Sonderberufsfachschule (SBFS) Umwelt, lernte, wie man ein Gewächshaus aufbaut, hat Wände hochgezogen und Glasscheiben eingesetzt. »Ich habe mich total gewundert, dass er sogar in seinen heißgeliebten Ferien nach Offenburg ging«, blickt seine Mutter Annette Echtle zurück.

»Habe einfach gefragt«

Doch Niklas’ Leidenschaft sollte das Holz bleiben und vor allem das Ziel, den Hauptschulabschluss zu erreichen. Doch Voraussetzung dafür war, dass er sich selbst um ein externes Langzeitpraktikum kümmert. »Ich wusste ja, dass ich in Deutsch nicht so gut bin. Also bin ich einfach zur Schreinerei Löffler in Lahr-Reichenbach gegangen und habe gefragt, ob ich einen Platz bekomme«, erzählt der Junge.

- Anzeige -

Das hat geklappt. Ein Jahr lang verbrachte er parallel zu seiner Zeit im CJD in der SBFS Umwelt einmal pro Woche acht Stunden in der Reichen­bacher Schreinerei. Und jetzt hat er den Hauptschulabschluss in der Tasche und damit den Grundstock für seine Lehre.

Albert Waidele, Ausbilder im CJD-Jugenddorf, lobt seinen Schüler: »Er macht die Ausbildung zum Fachpraktiker für Holzverarbeitung, hat ein sehr engagiertes Verhalten, gute Grundfertigkeiten und lässt sich bei der Arbeit nicht ablenken. Das ist sehr positiv an Niklas.«

Seine Mutter bereut es keine Minute, ihren Sohn ins Christliche Jugenddorf gebracht zu haben. »Ein Kind misst sich doch immer an Erfolgen. Es hätte Nik­las überhaupt nicht geholfen, wenn er sich in der Regelschule plagt.«

Seine ersten Werkstücke hat Niklas bereits fertig und in der Schreinerei gelernt, dass man beim »Stemmen« vom Körper weg arbeiten muss. Anhand kleiner Arbeiten weiß er auch schon, worauf es bei echten Tisch- und Stuhlbeinen ankommt.

Gut, mit dem Deutsch hat Niklas nach eigenen Worten noch einige Probleme, doch um diese zu bewältigen, geht er weiterhin im Christlichen Jugenddorf einmal pro Woche in den Stützunterricht. »Da müssen wir Texte lesen und schreiben«, sagt er und freut sich, dass er es in Deutsch schon auf einen Dreier im Hauptschulabschluss gebracht hat. In Mathe war es sogar eine 1,8.

Sein größter Wunsch ist es,  vielleicht schon im nächsten Jahr so gut zu sein, dass er wieder in eine betriebliche Phase in einem externen Betrieb kommen kann.

Hintergrund

CJD-Jugenddorf in Offenburg

Das CJD-Jugenddorf Offenburg ist eine Einrichtung des Christlichen Jugendwerk Deutschlands (CJD) e.V. Seit der Gründung im Jahr 1983 haben in Offenburg mehr als 2500 junge Menschen mit unterschiedlichsten Förderbedarfen ihre Ausbildung in einem von 25 anerkannten Berufen erfolgreich absolviert. Weitere 2500 Teilnehmer haben sich in verschiedenen Bildungsmaßnahmen auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereitet. Rund 100 Teilnehmer, die nicht zu Hause wohnen können, werden im »Lernort Wohnen« untergebracht, in den Häusern Achern, Kehl, Oberkirch und Gengenbach. Letzteres muss dringend barrierearm umgebaut werden. Dafür bittet »Leser helfen« um Spenden. Vorsitzender Thomas Reizel erteilt gerne weitere Informationen unter Tel. 07 81 / 504-4311.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

