Warnung: Finger weg von toten Nagern

Ortenauer Jäger wegen Karlsruher Hasenpest in Lauerstellung

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 3 Minuten
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12. April 2019

©dpa - Patrick Pleul

Obwohl im Raum Karlsruhe die Hasenpest grassiert, bleiben die Jäger in der Ortenau gelassen: Sie sind informiert - mehr kann man nicht tun. Spaziergänger allerdings sollten die Finger von Toten Hasen und Nagern lassen.

»Es kann immer wieder mal einen Fall geben, aber aktuell sind wir nicht betroffen«, gibt Georg Schilli, von der Jägervereinigung Offenburg, Entwarnung. Im Ortenaukreis gibt es seiner Aussage nach derzeit keine Fälle von Hasenpest, im Fachbegriff Tularämie. »Allerdings halten wir die Ohren und Augen offen«, sagt er. Falls er oder andere Waidmänner bei diesem Monitoring einen Kadaver von Feldhasen finden, werden sie ihn untersuchen lassen.

Hoch ansteckend

Da die Hasenpest auch für andere Arten – inklusive Menschen – hoch ansteckend ist, gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen. Stößt ein Jäger auf einen toten Hasen, zieht er Gummihandschuhe an und bugsiert das tote Tier in einen Plastiksack. Gut verschlossen wird dieser dann der Tieruntersuchungsanstalt in Freiburg übergeben. Falls Spaziergänge einen verendeten Hasen finden, rät Schilli: »Finger weg!« Nur wenige Keime genügen, und auch der Mensch kann erkranken. Besser sei es, dem Jagdpächter Bescheid zu geben. Dieser würde sich dann darum kümmern, dass der Hase untersucht wird. Doch auch wenn dort eine Erkrankung festgestellt würde, könnten die Jäger nichts tun. »Die Hasen haben noch bis September Schonzeit«, so Schilli.

Müll als Problem

Er glaubt allerdings nicht, dass die meldepflichtige Erkrankung die Ortenau erreichen wird. Zumindest nicht über die Hasen. »Wenn sich Krankheiten rasant ausbreiten, dann durch unsere mobile Gesellschaft«,sagt er. So breite sich auch die afrikanische Schweinepest in der Hauptsache durch Wurst- und Fleischreste aus, die etwa an den Raststätten zurückgelassen würden. »Im Prinzip müsste der Müll täglich entsorgt werden«, sagt der Kreisjägermeister, der die Mobilität auch als Infektionskette für Tollwutfälle sieht.

Obwohl die Tularämie als hochansteckend gilt, schreibt Schilli dem allgemeinen Gesundheitszustand der Tiere einen großen Einfluss zu: Ist der stabil, hat die Hasenpest deutlich weniger Chancen. Einige Faktoren spielen den Hasen derzeit in die Karten. Zum einen mache die Kälte den Tieren nichts aus. Zu viel Nässen könne sie schwächen. Aber da es keine längere Regenperioden gab, gehe es den Tieren ganz gut. Auch Überpopulationen gebe es nach wie vor keine, die Stress auslösen könnten. »Die Bestände sind niedrig, aber stabil«, zitiert er aus dem aktuellen Jagd- und Wildtierschutzbericht, der im dreijährigen Turnus erscheint.

Impfungen

Vor einigen Tagen war es soweit: Impfungen gegen Hasenpest scheinen nur in den USA und den GUS zugelassen zu sein. Schilli erklärte, dass er sich mit dem Thema nicht näher beschäftigt habe. »Aber mit welchem Köder könnte man denn die Hasen erreichen«, fragt er sich. Die würden sich ihr Essen in Mini-Portiönchen zusammensuchen. »Man spricht nicht umsonst von der Hasenapotheke mit ihren 35 Kräutern«, sagt er. Diese Vielfalt allerdings nehme ab. Die Landwirtschaft – aktuell geprägt durch großflächige Monokulturen – biete den Hasen kaum Verstecke. Schilli: »Deshalb zieht er sich immer mehr in die Wälder zurück.«

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