Ortenau

Pulsierendes Leben auf dem Gutshof

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 4 Minuten
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06. Februar 2007
In unserer heute beginnenden Serie »Adel in der Ortenau« stellen wir blaublütige Familien aus dem Kreis vor. Die Adligen schildern uns, wie sie leben und was sie denken. Im ersten Beitrag geht es um das Haus der Freiherrn Roeder von Diersburg.
Von Ursula Groß Hohberg-Diersburg. Hinter die Kulissen schauen, das braucht man hier nun wirklich nicht. Denn wie »s’Barons« leben und arbeiten, weiß hier jeder. »Diersburg und unsere Familie sind eben seit Generationen eng miteinander verbunden. und das soll so bleiben« sagt Stefani Freifrau von Roeder. Die adelige Großfamilie betreibt Weinbau und Forstwirtschaft. Den heutigen Wohnsitz (1659 erbaut) bewohnen die Großeltern Freiherr und Freifrau Albert und Annehete von Roeder und die junge Familie Freiherr und Freifrau Hans Christoph und Stefani von Roeder mit ihren Kindern Felix, Conrad, Octavia und Helena, deren Titel Freiherr und Freiin lautet (neun bis 16 Jahre alt). Wer die erste Hürde, den Haushund, geschafft hat, sieht sich in einem wunderschönen historischen Gutshof – freundlich begrüßt von Hausherrin Stefani Baronin von Roeder. »Sagen Sie einfach Frau von Roeder« – mit diesen Worten nimmt sie dem Besucher seine Befangenheit. Lebhaft, putzmunter geht es hier zu. Vier Kinder, das Geschäft und etliche Ämter, halten die Familie auf Trab. Gerade jetzt ist viel zu tun, denn die Familie ist in die Vorbereitungen für die 750-Jahr-Feier von Diersburg eingebunden. »Das ist für uns selbstverständlich und macht uns große Freude«, so die Baronin. Man habe die Verpflichtung, sich für das Allgemeinwohl vor Ort zu engagieren, da brauche man keine große Politik. Die Ämter als Schatzmeister der Adelsgesellschaft und Patronatsherr der evangelischen Kirchengemeinde, die Mitgliedschaft im historischen Verein und im Lions-Club sorgen für einen vollen Terminkalender des Barons. Christoph Baron von Roeder ist Diplom-Önologe. Seine Frau hat er auf der Hochzeit seiner Schwester kennengelernt. Dass sie eine geborene Freiin von Gaisberg-Schöckingen war, dürfte nicht das entscheidende Argument für die Heirat gewesen sein. Denn wer meint, dass Adel unter seinesgleichen heiraten müsste, wird von Baronin eines Besseren belehrt: »Da sollte doch das Herz sprechen.« Der »Majoratshof«, der ererbte Gutshof, ist oft belegt. Er ist jedes Jahr beliebtes Ziel beim Diersburger Kinderferienprogramm. Dann dürfen die Kinder »Einen Tag im Leben von Barons« erleben. »Wir haben daheim von Opa und Oma ein Foto an der Wand, und hier gibt es ja ganz alte Ölgemälde der Ahnen«, staunen sie dann. Überhaupt: alte Gegenstände haben es dem Senior der Familie von Roeder (diese ist 1197 erstmals urkundlich erwähnt) angetan. Albert Baron von Roeder hat in seinem Heimatmuseum Philippshof eine Sammlung von historischen Objekten zusammengetragen, sozusagen als greif- und sichtbare Ortschronik. Und Albert Baron von Roeder, der Begründer des Weingutes, lässt es sich nicht nehmen, jedes Jahr die Weinflaschen zu etikettieren. Großfamilie Bei all den Aktivitäten der Familie ist Freifrau Annehete von Roeder ein »Fels in der Brandung«, lächelt ihre Schwiegertochter. Das Zusammenleben von mehreren Generationen würde durch Liebe und Rücksichtnahme zur geglückten Lebensform einer Großfamilie, finden alle von Roeders. Gediegen, traditionell, familiensinnig und ein historisches Ambiente – da fehlen eigentlich nur die Pferde. Dann würde sich das Klischee vom Adel fast vollständig erfüllen. Doch Leben im »Museum« bringt eigene Probleme. Ständige Reparaturen und Instandsetzungen fallen an. Für die Diersburger Handwerker ist der Hof ein Dauer-Auftraggeber. »Wir sind ein Geschäftshaushalt vor Ort und pflegen Standorttreue zu den anderen Betrieben hier«, sagt Stefani Freifrau von Roeder zum Thema Heimatverbundenheit. Kinder im Gospelchor Heimatverbunden sind auch die Kinder erzogen. Sie sind in den örtlichen Vereinen integriert – sei es beim Fußball, Tennis oder im Gospelchor. Sie kennen ihre Geschichte und wissen, dass vom Adel Benimm und Etikette erwartet wird. Was Baronin Stefani nicht abhält, an und zu ins zünftig ins Fasentgeschehen mit einzusteigen. Da lacht die lebhafte Adelsdame verschmitzt, wenn sie erzählt, dass sie da schon mal auch ein Bierchen genießt. Aber am liebsten schmecke ihr denn doch ein trockener Riesling. Baron Hans-Christoph von Roeder würde einen Roten bevorzugen. Da ist der studierte Weinbauer etwas verwöhnt, da solls ein Cabernet Dorsa sein, selbst ausgebaut, versteht sich.

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