Kehl und Lahr

Obdachlose sollen besser erreicht werden

Autor: 
Antonia Höft
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
03. Dezember 2016
Beim "Café Löffel" in Lahr können Obdachlose frühstücken und umsonst waschen.

(Bild 1/2) Beim "Café Löffel" in Lahr können Obdachlose frühstücken und umsonst waschen. ©Martin Schneider

Menschen dort aufsuchen, wo sie zu Hause sind: Dass die Spendenaktion »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse ein umgebautes Wohnmobil für Obdachlose finanzieren will, sorgt nicht nur beim Offenburger St.Ursula-Heim für Begeisterung. Menschen auf der Straße sollen so besser integriert werden.

Es ist ein Beruf, bei dem kein Tag dem anderen gleicht. Die Mitarbeiter der Kehler Bahnhofsmission und des »Café Löffel« in Lahr sind für Obdachlose und Menschen in Not da – wenn auch nur für ein paar Minuten. Viele engagieren sich ehrenamtlich. »Bei uns bekommen Obdachlose ein warmes Essen oder können umsonst duschen«, erzählte Diplompsychologe Martin Schneider, der im »Café Löffel« arbeitet, auf Nachfrage der Mittelbadischen Presse.

»Manchmal trinken sie einen Tee bei uns, rasieren sich oder wärmen sich auf«,  berichtete Sozialarbeiterin Claudia Schnebel, die neue Leiterin der Kehler Bahnhofsmission. Menschen mit keinem Wohnsitz hätten es schwer, einen Arzt vermittelt zu bekommen, wissen Schneider und Schnebel. Doch Zahlen, wie viele Obdachlose sie im Monat oder im Jahr aufsuchen, könne sie nicht nennen: »Das ist von Tag zu Tag unterschiedlich.«

Viele Vorteile

Dass nun ein umgebautes Wohnmobil – der Förderverein der Pflasterstube bezeichnet es analog als Pflaster­mobil – durch die Spendenaktion »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse finanziert werden soll, bezeichnet Schnebel als eine »super Idee«, und auch Schneider sieht darin viele Vorteile. 

»Manche Obdachlose leben abgeschottet und trauen sich nicht einmal zu uns«, bedauert Schneider und sieht im Mobil eine Chance, um diese Menschen zu erreichen.   »Wir könnten so eine medizinische Grundversorgung sicherstellen, denn die meisten sind nicht versichert«, betont er und weiß, dass viele der Obdachlosen nicht ins Krankenhaus wollen. »Ich habe schon Wunden gesehen, die hätten sofort medizinisch behandelt werden müssen, aber die Menschen auf der Straße weigern sich.«

- Anzeige -

In dem umgebauten Wohnmobil könnten sich Obdachlose nach Tagen endlich wieder waschen, mit Sozialarbeitern reden, Verletzungen behandeln oder einfach die durch die Kälte taub gewordenen Hände aufwärmen – und das in einer Umgebung, in der sie sich noch besser fühlen und ihr Hab und Gut nicht verlassen müssen. 

»Viele schaffen es aus unterschiedlichen Gründen nicht zu uns ans Gleis 1«, betont Sozialarbeiterin Schnebel. Ob also Rollstuhlfahrer oder Menschen mit psychischen Problemen: Es koste Überwindung. Das Wohnmobil wäre weniger eine Entlastung für die Mitarbeiter, sondern vielmehr eine Ergänzung.

Hauptsache integrieren

»Bei unser Arbeit ist es besser mobil zu sein und so Hemmungen abzubauen«, ist die Leiterin der Bahnhofsmission überzeugt. Vier Mal im Jahr treffen sich Mitarbeiter der Kehler Bahnhofsmission und des Offenburger St. Ursula-Heims, um sich über Erfahrungen und Vorkommnisse in ihren Einrichtungen auszutauschen.

»Wir haben zwar schon eine gute Basis geschaffen, aber mit einem umgebauten Wohnmobil könnten wir noch gezielter  und schneller Menschen auf der Straße behandeln.« Der Kontakt mit Obdachlosen müsse immer auf Augenhöhe stattfinden. Denn letztendlich gehe es den Beteiligten darum, die Menschen wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Stück für Stück.

Stichwort

Drei »Leser helfen«-Projekte

Die Mittelbadische Presse unterstützt in ihrer »Leser helfen«-Aktion drei Einrichtungen, über die im Wechsel berichtet wird.
◼ Das Jugendrotkreuz Offenburg wünscht sich einen Mannschaftsbus für Einsatz- und Fortbildungsfahrten. Diesen finanziert komplett die Renchener Firma Joro Türen GmbH (26 000 Euro).
◼ Im DRK Kreisverband Kehl betreuen fünf Ortsvereine insgesamt fünf Demenzgruppen. Die Gäste des Café Vermiss-mein-nicht werden abgeholt und nach Hause gebracht. Dafür fehlt ein Bus, mit dem mindestens vier Rollstuhlfahrer gleichzeitig befördert werden können (55 000 Euro).
◼ Der Förderverein der Offenburg Pflasterstube hätte gerne ein Wohnmobil, das als rollende Arztpraxis, aber auch als Dusch- und Gesprächsgelegenheit genutzt werden kann (50 000 Euro). 
-tom

