Ortenau

Ortenau: Zwei weitere ehrenamtliche Ärzte für Obdachlose

Autor: 
Antonia Höft
Lesezeit 3 Minuten
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30. Dezember 2016

Heinrich Vogel, Arzt im Ruhestand aus Offenburg im Ruhestand, war der erste, der ehrenamtlich Obdachlosen im Ortenaukreis behandelt. Jetzt hat er zwei Mitstreiter. ©Ulrich Marx

Die »Leser helfen«-Aktion der Mittelbadischen Presse zieht auch ohne Spendengelder weite Kreise. Gab es mit Heinrich Vogel aus Offenburg den ersten Arzt im Ruhestand, der ehrenamtlich Obdachlose versorgt, haben sich zwei weitere gemeldet. Damit rollt das Pflastermobil auf breiterer Basis.
 

Engagiert im Ruhestand: Rudolf Aymanns (70) aus Kehl-Auenheim und Rudolf John (68) aus Lahr wollen im sogenannten Pflastermobil, das durch die Spendenaktion der Mittelbadischen Presse finanziert worden ist, Menschen auf der Straße medizinisch versorgen. Wie viele Obdachlose im Ortenaukreis leben, weiß keiner so genau. Was jedoch die Mitarbeiter des »Café Löffel« in Lahr und des St.-Ursula-Heims in Offenburg wissen: Menschen, die auf der Straße leben, meiden oft Krankenhäuser und Arztbesuche, und versuchen, sich mit Wunden und Krankheiten so gut es geht durch den Alltag zu schlagen. 

Durch »Leser helfen«, der Spendenaktion der Mittelbadischen Presse, sollen Obdachlose besser erreicht und medizinisch wie sozial betreut werden.
Zwei Ärzte aus der Ortenau wollen sich in ihrem Ruhestand in dem »Medimobil« engagieren. »Ich habe als praktizierender Arzt auch Obdachlose behandelt«, erzählt Rudolf John und weiß, dass die Menschen nicht gerne unter anderen sind. Der 68-jähriger Arzt aus Lahr ist seit zwei Jahren im Ruhestand. Kein Grund für ihn, um sein Fachwissen nicht ehrenamtlich einzusetzen. »Der Bedarf ist notwendig«, ist der Lahrer, der 34 Jahre praktiziert hat, überzeugt.

Zahlreiche Krankheiten

Krankheiten wie Diabetes, hoher Blutdruck durch Alkoholkonsum, Durchblutungsstörungen durch Nikotin oder Wunden an Armen und Beinen – mit diesen Beschwerden rechne John vermehrt bei der Sprechstunde im Pflaster­mobil. Dem Lahrer sei wichtig, auch politisch ein Zeichen zu setzen. »Wir sind da und schauen nicht weg!« Klar sei dabei aber, wenn ein Obdachloser eine größere Behandlung brauche, sei er nur ein Wegweiser, um die Hemmschwelle gering zu halten und die Menschen zu beraten. Das Pfastermobil soll laut John im besten Fall einmal die Woche beim »Café Löffel« in Lahr stehen. 

Rudolf Aymanns aus Kehl-Auenheim zögerte auch nicht lange und möchte im Pflaster-mobil seine Hilfe anbieten. Der 70-Jährige ist ebenfalls Arzt im Ruhestand. Der Auenheimer engagiert sich seit 1989 für Menschen, für die »zum Arzt gehen« ein teurer Spaß ist.

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»Menschen erreichen«

Ob in Bangladesch oder auf den Philippinen – mit der »Rolling Clinic« (»Rollenden Klinik«) war er für die Hilfsorganisation »German Doctors« schon in Ländern der Dritten Welt unterwegs. »Das waren klapprige Gelände­wagen«, erzählt er und weiß dennoch, dass das Wichtigste war, die Menschen zu erreichen – so wie nun die Obdachlosen in der Ortenau.

»Die Menschen haben eine enorme Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen, selbst wenn sie krankenversichert sind«, berichtete Aymanns. Das Wartezimmer werde bewusst gemieden. Das Stigma des Außenseiters sei dort durch abfällige Blicke besonders präsent. Mithilfe des Pflastermobils könnten Krankheiten rechtzeitig behandelt werden. »Wir drehen den Spieß einfach um:  Ärzte kommen zu den Patienten.«

Viel Fingerspitzengefühl erforderlich

Der 70-Jährige ist sich aber bewusst, dass die Arbeit viel Fingerspitzengefühl erfordert. Schmierige Wunden, die auf den Mangel an Sauberkeit zurückzuführen seien, könnten nicht mit der plumpen Frage »Warum hast du dich nicht genug gewaschen?« angegangen werden. Hygiene ist laut Aymanns ein wichtiger Faktor, um Obdachlose vor Schlimmerem zu bewahren, aber der Ton mache die Musik. Schließlich gehe es darum, Obdachlose, die zwar ein Recht auf Behandlung haben, es aber nicht wahrnehmen, Schritt für Schritt entgegenzukommen.

Übrigens: Der Spendenzähler hat 151.127 Euro erreicht. Damit sind drei Fahrzeuge für das Offenburger Jugendrotkreuz (neunsitziger Mannschaftsbus), das Pflastermobil für Obdachlose (50.000 Euro) und für den DRK-Kreisverband Kehl (Bus, um vier Rollstuhlfahrer gleichzeitig befördern zu können) mehr als finanziert. Der Überschuss wird zu gleichen Teilen an die drei Organisationen verteilt (wir berichteten).

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