Wissenswertes rund ums Tiertraining

Raubtierprobe beim Offenburger Weihnachtscircus

Autor: 
Bettina Kühne
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02. Januar 2018

Viele Fragen hatten die Besucher bei der öffentlichen Raubtier- und Kleintierprobe im Offenburger Weihnachtscircus. Jochen Krenzola Junior erklärte ihnen Hintergründe und Zusammenhänge des Trainings. Diese forderten den Zuschauern mindestens genauso viel Respekt ab wie die Darbietungen.

»Papa, Papa, Paaapa, Papa, Papa«, rief Dorothy und stellte ihren gelben Kamm auf. »So langsam wird es ihr langweilig«, sagte Jochen Krenzola Junior. Der Tiertrainer kommentierte die öffentliche Tierprobe im Weihnachtscircus – und weil viele interessierte Fragen aus dem Publikum kamen, wurde die Kakadu-Dame ungeduldig. Während der Show hat sie nämlich meist einen Posten auf seiner Schulter. Bei der öffentlichen Probe saß sie auf der Stange, während jemand fragte, wo sie denn herstamme. Die Rasse komme aus Australien, Dorothy sei eine Nachzucht aus dem Zoo – die Eltern wurden angeblich auch in Deutschland geboren. »Das kann man aber nicht mehr nachvollziehen«, sagte Krenzola. Es ist 41 Jahre her, als Dorothy aus dem Ei schlüpfte.

Inzwischen hat sich viel getan in Sachen Tier- und Artenschutz. Um etwa Löwinnen halten zu dürfen, brauche man außer dem Nachweis der entsprechenden Unterbringungsmöglichkeiten auch ein polizeiliches Führungszeugnis und einen Fachkundenachweis. »Meist beginnt man als Tierpfleger«, erklärte Krenzola. Durch das Zusammensein und die Beobachtung lerne man die Tiere kennen; das bildet die Basis für die weitere Arbeit. Wie diese aussieht, zeigte Bruno Raffo mit »Kenia« und »Ruanda«: Die beiden elfjährigen Löwinnen nahmen auf Aufforderung ihres Trainers zunächst Platz. »Jede hat einen angestammten Platz, das sollte man auch nicht verändern«, kommentierte Krenzola. Selbst auf dem Boden sind silberne Platten ausgelegt, die den Tieren im Zirkusrund Sicherheit bieten: Hier ist ihre Position.

»Jedes Tier hat einen individuellen Raum«, sagte Krenzola. Den akzeptiert auch Trainer Raffo: Zunächst nutzte er zwei Stöckchen, um mit Kenia Kontakt auszunehmen. Dann ein bisschen mit der Hand am Ohr kraulen und los geht’s. Er regt sie dazu an, sich mit ihrer Partnerin auf einem Podest zu zeigen. Und dann bitte Männchen machen. Raffo bleibt am Ball, dirigiert sie mit seinen Stäben, fordert die Tiere immer wieder auf – und belohnt sie mit Fleisch, das er ebenfalls am Stock reicht. Bei der Aufführung gibt es kein Leckerli. »Respekt und Stimme«, sagt Raffo selbst, genügen. 

Respekt statt Angst
Was passiert, wenn die Tiere sich streiten und wie schützt  sich der Trainer, wollten die Zuschauer wissen. »Das ganze Leben ist ein Risiko«, fasst Krenzola zusammen. Natürlich werde vorab geklärt, ob die Gruppe harmoniert. Raffo winkt ab: Angst kenne er nicht – Respekt zähle. So wie die Tiere ihren Raum haben, hält er auch sie von sich fern: mit einem Bambusrohr in doppelter Armlänge. Und wenn er nicht aggressiv reagiert, seien es die Tiere auch nicht. 

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Schließlich interessierte das Publikum, wie man Talente entdeckt. Krenzola berichtete von einem Karton, den man ihm in die Hände gedrückt hatte – darin zwei Katzenbabys. Inzwischen gehören Farina und ihr Bruder Ami fest zur Truppe. Doch während die Katze sehr viel Freude an der Arbeit hat, ist ihr sehr talentierter Bruder nicht so begeistert von Menschen mit Hüten. Ergo: »Er kommt maximal zu einer Aufführung pro Tag mit.«

Das wiederum wäre Papagei Dorothy nicht recht. Der Vogel mag das Scheinwerferlicht und Kinder – und umgekehrt. »Der Kakadu war cool, wie er sich vorgestellt hat«, sagte die zehnjährige Caroline. 
Ein kleines Mädchen, dessen Mutter überzeugt davon ist, dass Tiere den Zirkus für Kinder interessant machen, wollte wissen, was die Tiere fressen. Krenzola erläuterte, dass das nicht nur von Obst über Müsli bis hin zu Fleisch reiche, sondern auch den Tieren angepasst werde.

Und schließlich erkundigte sich noch ein Herr, warum Raffo die Tiere präsentiert – wo doch die Löwinnen Martin Lacy gehörten, der einmal sagte, sie seien wie seine Kinder. Vielleicht muss man auch Kinder irgendwann loslassen. »Wir vermenschlichen die Tiere manchmal«, räumte Krenzola ein. Er erklärte, dass zwar nicht alle seine Tiere in seinem Bett schlafen dürften, »aber ich schlafe oft bei ihnen im Stall«. Silvester war so eine Nacht.

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