Serie „Wir sind systemrelevant“

„Obst ist lebensrelevant“

Brigitte Gass
Lesezeit 3 Minuten
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24. April 2020
Schnelligkeit ist Trumpf, wenn in den Hallen des Obstgroßmarkts Mittelbaden die leicht verderblichen Erdbeeren aus der Region angeliefert werden. Der OGM ist die zentrale Drehscheibe für das Ortenauer Obst.

(Bild 1/2) Schnelligkeit ist Trumpf, wenn in den Hallen des Obstgroßmarkts Mittelbaden die leicht verderblichen Erdbeeren aus der Region angeliefert werden. Der OGM ist die zentrale Drehscheibe für das Ortenauer Obst. ©OGM

Serie „Wir sind systemrelevant“ – Ortenauer Firmen, die in der Corona-Krise unverzichtbar sind. Teil 6: Der OGM Obstgroßmarkt Mittelbaden mit Sitz in Oberkirch.

Die berühmte Ruhe vor dem Sturm, die kennt Marcelino Expósito ganz genau. Mitte April war die Lage in den Kühl- und Weiterverarbeitungshallen des Obstgroßmarkts in Oberkirch sehr übersichtlich. „Was an Erdbeeren reinkommt, wird täglich auch umgeschlagen und überwiegend an den Großhandel verkauft“, beschreibt der Geschäftsführer der 1929 gegründeten Genossenschaft die Lage. Doch jetzt, da die Erdbeerernte in der Region Fahrt aufnimmt, herrscht in den OGM-Hallen emsige Betriebsamkeit. Die leicht verderblichen Früchtchen machen einen bedeutenden Teil der Obstmenge aus, die in Oberkirch umgeschlagen wird.

Insgesamt vertreibt der Obstgroßmarkt Mittelbaden das Obst von rund 1200 Genossenschaftsmitgliedern, insbesondere aus der Ortenau. Geliefert wird an den Lebensmitteleinzelhandel, Großmärkte und Obsthändler. Über 35 000 Tonnen Beeren, Stein- und Kernobst werden pro Jahr in Oberkirch und den Betriebs- und Sammelstellen in Achern, Bühl und Ortenberg angeliefert. In den riesigen Hallen in Oberkirch ist dann Tempo der entscheidende Faktor für die Frische der verderblichen Ware. Hier wird das Obst nach Qualitätsklassen sortiert, teils gewaschen, verpackt und mit Kühlfahrzeugen an die Kunden weiterverteilt. „Wir haben unsere Prozesse so optimiert, dass das Obst schon 24 Stunden nach der Ernte in den Geschäften präsentiert werden kann“, erklärt OGM-Geschäftsführer Expósito. Neben dem Vertrieb übernimmt der OGM für seine Genossen auch die Warenlagerung oder bietet eine Anbauberatung an.

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Viele Gedanken macht sich Marcelino Expósito im Moment über die Sicherheit seiner Mitarbeiter. Derzeit arbeitet eine Notbesetzung, doch wenn in wenigen Tagen wieder fast alle trotz Corona-Einschränkungen an ihren Posten arbeiten müssen, um die Versorgung der Bevölkerung mit Obst sicherzustellen, sind bis zu 115 Mitarbeiter tätig. „Wir achten darauf, dass die Abstandsregelung eingehalten werden kann, haben den Barverkauf eingestellt und informieren persönlich und mit Plakaten über die Hygieneregeln. Außerdem haben wir Mundschutzpflicht in allen Bereichen, in denen mit Ware gearbeitet wird“, erklärt Expósito, der derzeit mit seinem Team intensiv den Saisonstart vorbereitet und auch die Obstbauern mit Hygienehinweisen in verschiedenen Sprachen für die Erntehelfer unterstützt.

Das Thema Erntehelfer hat Marcelino Expósito in den letzten Wochen extrem beschäftigt. Lange war nicht klar, ob die Obstbauern in der Region mit ihren bewährten ausländischen Erntehelfern rechnen können und damit ihre Ernte überhaupt einbringen können. „Teilweise haben wir sogar Flüge für Erntehelfer organisiert, doch was morgens in Sachen Einreise rechtlich noch möglich war, hat sich bis zum Abend schon wieder verändert“, erzählt der Geschäftsführer über seine stressigen Aktionen, mit der die Mitglieder unterstützt werden sollten. Inzwischen ist klar, dass die ausländischen Erntehelfer unter strengen Auflagen einreisen dürfen.

Eine Aktion mit großer Resonanz ist die Internet-Plattform „ERNTERETTERortenau“, die der Obstgroßmarkt Mittelbaden ins Leben gerufen hat, um einheimische Erntehelfer zu gewinnen. „Es haben sich rund 600 Personen registriert, viele haben sich auch direkt bei den Betrieben gemeldet, um zu helfen“, freut sich Expósito über die positive Resonanz für seine Genossenschaftsmitglieder. Zudem seien viele Menschen dank der Aktion sensibler geworden für die Probleme der Bauern in der Region und die Bedeutung der Versorgung mit regional produzierten Lebensmitteln, so Marcelino Expósito, der die Produktion von Lebensmitteln gerne statt systemrelevant als „lebensrelevant“ bezeichnet.
 

Stichwort

Die Serie

Immer montags, mitwochs und freitags stellen wir in dieser Serie systemrelevante Unternehmen aus der Ortenau vor. In der Corona-Krise kommt ihnen eine besondere Bedeutung bei der Versorgung der Bevölkerung zu. Die Serie erscheint in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsregion Ortenau.

Info

Obstgroßmarkt Mittelbaden eG

◼ Geschäftsführer: 
    Marcelino Expósito 
◼ Branche: Obstlagerung und Logistik 
◼ Beschäftigte: 80 (115 in der Saison
◼ Gründungsjahr: 1929
◼ Standorte: Oberkirch (Hauptsitz), Achern, Bühl, Ortenberg

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