Ortenau

Pia Binninger lernt im CJD auch das Abwägen

Autor: 
Thomas Reizel
Lesezeit 3 Minuten
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14. November 2015

Pia Binninger (Mitte) ist Auszubildende im Christlichen Jugenddorf. Sie freut sich über die Betreuung von Diplom-Psychologin Claudia Buchholz (links) und Heilpädagogin Monika Kuppke. Sie helfen ihr, den Alltag zu bewältigen. ©Christoph Breithaupt

Im Christlichen Jugenddorf in Offenburg werden derzeit rund 500 junge Menschen mit Handicaps entweder auf das Berufsleben vorbereitet oder ausgebildet. Einige benötigen heilpädagogische und psychologische Unterstützung.

Offenburg. Pia Binninger sitzt im Dienstzimmer von Heilpädagogin Monika Kuppke. Gemeinsam mit Diplom-Psychologin Claudia Buchholz arbeitet die 19-jährige Auszubildende im Christlichen Jugenddorf unter anderem daran, leichter Entscheidungen zu treffen. Zum Beispiel wenn es um die Verbesserung ihrer Gesundheit geht. Vor ihr auf dem Tisch liegen Murmeln und zwei leere Schälchen, die eine mit »Ja«, die andere mit »Nein« beschriftet.

Nach und nach benennt Pia wichtige Punkte, die für oder gegen ihre Idee sprechen. Für jedes Argument kommt eine Murmel entweder ins Ja- oder ins Nein-Schälchen. »Am Ende sieht Pia, in welchem Schälchen mehr Murmeln liegen und kann eine wohlüberlegte Entscheidung treffen«, erläutert Claudia Buchholz. »Ich bin froh, eine Ausbildung und Frau Buchholz und Frau Kuppke zu haben. Sie unterstützen mich dabei, Verantwortung für mich und meine Gesundheit zu übernehmen«, erzählt Pia.

Die psychologische Arbeit beginnt jedoch nicht erst während der Ausbildung, sondern bereits im Aufnahmeprozess. »Hier wird die Familie nach Möglichkeit einbezogen, um ein differenziertes Bild der bisherigen Entwicklung des Jugendlichen zu erhalten«, erklärt Claudia Buchholz. Es geht zum Beispiel um Lebensgeschichte, Familienstruktur, Schule und darum, abzuschätzen, welchen Förderbedarf ein junger Mensch hat.

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Einen anderen Teil der Begleitung, leistet Heilpädagogin Monika Kuppke. »Ich fördere Selbstbewusstsein und persönliche Entwicklung. Beispielsweise arbeiten wir an Fein- und Grobmotorik, Konzentration und Durchhaltevermögen. Ich biete auch Entspannungsübungen und Bewegungstraining an«, erklärt sie.
Etwas zu Ende machen, dranbleiben an einer Aufgabe, Impulse kontrollieren müssten einige lernen. Besonders Jugendliche mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung müssen häufig strukturiertes Vorgehen und Handeln üben und ihre Impulskontrolle trainieren. Hier kommen unter anderem das Trainingsprogramm zur Steigerung der Gehirnleistung »Cogpack« und das »Marburger Konzentrationstraining« zum Einsatz.

Ein Schwerpunkt sind dabei Übungen zum inneren Sprechen. Das heißt, die Jugendlichen gliedern die Aufgabe in einzelne Arbeitsschritte und sagen sich diese bewusst im Kopf auf. »Dazu nutzen wir etwa einen Stadtplan. Wir geben Start und Ziel vor. Der Teilnehmer muss nun den Weg präzise beschreiben. Dies erfordert strukturiertes Denken, Durchhaltevermögen und Sorgfalt«, erläutert Monika Kuppke.

Hoffen auf »Leser helfen«

Sie und Diplom-Psychologin Claudia Buchholz wünschen sich, dass die »Leser helfen«-Aktion ein Erfolg wird. Sie bittet um Spenden für den barrierearmen Umbau des Internatsgebäudes Haus Gengenbach. Im »Lernort Wohnen« leben insgesamt rund 100 Menschen, sie verteilen sich auf die Häuser Achern, Kehl, Oberkirch und Gengenbach.

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