Viele Veranstaltungen bei Architekturtagen
vor 9 Stunden
Die Europäischen Architekturtage finden vom Freitag, 28. September, bis zum Montag, 31. Oktober, grenzüberschreitende in der Oberrheinregion statt. Stargast ist der amerikanische Architekt und Stadtplaner Daniel Libeskind. 
Ortenau
vor 9 Stunden
Das über Mittelbaden gezogene Unwetter hat im Verlauf des frühen Sonntagabends zeitweise für etliche Einsätze der Beamten des Polizeipräsidiums Offenburg gesorgt.
Freizeithof wird dieses Jahr 40
vor 11 Stunden
Am Sonntag, 30. September, werden auf dem Langenhard mehrere Jubiläen gefeiert. Unter anderem begeht das Jugendwerk Ortenau 50-Jähriges, der Freizeithof 40-Jähriges. Beim Pressegespräch blickten die Verantwortlichen zurück, aber auch nach vorne.  
Riesenareal nur für Kinder
vor 21 Stunden
Neun Tage, neun Messebereiche und acht Themenwelten – das sind die Eckdaten der 80. Oberrheinmesse in Offenburg. Ab Samstag, 29. September, sprechen mehrere hundert Aussteller mit ihrem Angebot Alt und Jung an. Und natürlich gibt es Neuheiten – auch bei den Abläufen.
Bürgermeister im Amt bestätigt
vor 22 Stunden
Mahlberg hat am Sonntag den Bürgermeister gewählt. MIt 82,7 Prozent der Stimmen gewann Amtsinhaber Dietmar Benz die Wahl. Er war der einzige ernsthafte Bewerber.
Kooperation verabredet
23.09.2018
Albena Georgieva, die Gouverneurin der bulgarischen Partnerregion der Ortenau, hat erstmals den Landkreis besucht. Beide Regionen wollen künftig bei der Vermittlung von Fachkräften zusammenarbeiten.
Wetter
23.09.2018
Ein Sturmtief zieht am Sonntag über die Ortenau hinweg. Ab dem Nachmittag und bis in den späten Abend wird mit starken Sturmböen gerechnet. In höheren Lagen erreichen diese bis zu 115 km/h.
Nichtiger Anlass
23.09.2018
Diese Begegnung wird ein 48-Jähriger so schnell nicht vergessen. Er wies in Offenburg zwei junge Männer auf ihr Fehlverhalten hin und wird daraufhin von Ihnen schwer verletzt. 
So wie im Oberen Renchtal sieht es momentan in vielen Ortenauer Wäldern aus. Der Borkenkäfer bahnt sich seinen Weg durch die Rinde der Bäume. Der Schädling benutzt dabei sein Kauwerkzeug.
Die Käfer-Katastrophe
22.09.2018
Als zweitgrößte Katastrophe nach Lothar bezeichnen Förster die Käferplage in diesem Jahr. Lothar war in zwei Stunden vorbei. Gegen die weitere  Verbreitung des Borkenkäfers würden nur lang­anhaltender Regen und niedrige Temperaturen helfen.
Vor dem Landgericht Offenburg muss sich seit gestern ein 24-jähriger Flüchtling aus Nigeria verantworten. Ihm wird vorgeworfen, eine Frau auf der Fußgängerbrücke über die Freiburger Straße vergewaltigt zu haben.
Prozessauftakt
21.09.2018
Er soll eine Frau verfolgt, niedergerissen und dann vergewaltigt haben. Aufgrund dieser Vorwürfe steht ein 24-Jähriger seit Freitag vor dem Offenburger Landgericht. Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen, macht aber Aussagen zu seiner Person. 
Von Street-Food bis Zimmermannskunst
21.09.2018
Wer am Wochenende etwas in der Ortenau unternehmen will, der kann zwischen verschiedenen Veranstaltungen im Landkreis auswählen. Freunde der klassischen Musik werden in Kehl-Goldscheuer fündig, für Naturfreunde eröffnet am Sonntag ein Qualitätswanderweg in Lautenbach.
Landgericht
21.09.2018
Ende April ist auf einer Offenburger Fußgängerbrücke eine Frau vergewaltigt worden. Der 24-jährige Angeklagte aus Nigeria muss sich ab heute vor dem Offenburger Landgericht verantworten. Wir berichten live vom Prozess.