Marie-Antoinette Armbruster
Dossier: 

Oppenauer Friseursalon: Wie eine Zeitreise in die 1960er-Jahre

Autor: 
Katharina Reich
Lesezeit 5 Minuten
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14. Januar 2021

(Bild 1/3) Zartes Rosa ist die beherrschende Farbe im Damenfriseursalon von Marie-Antoinette Armbruster in Oppenau. Die Ausstattung stammt original aus den 1960er-Jahren. Die 72-Jährige blickt auf mehr als 50 Berufsjahre als Friseurin zurück, zum ­Januar ist sie in den Ruhestand eingetreten. Den Salon erhält sie so, wie er ist. ©Iris Rothe

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (30): Marie-Antoinette Armbruster. Die 72-jährige Oppenauerin führte bis Ende 2020 jahrzehntelang einen Friseursalon mit Original-Ausstattung aus den 1960er-Jahren.
 

Im Friseursalon von Marie-Antoinette Armbruster fielen einst viele Zöpfe. Den Damensalon in Oppenau gab es bereits seit den 1960er-Jahren. Bis zuletzt war er in der Originaleinrichtung erhalten und ein echtes Nostalgie-Schmuckstück. Nach über 50 Jahren mit Kamm und Schere ist Marie-Antoinette Armbruster vor zwei Wochen zum Januar in den Ruhestand gegangen. Den  Salon erhält sie aber weiterhin so, wie er ist.

Zartes Rosa ist die vorherrschende Farbe

Zartes Rosa ist die dominierende Farbe im Damensalon Armbruster im Oppenauer Inselweg. Rosa sind die geschwungenen Waschbecken, rosa ist der Empfang und rosa der filigrane Raumteiler mit Schaukasten aus Glas. Hinter den Spiegeln in organischer Form ziert jeweils eine Resopalplatte die Wand, von der sich in feinen, blauen Strichen stilisierte Wiesenblumen abheben. Ein Besuch im Damensalon Armbruster ist wie eine Zeitreise. Eine Reise in die 1960er-Jahre.

Schwarzwälder Wertarbeit

In Zeiten, in denen die „Sixties“ als „Retro“ wieder in Mode sind, findet man im Oppenauer Damensalon noch das Original. Eine Besonderheit dabei sind die Waschbecken. Ist man es in einem modernen Salon gewohnt, sich beim Haarewaschen mehr oder weniger bequem nach hinten zu lehnen, wurden die Haare bei Marie-Antoinette Armbruster nach vorne gewaschen. Die Kundin erhielt ein kleines Handtuch für die Augen und ließ sich den Kopf nach vorne gebeugt über dem Waschbecken waschen. Ein weiterer Blickfang im Salon ist die Trockenhaube der Marke Kadus. Sie stammt wie Waschbecken und Einrichtung aus der Zeit Anfang der 1960er-Jahre – und funktioniert bis heute einwandfrei. Schwarzwälder Wertarbeit also, denn Kadus war die Marke der Lenzkircher Firma Kadabell, die bis Anfang des Jahrtausends im Hochschwarzwald ihren Sitz hatte.

1967 in den Oppenauer Friseursalon eingestiegen

Der Friseursalon Armbruster wurde bereits in den 1930er-Jahren gegründet. Der Schwiegervater von Marie-Antoinette Armbruster machte sich damals mit einem reinen Herrensalon selbstständig. Anfang der 1960er-Jahre kam der Damensalon mit der Einrichtung, die bis heute besteht, dazu. Marinette Armbruster, wie sie von allen genannt wird, trat nach der Hochzeit mit ihrem Mann 1967 in den Friseursalon ein.

