Diakonieverein

Rechtliche Betreuung überwiegend ein Ehrenamt

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 3 Minuten
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15. September 2018

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens stellten der stellvertretende Vorsitzende Dekan Frank Wellhöner (links) und Geschäftsführer Mario Herrmann den Kreisdiakonieverein und seine Aufgaben bei der rechtlichen Betreuung vor. ©Peter Heck

Rund 6000 Menschen brauchen in der Ortenau eine rechtliche Vertretung – ungefähr drei Mal so viel wie Anfang der 90er-Jahre. Mehrere Institutionen und Vereine bieten diese Hilfe mit Ehrenamtlichen an. Der Kreisdiakonieverein Ortenaukreis wurde vor 40 Jahren extra zu diesem Zweck gegründet.

Seit 40 Jahren betreuen Ehrenamtliche und feste Mitarbeiter des Kreisdiakonievereins Menschen, die ihre Geschäfte nicht mehr selbst regeln können. Aktuell finden rund 100 Personen Hilfe bei den Betreuern des Vereins, das Gros davon – nämlich 61 – wird von Ehrenamtlichen in ihren geschäftlichen Belangen unterstützt. Damit hat sich die Zahl für den Kreisdiakonieverein seit 1992 verdoppelt.

»Damals änderte sich das Betreuungsrecht«, sagt Mario  Herrmann. Der Geschäftsführer des Kreisdiakonievereins erläuterte, dass damit die rechte der Betroffenen gestärkt worden seien. »Eine Rechtliche Betreuung bedeutet keine Entmündigung mehr: man gilt nicht mehr automatisch als geschäftsunfähig, wenn ein Betreuer zur Seite steht«, nennt er die grundlegende Veränderung. Zudem stehe seit diesem Zeitpunkt die persönlich Betreuung im Vordergrund. Die Betroffenenrechte seien damals massiv gestärkt worden.
»Die rechtliche Betreuung ist grundsätzlich als Ehrenamt angelegt worden«, so Herrmann. Entsprechend engagierten sich rund 60 Prozent der Betreuer ehrenamtlich. Die meisten seien im familiären Bereich aktiv. Für diejenigen, deren Verwandtschaft weiter weg wohnt oder die keine Angehörigen haben, lasse sich eine rechtliche Betreuung finden, so der Geschäftsführer: »Meist leben diese Personen in einer stationären Einrichtung.«

Herrmann macht nochmals darauf aufmerksam, dass man eine Vorsorgevollmacht braucht, wenn man seinen rechtlichen Betreuer selbst bestimmen möchte. »Auch als Ehepartner oder erwachsenes Kind kann man nicht automatisch von seinen Angehörigen betreut werden«, sagt er. Am besten, man hinterlegt seinen Wunsch beim Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer. »Dort wurden 2009 eine Million Vorsorgevollmachten registriert, inzwischen sind es vier Millionen«, nennt Hermann Zahlen. Die Beschäftigung mit diesem Themenfeld sei zwar nicht bequem, »aber wenn die Dinge vorgedacht sind, gibt das der Familie Handlungssicherheit«, was letztendlich für alle einfacher sei.

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Auch wenn Angehörige die rechtliche Betreuung übernehmen, kann es Fragen geben. Da kommen beim Kreisdiakonieverein die Hauptamtlichen ins Spiel. »Sie sind wichtig, weil es ständige Veränderungen gibt«, sagt Frank Wellhöner. Der evangelische Dekan ist stellvertretender Vorsitzender des Diakonivereins und froh darüber, dass »die Profis die Neuerungen im Auge behalten und an die Ehrenamtlichen kommunizieren«.

Dass es jüngst ein ehrenamtliche Betreuer Gelder hinterzogen hat, sei bei Gesprächen mit externen Personen bisher kein Thema gewesen, erklärt Herrmann. Das, stellt  er klar, sei ohnehin Hoheitsgebiet des Betreuungsgerichts. Es bestellt die Personen und überwacht dann auch die Arbeit der Ehrenamtlichen. Voraussetzung ist eine Einführungsschulung. Nicht jeder wird dann auch beim Gericht vorgeschlagen. »Es gibt auch die Situation, dass die Interessenten die Aufgabe dann doch nicht übernehmen wollen«, so Wellhöner.

Infoabend: Wer eine rechtliche Betreuung übernehmen will, erhalten am Donnerstag, 27. September, 18.30 Uhr, im Diakonischen Werk, Okenstraße 8 in Offenburg, Infos. Kontakt: 0781/92220, betreuungsverein@diakonie-offenburg.de.

Info

Hauptamtliche helfen weiter

Dem 1978 gegründeten Kreisdiakonieverein Ortenau gehören 80 Mitglieder an. Fördermitglieder unterstützen den Verein mit 25 Euro jährlich. Die ehrenamtlichen Betreuer können Mitglied sein, Pflicht ist es nicht. Sie sind generell vom Mitgliedsbeitrag befreit.
Neben Geschäftsführer Marco Herrmann gibt es vier Mitarbeiter. Zwei der Hauptamtlichen kümmern sich ausschließlich um Betreuungen – die kniffeligen Fälle, mit denen Laien überfordert wären. Zwei Mitarbeiter unterstützen die Ehrenamtlichen.
Diese erhalten für ihren Einsatz – mindestens ein monatliches Treffen mit ihrem Schützling sowie der Erledigung von finanziellen und behördlichen Angelegenheiten, medizinischen Entscheidungen oder den Kontakt zu Pflegedienst/Einrichtung – eine jährliche Aufwandsentschädigung von 399 Euro.

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