Ortenau

Ortenauer Bergsteiger starben vermutlich an Unterkühlung

Autor: 
Marc Mudrak und Jens Sikeler
Lesezeit 3 Minuten
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11. August 2017
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Auf dem zum Gipfel des Montblanc du Tacul (links) in den französischen Alpen haben zwei Brüder aus dem Raum Lahr am Dienstag ihr Leben verloren. Sie wurden von einem Unwetter überrascht und vom Schnee blockiert.

©dpa

Zwei etwa 40 Jahre alte Männer aus dem Raum Lahr sind bei der Besteigung des Montblanc du Tacul in den französischen Alpen tödlich verunglückt. Die Hochgebirgs-Gendarmerie in Chamonix fand die Leichen am Mittwochmorgen. Die Männer wurden wahrscheinlich Opfer eines Wetterumschwungs.

Das Unglück in den französischen Alpen, bei dem die beiden um die 40 Jahre alten Männer ihr Leben verloren, hat sich am Dienstag ereignet. Das sagte gestern ein Hauptmann der in Chamonix (Département Hochsavoyen) stationierten Hochgebirgs-Gendarmerie PGHM im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse. Dass die beiden Bergsteiger aus dem Raum Lahr stammen, bestätigte das Polizeipräsidium Offenburg auf Anfrage von Hitradio Ohr.
Die Männer brachen am Montag bei gutem Wetter auf, um den Montblanc du Tacul (4250 Meter) zu besteigen, sagte der PGHM-Hauptmann weiter. Für den Aufstieg wählten sie demnach die als schwierig geltende Route über den sogenannten Teufelsgrat. »Am Dienstag schlug das Wetter um. Davon wurden die Bergesteiger wahrscheinlich überrascht.« Sie seien vom Schnee blockiert worden. Die Sicht sei sehr schlecht gewesen, außerdem stürmte der Wind mit rund 120 Stundenkilometer.

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Tod durch Unterkühlung
»Normalerweise versucht man in solchen Situationen, irgendwo Schutz zu finden«, sagte der Hauptmann. »Aber das war den beiden Männern nicht möglich, denn auf dieser Höhe gibt es keine Zufluchtsmöglichkeit.« So seien sie wahrscheinlich an Unterkühlung gestorben, allerdings stehe die Todesursache noch nicht abschließend fest. Ob sie die Witterungsverhältnisse unterschätz hatten, sei nicht klar. Laut dem Hauptmann laufe in Frankreich derzeit eine Untersuchung des Vorfalls.
Angehörige hätten die Hochgebirgs-Gendarmerie am Dienstagabend alarmiert, nachdem sie von den Männern längere Zeit nichts mehr gehört hatten. »Noch am Abend begannen wir mit der Suche nach den Vermissten mit einem Helikopter. Der Einsatz musste wegen der schwierigen Witterungsbedingungen aber abgebrochen werden«, erläuterte der Hauptmann. »Am Mittwochmorgen setzten wir die Suche mit dem Helikopter fort. Dann fanden wir die Männer, sie waren tot, teilweise mit Schnee bedeckt.« Rettungskräfte bargen die Verunglückten und brachten sie anschließend mit dem Helikopter ins Tal, erklärte der Hauptmann. Im Montblanc-Massiv komme es jedes Jahr zu tödlichen Unfällen.

Sie waren Brüder
Vom Deutschen Alpenverein (DAV) Lahr hieß es, dass die beiden Verunglückten Brüder waren. Sie galten als erfahrene Bergsteiger. Einer der Männer war ausgebildeter Bergführer, der auch in diesem Jahr schon Touren im Montblanc-Massiv erfolgreich absolviert habe. »Bei uns herrscht Bestürzung«, sagte Norbert Klein, Vorsitzender des Lahrer DAV. Seine Gedanken seien bei der Familien der Opfer. Eine Kriseninterventionsteam begleitete die Angehörigen nach Chamonix.  

Hintergrund

Deshalb nützt die beste Ausrüstung manchmal nichts

Walter Knosp ist Ausbildungsreferent bei der Sektion Offenburg des Deutschen Alpenvereins und erfahrener Bergsteiger. »Man kann trotz einer guten Vorbereitung von einem Wetterumschwung überrascht werden«, erläutert er. Ein Zelt, um sich vor Sturm und Schnee zu schützen, trügen Bergsteiger normalerweise nicht bei sich. Zur Standardausrüstung gehöre aber ein sogenannter Biwaksack. Der sei wind- und wasserdicht. Das Problem: Vor Kälte schützt er laut Knosp nicht.
Man könne bei Schneefall auch eine Schneehöhle graben und sich so schützen, sagt Knosp. Dafür brauche man aber eine Lawinenschaufel. Die gehöre im Sommer aber nicht zur Standardausrüstung, erläutert der Experte. »Der beste Schutz ist es, das Wetter langfristig zu beobachten«, sagt Knosp. Außerdem gebe es Höhenmesser mit eingebautem Barometer. Dieses könne Hinweise auf einen Wetterumschwung geben. Völlige Sicherheit gebe es aber nicht.

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