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.
27.12.2018
Abenteuer-Indoor-Spielplatz
Wer möchte seinen Kindern zum Geburtstag nicht gern etwas ganz Besonderes bieten? Im Kiddy Dome in Schutterwald ist das möglich. Denn nicht nur an ihrem großen Tag sind die Kinder in diesem Abenteuer-Indoor-Kinderspielplatz die Könige. 
27.12.2018
Wie wir nachts schlafen bestimmt, wie unser Tag verläuft – und deshalb ist gesunder Schlaf auch so wichtig. Das eigene »Bett nach Maß« klingt fast wie ein Traum – doch Leitermann Schlafkultur ist Spezialist auf diesem Gebiet und macht es möglich.
18.12.2018
Eine Mission im Team
Ein verschlossener Raum, ein kniffliges Rätsel und nur 60 Minuten Zeit, um es zu lösen und so wieder nach draußen zu gelangen: Willkommen bei Escape Rooms Exitpark in der Ortenau.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 45 Minuten
Demo für mehr Klimaschutz
In Offenburg wollen sich Schüler verschiedener Schulen zum Streik für den Klimaschutz treffen: Am Freitag soll die Aktion um 11 Uhr vor dem Rathaus starten – wie bundesweit in fast 50 Städten. Die Schulleiter der betroffenen Schulen drohen den Teilnehmern derweil mit erzieherischen Maßnahmen.
Symbolbild
vor 3 Stunden
Bildungsangebot
Mit drei Info-Abenden möchten die Kaufmännischen Schulen Offenburg über ihre Bildungsangebote informieren. Die Möglichkeiten für Schüler sind vielfältig.
vor 10 Stunden
Schneesturz
In den höheren Lagen fallen derzeit Bäume um, weil sie die Schneelast nicht mehr tragen können. Das Landratsamt Ortenaukreis warnt vor dieser Gefahr. Ab 700 Meter über Normalnull ist mit Schäden zu rechnen.
vor 15 Stunden
45.000 Euro Schaden
Plötzlicher Graupelschauer hat am Montag auf der A5 bei Achern für gleich drei Unfälle innerhalb von weniger als zehn Minuten gesorgt. Verletzt wurde niemand, der Schaden liegt bei 45.000 Euro.
vor 15 Stunden
Umleitung durch Innenstadt
Das Regierungspräsidium Freiburg sperrt den Reutherbergtunnel Wolfach am Donnerstag, 24. Januar, ab 9 Uhr für vier Stunden halbseitig. Das kündigte die Behörde am Dienstag an.
vor 16 Stunden
Zwischen Offenburg und Ortenberg
Ein Ehepaar muss sich ab Freitag, dem 1. Februar, wegen Mordes vor dem Offenburger Landgericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, einen 43-Jährigen am Ortenberger Kreisel erschossen zu haben. Das Motiv soll Eifersucht gewesen sein. 
vor 20 Stunden
Ortenau
Für den schönsten Tag im Leben investieren Paare nicht nur Herzblut, sondern oftmals viel Geld für Klamotten, Essen, Musik und Dekorationsartikel. Bei einer sogenannten "Green Wedding" steht die nachhaltige Feier im Fokus. Doch wie sieht das konkret aus?
vor 21 Stunden
Immer mehr ausländische Besucher
Die Zahl der Übernachtungen im Schwarzwald im Allgemeinen und in der Ortenau im Besonderen ist auch 2018 wieder gestiegen. Landrat Frank  Scherer rechnet mit einem neuen Allzeitrekord.
Diese Hütte nahe des Funkturms auf der Hornisgrinde konnten seit Freitag zwölf Wintersportler nicht mehr verlassen. Doch genau für solche Fälle hat der Besitzer, der Akademische Skiclub Karlsruhe (ASCK), dort einen Lebensmittelvorrat angelegt.
vor 22 Stunden
Zwölfköpfige Gruppe aus Skihütte befreit
In einer Skihütte auf der Hornisgrinde saßen seit Freitag zwölf Wintersportler fest. Die Hütte auf Gemarkung Sasbachwalden nahe des SWR-Funkturms zu verlassen, wäre zu gefährlich gewesen. Erst am Montagnachmittag gelang zu Fuß die Abreise aus 1145 Metern Höhe. 
15.01.2019
Aktuelle Übersicht
Fast alle Zufahrtsstraßen zum Schwarzwald sind wieder offen und befahrbar, teilt das Landratsamt Ortenaukreis mit. Am Montagmorgen waren die meisten Zufahrtsstraßen aufgrund von Schneebruch noch gesperrt.
14.01.2019
Prozess-Ende
Ein Mann aus Lahr muss drei Jahre und sechs Monate in Haft, weil er sich der schweren Brandstiftung und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hat. Gestern wurde das Urteil vor dem Landgericht Offenburg gesprochen. 
14.01.2019
ICE von Freiburg nach Offenburg
Ein 35-Jähriger ist am Montagmorgen im ICE von Freiburg nach Offenburg unangenehm aufgefallen. Er war laut Polizei betrunken, hatte keinen Fahrschein, hat einen Mitreisenden bestohlen und die Beamten beleidigt. Ihn erwarten jetzt mehrere Anzeigen.