Ortenau

Diskussion: Wie es mit den Ortenau-Kliniken weitergeht

Autor: 
Marc Mudrak und Jens Sikeler
Lesezeit 3 Minuten
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12. Mai 2017
Das Ortenau-Klinikum in Offenburg gehört zu den Standorten des Verbunds, die nicht um ihre Zukunft fürchten müssen.

Das Ortenau-Klinikum in Offenburg gehört zu den Standorten des Verbunds, die nicht um ihre Zukunft fürchten müssen. ©Peter Heck

Der Start der Diskussion um die Zukunft der Kliniklandschaft in der Ortenau ist vertagt. Der Krankenhausausschuss hat zwar am Mittwoch getagt. Die für gestern, Donnerstag, angekündigte Pressekonferenz sagte das Ortenau-Klinikum allerdings wieder ab. Offensichtlich besteht noch Diskussionsbedarf. 

Die Gerüchteküche ist schon längst am Brodeln. Neun Millionen Euro betrugen die Verluste des Ortenau-Klinikums im Jahr 2015. Viele Beobachter gehen davon aus, dass das Klinikum deshalb Standorte zusammenschließen oder gar ganz schließen wird. 

Um solche Fragen wird es auch bei der Sitzung des Krankenhausausschusses gehen.  Klinikum-Sprecher Christian Eggersglüß sprach in seiner Pressemitteilung von einer Agenda 2030. Ihr Ziel sei die Sicherung einer flächendeckenden, qualitativ hochwertigen Patientenversorgung. 

Klinikumsgeschäftsführer Christian Keller habe bei der Ausschusssitzung mit einer externen Krankenhausberatungsgesellschaft die ökonomischen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Herausforderungen einer strukturellen Weiterentwicklung des Klinikverbundes dargestellt, schrieb Eggersglüß. 

Keine Stellungsnahme

Beim Klinikum und beim Landkreis will man offensichtlich um jeden Preis verhindern, dass von der Diskussion etwas nach draußen dringt. Christian Eggersglüß jedenfalls wollte auf Anfrage der Mittelbadischen Presse nicht mal bestätigen, dass es sich bei der in einer Pressemitteilung erwähnten Klinikberatungsgesellschaft um die CMK Krankenhausberatungsgesellschaft in Mannheim handelt. Das übernahm dann eine Mitarbeiterin des Unternehmens.

Auch Landrat Frank Scherer wollte sich nicht äußern. Wie die Mittelbadische Presse erfuhr, waren auch die Kreisräte aufgefordert worden, Stillschweigen zu bewahren.Die Teilnehmer äußerten sich jedenfalls nur vorsichtig über den Verlauf der Sitzung.

Aus Zeitgründen abgebrochen

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Thomas Kohler, Sprecher der Freien Wähler im Krankenhausausschuss, sagte, die Sitzung sei aus Zeitgründen abgebrochen worden. »Zur eigentlichen Diskussion sind wir gar nicht gekommen. Wir waren bei Teil eins, der Bestandsaufnahme. Teil zwei, die Handlungsoptionen, wurden noch gar nicht begonnen.«
 
Dass die Pressekonferenz von Landrat Frank Scherer und Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller gestern abgesagt wurde, wusste Kohler nicht, er zeigte sich aber nicht überrascht: »Es hätte nichts mitgeteilt werden können.« Zu Details wollte der Kreisrat sich nicht äußern. Nur so viel: »Die Zahlen liegen auf dem Tisch, aber sie sind interpretationsbedürftig.«

»Schlampig gearbeitet«?

In diesem Punkt widersprach Jürgen Mohrbacher, Grünen-Sprecher im Ausschuss. »Die Gutachter haben ein bisschen schlampig gearbeitet, bestimmte Sachen waren nicht nachvollziehbar.« Insgesamt habe er den Eindruck, dass gerade wieder eine »neue Sau durchs Dorf« getrieben werden solle, das heißt: große Zentralkrankenhäuser.

Gegen diese sprach sich Mohrbacher aus. »Wir sind ein Flächenkreis und müssen verschiedene Krankenhäuser behalten, damit jeder Bürger innerhalb von 30 Minuten eines erreichen kann.« Dennoch glaubt Mohrbacher nicht, dass man alle Häuser halten könne. Welche Standorte das Nachsehen haben würden, dazu wollte er allerdings nichts sagen.

Erhalt aller Standorte

Kritik an den Gutachtern übte auch Karlheinz Bayer, der für die FDP in dem Ausschuss sitzt. Er fand ihre Arbeit »sehr einseitig und sehr oberflächlich«. Sie sei fehlerhaft und unvollständig. Was genau ihn störte, wollte er allerdings nicht verraten. Er plädierte dafür, bei der Diskussion die Zukunft der Kliniklandschaft in den Mittelpunkt zu stellen. Die neun Millionen Euro seien da ein relativ kleiner Betrag. »Jede Schließung käme teurer«, ist er überzeugt.  

Der Acherner Oberbürgermeister Klaus Muttach (CDU) räumte immerhin ein, »dass es die theoretische Möglichkeit gibt, dass eine der Kliniken geschlossen werden muss«. Er hoffe aber auf den Erhalt aller Standorte. Kreisrat Christoph Jopen von der SPD wollte sich zu der Sitzung überhaupt nicht äußern. Lukas Oßwald von den Linken hingegen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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