Ortenau / Legelshurst

Totschlagprozess: »Da habe ich geschrien und zugestochen«

Autor: 
Thomas Reizel
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04. August 2016
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In diesem Bereich des Legelshurster Walds wurde die Tote entdeckt. ©Ulrich Marx

Im Prozess um Totschlag im Legelshurster Wald hat gestern am Offenburger Landgericht ein Polizeibeamter das gegenüber ihm abgelegte Geständnis des Angeklagten vorgetragen. Weil sie sich von ihm wegen einem anderen Mann trennen wollte, habe er die Kontrolle verloren und sie erstochen.

Wie sehr der Prozess den Eltern der getöteten jungen Frau nahegeht, zeigte gestern das Verhalten des Vaters. Er hatte ein Bild von seiner Tochter aufgestellt, mit dem Gesicht zum Angeklagten. Verteidiger Peter Ockenfels aus Breisach intervenierte, und Heinz Walter, Vorsitzender Richter der 8. Großen Jugendkammer des Offenburger Landgerichts, bat den Vater, das Foto entsprechend zu drehen. »Es könnte als Provokation verstanden werden.« Bei den Eltern des Mädchens stieß das auf wenig Verständnis. Im mit etwa 50 Zuhörern voll besetzten Sitzungssaal 2 hatten gestern Kriminaltechniker und Kommissare das Wort. Vor allem einer berichtete über das Geständnis des jungen Mannes, das er bei der Polizei abgegeben hatte.

Vom Freund getrennt

Am Fastnachtsmontag, 8. Februar, habe sich die junge Frau von ihrem damaligen Freund getrennt. Trotzdem übernachteten beide noch zusammen und nahmen auch gemeinsam das Mittagessen ein.

Doch zuvor habe der junge Mann in einem unbeobachteten Moment das Handy seiner Freundin durchsucht und sei anhand von Kurznachrichten darauf gekommen, dass sie sich an jenem Dienstag in Achern mit einem anderen Mann treffen wollte. Ihm aber habe sie gesagt, dass sie nach Offenburg möchte, um eine Freundin zu besuchen.

In den Wald gefahren

Eigentlich hätte der Angeklagte an jenem Dienstag die Frau zum Appenweierer Bahnhof bringen sollen, doch er fuhr in entgegengesetzte Richtung – in den nur wenige Minuten entfernten Legelshurster Wald. »Dort sind beide ausgestiegen«, zitierte der Polizeibeamte aus dem Geständnis-Protokoll. Und weiter soll der Angeklage dem Beamten gesagt haben: »Sie wollte zu diesem Typen. Da habe ich geschrien und zugestochen. Ich weiß nicht wie oft, ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle.«

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Fassungslos sei er gewesen, dass ihn seine Freundin angelogen habe. Doch erst als die junge Frau am Boden lag, sei ihm bewusst geworden, was geschehen war. Die Anklage geht von 42 Stichen aus, überwiegend im oberen Rücken- und Halsbereich.

Blutspuren des Opfers

Wie berichtet, hatte ein Passant den Leichnam am Aschermittwochmorgen entdeckt und die Polizei verständigt. Die hat den jungen Mann zu Hause abgeholt und mit aufs Präsidium genommen. Das Messer, von dem bisher jede Spur fehlt, will der Angeklagte im Auto gehabt, allerdings nicht extra mitgenommen haben. Er habe öfter eines dabei, um sich zu schützen, soll er der Polizei gesagt haben. Die Beweislage scheint auch erdrückend, weil Kriminaltechniker unter anderem an Schuhen und Socken des Angeklagten Blutspuren des Opfers festgestellt hatten. Auch habe der Angeklagte die Polizisten an den Tatort in den Legelshurster Wald geführt.

Gutachen nicht erörtert

Der Angeklagte selbst äußerte sich auch gestern nicht zur Sache. Sein Verteidiger hatte am Rande des Verfahrens auf Anfrage der Mittelbadischen Presse gesagt, dass er für seinen Mandanten erst eine Erklärung abgeben wird, wenn das psychiatrische Gutachten erörtert wurde. Dafür sei die Zeit zu knapp gewesen, denn das Gutachten sei den Prozessbeteiligten erst am Dienstag zugegangen.

Zudem bleiben offenbar einige Fragen offen, etwa, weshalb das Paar trotz der Trennung noch zusammen übernachtet und tags darauf gemeinsam Mittag gegessen hat und sich die Frau von ihrem Ex zum Appenweierer Bahnhof und nicht etwa von ihren Eltern oder einer Freundin hatte fahren lassen wollen. Der Prozess am Offenburger Landgericht wird am Mittwoch, 10. August, 8.30 Uhr, fortgesetzt.

Hintergrund

Aus dem Strafgesetzbuch § 212 Totschlag

Der Gesetzgeber sieht für Erwachsene bei Totschlag einen Strafrahmen von fünf bis fünfzehn Jahren vor. Bei Heranwachsenden bis 21 Jahre kann ein Gericht das Jugendstrafrecht anwenden. Dann beträgt der Strafrahmen sechs Monate bis zehn Jahre Haftstrafe, erläuterte Heinz Walter, Vorsitzender Richter der 8. Großen Jugendkammer des Offenburger Landgerichts zum Prozessauftakt. Beim Urteil spielt auch eine Rolle, wie sich ein Angeklagter vor Gericht äußert und ob die Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit eingeschränkt war.

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