Die gebürtige Straßburgerin hatte in ihrer Heimatstadt den Beruf der Damenfriseurin gelernt und anschließend in einem Kehler Salon gearbeitet, bevor sie ihr Mann „auf Lebenszeit eingestellt hat“. Oppenau war der Elsässerin aber nicht fremd, denn ihr Vater stammte ursprünglich aus Ramsbach. „Trotzdem hatte ich anfangs Heimweh“, erinnert sich die 72-Jährige. Der Umzug von der elsässischen Metropole ins beschauliche Oppenau war eine große Umstellung. Auch was die Mode der Frisuren anging, war Oppenau sicherlich nicht mit Straßburg zu vergleichen. Die Französinnen sind schließlich heute noch für ihren besonderen Chic bekannt. „Der Lippenstift war bei den französischen Frauen weiter verbreitet als in Oppenau“, schmunzelt Marinette Armbruster. Und ein Friseurbesuch sei für die Französinnen eine Selbstverständlichkeit gewesen. 

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Tracht verlor an Bedeutung

Die 1960er-Jahre, das war die Zeit des kinnlangen Bobs und der Außenwelle, die Zeit der Hochsteckfrisuren und der Pilzköpfe, wie man sie von den Beatles kannte. „In Oppenau trugen viele Frauen zu der Zeit noch Zöpfe“, erinnert sich Marinette Armbruster. Weil die Tracht aber an Bedeutung verlor, fielen diese Zöpfe nach und nach – auch im Salon Armbruster. „Den Kundinnen die Zöpfe abzuschneiden, war immer ein besonderer Moment. Da war ich oft zögerlich“, erzählt die Wahl-Oppenauerin. 

„Wir hatten es lustig“

Viele Frisurenmoden hat der Salon Armbruster in den vergangenen 50 Jahren kommen und gehen sehen. Föhnwelle oder androgyne Kurzhaarschnitte in den 1970ern, Vokuhila und toupierte Haare in den 1980ern. Manche Kundinnen hat Marinette Armbruster von ihrem Beginn in Oppenau bis heute begleitet. Sie erinnert sich gerne an die Zeiten, als ein Friseurbesuch noch spontan und ohne Termin stattfand. Dann saßen oft mehrere Frauen im Salon und haben gewartet, bis sie dran waren. „Da war oft eine gute Stimmung im Salon und wir hatten es lustig“, berichtet sie. So manches Mal wurde sie von ihren Kundinnen als gute Zuhörerin geschätzt, wenn es ihnen mal nicht so gut ging. Denn die Frauen wussten, dass das Erzählte den Salon nicht verlassen würde. 

Früher hat sie sich modernere Ausstattung gewünscht

Dass ihr Friseursalon mit der Einrichtung aus den 1960er-Jahren etwas Besonderes ist, ist Marinette Armbruster erst in den letzten Jahren bewusst geworden. Für sie war der Salon ja täglicher Arbeitsort und daher „normal“. Früher habe sie sich auch mal etwas Moderneres gewünscht, doch der kleine Raum habe nicht viele Möglichkeiten gelassen. Heute ist es etwas Besonderes, dass die Einrichtung noch Bestand hat – und das in einem so guten Zustand. Eigentlich wollte die 72-Jährige bereits vor zwei Jahren in den Ruhestand gehen, aber irgendwie hat sie den Absprung nicht geschafft.

Salon wird erhalten, wie er ist

Inzwischen fällt ihr körperlich anstrengende Haltung zunehmend schwer, weshalb sie nun entschieden hat, Kamm und Schere aus der Hand zu geben. „Ich wollte nie etwas anderes machen“, blickt sie auf mehr als 50 Jahre Friseurtätigkeit zurück. Den Salon wird sie so erhalten wie er ist. Vielleicht öffnet sie ihn ab und zu für eine nostalgische Reise in die 1960er-Jahre.

Zur Person

Marie-Antoinette Armbruster

Marie-Antoinette Armbruster ist in Straßburg geboren und aufgewachsen. Sie hat dort ihre Ausbildung zur Damenfriseurin gemacht und anschließend in einem Kehler Salon gearbeitet. Nach der Heirat hat sie mit ihrem Ehemann den Salon Armbruster in Oppenau geführt. Nach dessen Tod 2008 arbeitete sie alleine weiter. Die 72-Jährige hat zwei Söhne und fünf Enkel.

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