Bislang drei Vereine

Rechtliche Betreuung im Kreis: Kreisdiakonieverein zieht sich zurück

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15. September 2021
Bei den Betreuungsvereinen in der Ortenau gibt es Veränderungen. Darüber informierten (von links): Tanja Stahlhoff, Geschäftsführerin SKM Ortenau, Mario Herrmann, Vorsitzender Kreisdiakonieverein Ortenau und stellvertretender Geschäftsführer Diakonisches Werk Ortenau, sowie Angelika Eschbach, Geschäftsführerin des SkF Offenburg.

Bei den Betreuungsvereinen in der Ortenau gibt es Veränderungen. Darüber informierten (von links): Tanja Stahlhoff, Geschäftsführerin SKM Ortenau, Mario Herrmann, Vorsitzender Kreisdiakonieverein Ortenau und stellvertretender Geschäftsführer Diakonisches Werk Ortenau, sowie Angelika Eschbach, Geschäftsführerin des SkF Offenburg. ©Dominik Kaltenbrunn

Bei den Betreuungsvereinen in der Ortenau gibt es Veränderungen: Der Kreisdiakonieverein Ortenau hat sich zurückgezogen, die ehrenamtlichen Betreuer machen aber in anderen Vereinen weiter.

Mehr als 6000 Menschen in der Ortenau sind auf rechtliche Betreuung angewiesen, da sie sich etwa wegen Krankheit oder einer Behinderung nicht mehr selbst um ihre Belange kümmern können. In diesen Fällen helfen von den Amtsgerichten bestellte rechtliche Betreuer, oftmals Familienangehörige, aber auch sozial engagierte Menschen. Bislang gab es drei Vereine im Kreis, in denen diese ehrenamtlichen rechtlichen Betreuer organisiert und geschult wurden. Einer davon, der evangelische Kreisdiakonieverein Ortenau, hat seine Arbeit zum Juli eingestellt. Für die bislang dort Betreuten ändert sich aber nichts.

Seit vielen Jahren Kooperationen

Zuletzt waren beim Kreisdiakonieverein 50 Ehrenamtliche aktiv, die 75 Menschen rechtlich betreut haben. „Das ist eine große Zahl an Betreuten, und die werden auch weiterhin gut versorgt sein“, sagt Mario Herrmann, der Vorsitzende des Kreisdiakonievereins und stellvertretende Geschäftsführer des Diakonischen Werks Ortenau. Diese 50 ehrenamtlichen Betreuer würden ihrer Aufgabe jetzt in den beiden anderen Betreuungsvereinen, dem Sozialdienst katholischer Frauen Offenburg (SkF) und dem Sozialdienst katholischer Männer Ortenau (SKM), nach. „Mit den beiden Vereinen kooperieren wir schon seit vielen Jahren, daher war die Übergabe ein logischer Schritt“, sagt Herrmann.

Der Kreisdiakoniveverein war mehr als 40 Jahre in der rechtlichen Betreuung aktiv. Ab 2018 haben die Veranwortlichen die bestehenden Angebote analysiert. „Dabei haben wir festgestellt, dass sich die gesellschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen verändert haben“, so Herrmann. Die rechtliche Betreuung sei ein Gebiet, das strukturell unterfinanziert ist.

Anforderungen sind über die Jahre gestiegen

Zudem seien die Anforderungen an die Betreuungsvereine über die Jahre gestiegen, zum Beispiel durch das Bundesteilhabegesetz. „Das soll Menschen mit Behinderung passgenaue Betreuung gewährleisten. Die ehrenamtlichen Betreuer auf den neuesten gesetzlichen Stand zu bringen, bedeutet viel Aufwand“, berichtet Herrmann.
Durch den demographischen Wandel steige die Zahl der zu Betreuenden kontinuierlich an – „das Thema wird immer wichtiger.“

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Fokus auf andere Aspekte

Die Analyse habe dann dazu geführt, die rechtliche Betreuung des Kreisdiakonievereins aufzugeben und sich auf andere Aspekte zu fokussieren. „Das Diakonische Werk Ortenau wird sich künftig auf die Bereiche Existenzsicherung, Migration, seelische Gesundheit und das Thema ‚Frauen/Männer/Familie‘ konzentriren“, sagt Herrmann.

Im vergangenen Herbst, noch vor dem zweiten Corona-Lockdown, haben die 50 ehrenamtlichen Betreuer des ehemaligen Kreisdiakonievereins den SkF Offenburg und SKM Ortenau kennengelernt. Die Qualität der Schulungen und Begleitungen der Ehrenamtlichen unterscheide sich bei den Vereinen nicht.

2023 tritt Reform in Kraft

Zum Januar 2023 tritt die Betreuungsrechtsreform in Kraft. „Wir hoffen dadurch auf Verbesserungen“, sagt Tanja Stahlhoff, die Geschäftsführerin des SKM Offenburg. Ändern wird sich dann etwa, dass alle Ehrenamtlichen, die nicht Familienangehörige ersten Grades betreuen, einem Verein angeschlossen sein müssen, berichtet Angelika Eschbach, die Geschäftsführerin des SkF Offenburg. Das heißt, dass sie etwa regelmäßig geschult werden. Das sichere die Qualität und Zuverlässigkeit, so Eschbach.

Hohe Qualität in der Ortenau

„In manchen Regionen gab es negative Schlagzeilen wegen einzelnen schwarzen Schafen unter den Betreuern“, sagt die SkF-Geschäftsführerin. Nicht aber in der Ortenau, wo die Qualität der rechtlichen Betreuung bereits hoch sei, betont sie.

Info

Steigender Bedarf: Ehrenamtliche gesucht

Die Betreuungsvereine in der Ortenau sind auf der Suche nach neuen rechtlichen Betreuern, da durch den demographischen Wandel immer mehr Menschen ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können, sagt Tanja Stahlhoff, Geschäftsführerin des Sozialdiensts Katholischer Männer Ortenau. Der Verein beschäftigt momentan zwei Mitarbeiter und begleitet 248 ehrenamtliche rechtliche Betreuer. Wegen der Aufnahme einiger der bislang beim Kreisdiakonieverein angesiedelten Ehrenamtlichen komme im Oktober eine weitere Vollzeitstelle hinzu. Beim Sozialdienst katholischer Frauen Offenburg (SkF) kümmern sich drei Mitarbeiter um 85 Ehrenamtliche.
Der SkF veranstaltet für Interessierte am 13. Oktober von 17 bis 20 Uhr einen Online-Einführungskurs, am 16. Oktober findet von 9 bis 12 Uhr ein Präsenzkurs in Offenburg statt. Anmeldungen sind bis zum 8. Oktober unter info@skf-offenburg.de möglich.

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