Ortenau

Offenburg: Obdachlose bekommt neues Gebiss

28. Dezember 2016
&copy Antonia Höft&copy Ulrich Marx

Die neuen Zähne sind da: Petra Kirchners (51) Weihnachtswunsch ist in Erfüllung gegangen. Die Bewohnerin des Offenburger St. Ursula-Heims hat von Zahnärztin Kirsten Holst einen künstlichen Zahnersatz bekommen.
 

Sie strahlt auf allen Bildern: Das neue Lächeln formt sich wie von selbst. »Es drückt zwar noch und schmerzt hin und wieder, aber die Prothese sieht wunderschön aus!«, sagte Petra Kirchner im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse und lacht wieder häufiger.

Ende November hatte Zahnärztin Kirsten Holst, die sich ehrenamtlich in der Offenburger Pflasterstube engagiert, einen Abdruck der Bewohnerin der Offenburger Obdachlosenunterkunft St. Ursulaheim genommen. Obwohl die Bewohnerin krankenversichert sei, konnte sie den Eigenanteil der Behandlung nicht aufbringen. Nur durch Spenden bekam sie  neue Zähne (wir berichteten).

Ganz neues Gefühl im Mund

Richtig kauen könne Kirchner allerdings noch nicht. »Es fällt mir noch etwas schwer, Süßigkeiten und andere Leckereien zu essen«, erzählt die 51-Jährige. Die Prothese sei noch nicht ganz perfekt auf sie zugeschnitten.»Ich denke, dass es relativ schwer ist, sich an die neuen Prothesen zu gewöhnen, da sie ja jahrelang keine hatte«, betont die ehrenamtliche Zahnärztin. »Der Mund ist jetzt erst einmal ganz schön voll. Sie muss das Sprechen und Essen mit der Prothese üben.«

Kontrolle vor Weihnachten

Damit Petra Kirchner an Weihnachten ihr Festschmaus auch ohen Probleme genießen konnte, kam Holst noch einmal in der Pflasterstube vorbei und verpasste den Prothesen einen Feinschliff. Der Plan der Zahnärztin war Ende November noch ein anderer: Zunächst wollte sie nur die obere Prothese anbringen. Im Januar sollte der untere Teil folgen. »Sie hat jetzt doch schon beide Prothesen bekommen«, sagte  Holst und freute sich, Kirchner damit überrascht zu haben.

Die noch praktizierende Zahnärztin aus Bühl möchte auch beim »Pflaster­mobil«, das durch »Leser helfen« bereits finanziert ist, Obdachlose mit Zahnproblemen behandeln. Sie verfügt über eine mobile Station mit Bohrer und Absaug­einrichtungen. »Ich komme mir vor, wie ein zweijähirges Kind, das gerade erst lernt, wie man richtig isst«, scherzt die St.Ursulaheim-Bewohnerin Petra Kircher. Das Weihnachtsfest mochte sie sich allerdings durch Schmerzen nicht vermiesen. »Wenn es dann doch drückt, kann ich die Prothese ja rausmachen. Ich muss mich eben erst dran gewöhnen.«

Hintergrund

Alle drei Fahrzeuge finanziert

Die »Leser helfen«-Aktion der Mittelbadischen Presse hat für drei Projekte um 130 000 Euro Spenden gebeten. Ein Mannschaftsbus für das Offenburger Jugendrotkreuz ist bereits vor Weihnachten übergeben worden. Finanziert sind auch ein Kombi für den DRK-Kreisverband Kehl, mit dem mindestens vier Rollstuhlfahrer gleichzeitig befördert werden können, sowie das »Pflastermobil«, in dem Obdachlose medizinisch und sozial betreut werden können.

Autor:
Antonia Höft

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