Oberkirch

Progress Werk Oberkirch streicht in Oberkirch noch mal Stellen

Simon Allgeier
Lesezeit 4 Minuten
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29. Dezember 2020

©Progress-Werk Oberkirch

Das kriselnde Progress Werk Oberkirch hat bis Jahresende schon knapp 200 Arbeitsplätze über ein Freiwilligenprogramm abgebaut, um Kosten am Standort Oberkirch einzusparen – und setzt das weiter fort.

Der in Schieflage geratene Automobilzulieferer Progress-Werk Oberkirch (PWO) hat am Dienstag einen weiteren Personalabbau angekündigt. Wie das börsennotierte Unternehmen mitteilt, soll die Anzahl der Beschäftigten im Werk Oberkirch um weitere 120 bis 150 Mitarbeitende überwiegend aus der Stammbelegschaft der Produktion reduziert werden. Ein im Oktober aufgelegtes Freiwilligenprogramm, mit dem die Zahl der Mitarbeiter am Standort in Deutschland um 200 verringert werden sollte, sei inzwischen erfolgreich abgeschlossen worden, der überwiegende Teil werde das Unternehmen bereits zum Jahresende verlassen. Rund die Hälfte von ihnen entfalle jeweils auf fest angestellte Beschäftigte und auf Zeitarbeitnehmer. Noch im September waren rund 1450 Menschen bei PWO in Oberkirch beschäftigt.

Aufgrund eines Ergänzungstarifvertrags, der auch eine Beschäftigungssicherung beinhaltet, sind betriebsbedingte Kündigungen in Oberkirch bis zum 31. Dezember 2020 nicht möglich.

Das Unternehmen, das weltweit an fünf Standorten fertigt, teilt mit, dass es Produktionsverlagerungen nach Osteuropa in Erwägung zieht, um bestehende Serienproduktionen nicht zu verlieren. „Mit unserem stark wachsenden Werk in der Tschechischen Republik sind wir dort bereits äußerst wettbewerbsfähig aufgestellt.“ Darüber hinaus würden die Kunden von PWO mehr und mehr in Osteuropa produzieren. Die Personalkosten am Industriestandort Deutschland seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich stark gestiegen, heißt es in der Mitteilung. Laufende Fertigungen würden teilweise durch hohe Arbeitskosten stark belastet. „Diese lassen sich durch Produktivitätsmaßnahmen nicht mehr ausreichend kompensieren.“

PWO-Geschäftsführer Carlo Lazzarini wird in der Mitteilung wie folgt zitiert: „Wir sind ein weltweit tätiger Konzern. Der Kostendruck in der Automobilzulieferindustrie zwingt uns dazu, jeden Auftrag in dem Werk zu platzieren, das für den konkreten Auftrag am wettbewerbsfähigsten ist. Leider hat die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland in den letzten Jahren stark nachgelassen, was zu einem überproportionalen Anstieg des Auftragsvolumens in unserem Werk in Tschechien geführt hat. Daher müssen wir die Kapazitäten in Oberkirch an das rückläufige Umsatzvolumen für den Standort anpassen.

„High-tech-Schmiede“

Der Standort Oberkirch soll künftig noch stärker auf seine Kernkompetenzen fokussiert werden – „dies sind zum einen höchste Innovationskraft in der Entwicklung passgenauer Lösungen für die Mobilität von morgen, zum anderen die Konzeption robuster und wirtschaftlicher Prozesse für die Fertigung komplexer Komponenten und Baugruppen in der Großserie“. Geschäftsführer Lazzarini spricht von einer Weiterentwicklung Oberkirchs zur „High-tech-Schmiede“. „Dafür setzen wir auf die Chancen der vierten industriellen Revolution, die nie dagewesene Möglichkeiten bietet.“ Ziel der datengetriebenen Fertigung sei es, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern durch eine kontinuierliche Reduzierung des Ressourceneinsatzes bei gleichzeitig weiterer Verbesserung der Prozesseffizienz und der Fertigungsqualität. Dazu setzen wir auf „Big-Data-Analysis“ und „Machine Learning“.

PWO hat bereits im Herbst 2018 an allen seinen Standorten Programme für Effizienzsteigerungen und Prozessverbesserungen angestoßen. Dazu kamen 2020 umfangreiche Anpassungen aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie. Die konsequente Umsetzung all dieser Maßnahmen habe maßgeblich dazu beigetragen, dass der Konzern gut und sicher durch die Corona-Pandemie des Jahres 2020 gesteuert werden konnte. „Dank eines weiterhin guten Cashflows konnte so zum Beispiel die Verschuldung in den ersten drei Quartalen 2020 um weitere 20 Millionen Euro gesenkt werden, obwohl die Weltwirtschaft sich in der größten Rezession der Nachkriegszeit befindet.“

Während die Auslands­standorte schon bei der jüngsten, nur moderaten Marktbelebung wieder gute Ergebnisse erzielt hätten, sei dies für den Standort Oberkirch nicht zugetroffen. Die voraussichtlichen Kosten für die Reduzierung der Beschäftigtenzahl, die den operativen Gewinn des Geschäftsjahres 2020 zusätzlich belasten werden, liegen im oberen einstelligen Millionenbereich. Die erwarteten Einsparungen in Höhe von neun Millionen Euro sollen erstmals im Geschäftsjahr 2022 voll wirksam werden Die vorläufigen Zahlen für das Gesamtjahr 2020 liegen noch nicht vor und werden planmäßig am 24. Februar 2021 veröffentlicht.

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