"Leser helfen"-Porträt

Pauline Litterst: Über Nacht änderte sich alles

Autor: 
Thomas Reizel
Lesezeit 3 Minuten
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03. November 2014
Stehen fest zusammen (von links): Eberhard Grösser mit Pauline Litterst und ihrer Schwester Emelie sowie Mutter Elke Grösser-Litterst.

Stehen fest zusammen (von links): Eberhard Grösser mit Pauline Litterst und ihrer Schwester Emelie sowie Mutter Elke Grösser-Litterst. ©Ulrich Marx

Pauline Litterst ist ein aufgewecktes Mädchen. Doch die Nieren der 15-Jährigen funktionieren nicht so, wie sie sollten. Kindern und Jugendlichen wie Pauline gilt die »Leser-helfen«-Aktion der Mittelbadischen Presse.

Wer Pauline Litterst sieht, kommt nicht auf den Gedanken, dass das Mädchen ständig Medikamente nehmen und regelmäßig zur Untersuchung an die Uni-Kinderklinik Freiburg muss. Die 15-Jährige ist hübsch, geht in die 10. Klasse an der Realschule in Neuried-Ichenheim, hat Freundinnen und Freunde und kommt mit ihrer Schwester Emelie (13) supergut aus. Doch Pauline ist nierenkrank.

Rückblende: »Pauline war pumperlgesund, sie ging ganz normal ins Bett«, erinnert sich Elke Grösser-Litterst gut zehn Jahre zurück. Doch über Nacht änderte sich das. »Sie war am Morgen total verschwollen«, erzählt die Mutter. Sie stellte ihre Tochter dem Kinderarzt vor, und der war alarmiert. Das Kind müsse sofort in die Uni-Klinik nach Freiburg.

Nach Freiburg? »Wir haben doch in Offenburg auch ein Krankenhaus«, hakte die Mutter nach. Der Kinderarzt ließ nicht locker. Noch in der Nacht fuhr Elke Grösser-Litterst aus Neuried-Altenheim los. »In kürzester Zeit hatte sie von 15 auf 22 Kilo zugenommen«, ergänzte Eberhard Grösser. In Freiburg wurde schnell klar: Pauline muss auf Station.

»Nephrotisches Syndrom«
Es begann ein medizinischer Marathon, dann die Diagnose »nephrotisches Syndrom«. Paulines Nieren filtern nicht mehr richtig, Eiweiß kommt nicht ins Blut, sie verliert es über den Urin. Es folgten Blutabnahmen, eine Art Chemotherapie, Reduktion des Immunsystems, ungezählte Kortison-Infusionen.

Das Wichtigste aber war: Paulines Gewichtszunahme lag nicht am Fett, sondern am Wasser im Körper. Das musste raus. »Deshalb durfte sie nicht mehr als 400 Milliliter am Tag trinken. Jedes Stückchen Obst musste angerechnet werden, jedes Mal Kontrollen, wie viel Flüssigkeit sie über den Urin ausscheidet«, sagte Elke Grösser-Litterst.

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Unendliche Sorgen
Pauline quälte Durst, sie bekam Eiswürfel zum Lutschen: »Die Ärzte haben uns wenig Hoffnung gemacht. Sie sagten: ›Unternehmen Sie alles mit Ihrer Tochter, was in einem Jahr möglich ist.‹« Jedes Jahr habe die Familie anfangs gezählt, sich bei jedem Husten oder Fieber unendliche Sorgen gemacht.

Heute, gut zehn Jahre später, ist Pauline 15. »Ich gehe mit meiner Krankheit ganz normal um«, sagt sie und lächelt. Dass ihr Zustand stabil ist, gibt der Familie Trost. »Und wir haben die große Hoffnung, dass Pauline über Nacht wieder so gesund wird, so wie sie damals über Nacht krank geworden ist«, ergänzt Eberhard Grösser.

Für die 44-jährige Mutter war Paulines Krankheit Anlass, sich im Förderverein »Hilfe für nierenkranke Kinder und Jugendliche« zu engagieren und den Vorsitz zu übernehmen.

Auch dass sich Elke Grösser-Litterst ein mobiles Ultraschallgerät wünscht, hat einen Grund: »Nach der Nierenbiopsie hatte Pauline zur Wundkompression einen sehr schweren Sandsack auf der Einstichstelle. Damit musste sie zum stationären Ultraschall gebracht werden.«

Mobiles Ultraschallgerät
An der Situation hat sich bis heute nichts geändert. Rund 300 Kinder aus der Ortenau müssen wie Pauline regelmäßig zum Ultraschall, über endlos lange Gänge geschoben werden. Einige Patienten werden nach stundenlangem Warten sogar weggeschickt und müssen Tage später wiederkommen, weil die Kapazität nicht ausreicht. 80 000 Euro würde ein mobiles Ultraschallgerät kosten, doch die »Kostenträger« finanzieren es angesichts der Sparzwänge im Gesundheitswesen nicht. Deshalb bittet »Leser helfen« um Spenden.

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