Pressekonferenz in Freiburg

Ex-Feuerwehrmann gesteht Scheunenbrände in Herbolzheim

Autor: 
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
31. Juli 2019
Mehr zum Thema

Symbolbild ©Lukas Habura

Er soll für die Brandserie im Raum Herbolzheim verantwortlich sein: ein 20-jähriger Ex-Feuerwehrmann aus Herzbolzheim. Auf der heutigen Pressekonferenz wurde bekannt, dass der 20-Jährige gestanden hat, acht Brände gelegt zu haben. 

Seit dem 18. Mai hatte eine Serie von Scheunenbränden Herbolzheim und Ringsheim in Atem gehalten. Die hat jetzt mit der Festnahme eines 20-jährigen ehemaligen Feuerwehrmanns aus Herbolzheim   ein Ende gefunden. Polizei und Staatsanwaltschaft sind überzeugt, mit ihm den Täter gefunden zu haben. Der Mann befindet sich in Untersuchungshaft.  Ihre Ermittlungsergebnisse stellten sie am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Freiburger Polizeipräsidium vor. Er war am Montag als tatverdächtig festgenommen worden

»Er hat neun Taten gestanden – acht Fälle von Brandstiftungen und eine versuchte Brandstiftung«, sagte der Freiburger Oberstaatsanwalt Michael Mächtel. Dabei handle es sich um Brände in Herbolzheim, seinen Stadtteilen Broggingen und Wagenstadt sowie in Ringsheim. Der Brand einer Scheune in Kappel-Grafenhausen sei dagegen Gegenstand weiterer Ermittlungen.  Bei den Bränden war ein Feuerwehrmann leicht verletzt worden. Der verursachte Schaden dürfte bei über einer Million Euro liegen. 

 

Polizei und Staatsanwaltschaft haben am Mittwoch in Freiburg ihre Ermittlungsergebnisse vorgestellt. (Foto: Jens Sikeler)

 

Bei dem Festgenommenen handelt es sich laut Mächtel um einen 20-jährigen Deutschen aus Herbolzheim. Bis zum 25. Juli gehörte er der Freiwilligen Feuerwehr Herbolzheim an. Damals war er zum ersten Mal ins Visier der Polizei geraten und seine Wohnung durchsucht worden. Sofort nach der ersten Festnahme sei der Verdächtige von ihm und Hämmerle suspendiert worden, sagte der Herbolzheimer Bürgermeister Thomas Gedemer bei der Pressekonferenz. 

- Anzeige -

Schon in der Jugendfeuerwehr

Der junge Mann war offensichtlich nicht erst seit Kurzem Mitglied der Feuerwehr. Laut Nico Schuster, dem Leiter der Ermittlungsgruppe »Scheune« gehörte der dringend Tatverdächtige bereits der Jugendfeuerwehr der Stadt im nördlichen Landkreis Emmendingen an. Nach den Erkenntnissen von Schuster war er auch an den Löscharbeiten von mehreren Bränden beteiligt, die er selbst gelegt hatte. 

Die Polizei hatte  nach einem Brand im Herbolzheimer Stadtteil Wagenstadt die Ermittlungsgruppe »Scheune« gegründet. Sie bestand zunächst aus drei Beamten des aus Emmendingen. Nachdem immer mehr Scheunen brannten, wurde die Ermittlungsgruppe personell massiv aufgestockt. Zuletzt suchten 29 Polizisten nach dem Täter. »Wir haben nach den Regeln einer Sonderkommission gearbeitet«, berichtete Schuster. 

400 Spuren waren seit dem Beginn der Brandserie bei der Polizei nach Angaben des Ermittlers eingegangen. »Sie stammten zu großen Teilen aus der Bevölkerung.« 

Diese Hinweise führten die Beamten auf die Spur des 20-Jährigen. Am 25. Juli erwirkten sie einen Durchsuchungsbeschluss. »Dabei haben wir zahlreiche verdächtige Gegenstände gefunden. Er stritt die Taten aber ab«, erinnerte sich Schuster.  Die Beweise hätten damals nicht für einen dringenden Tatverdacht ausgereicht. Die Beamten setzten den 20-Jährigen daraufhinwieder auf freien Fuß. Danach analysierten Schuster und seine Kollegen »in akribischer Detailarbeit« die Aussage des Mannes und sie stießen dabei auf Widersprüche. Schuster weiter:  »Mit denen haben wir ihn am 29. Juli konfrontiert. Daraufhin hat er die Taten eingeräumt und Täterwissen offenbart.« 

Kein Zusammenhang

Über das Motiv des Mannes rätseln die Beamten noch. Für den Leiter der Ermittlungsgruppe war »kein durchschlagendes Motiv zu erkennen«. »Wir gehen von einer spontanen Tathandlung an Zufallsgegenständen aus«, so der Kriminalpolizist weiter. Keinen Zusammenhang konnten die Beamten zu der Brandserie von rund 50 Autos in der südlichen Ortenau und im nördlichen Landkreis Emmendingen  feststellen. 

Ausgerechnet ein Feuerwehrmann. Für den Herbolzheimer Bürgermeister und den örtlichen Feuerwehrkommandanten Martin Hämmerle ist das, wie sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben »ein Alptraum«. Als schwierige Situation für die Feuerwehrkameraden bezeichnete Gedemer die Situation bei der Pressekonferenz. Der Bürgermeister verdeutlichte, welche dramatische Folgen die Brandserie für Herbolzheim hat. Eine Decke der Bedrücktheit habe sich über den Ort gelegt. Er forderte die Bürger aber auch auf, nicht die Familie und die Freunde des mutmaßlichen Täters für seine Taten verantwortlich zu machen. Hier ist die ausführliche Stellungnahme des Bürgermeisters Thomas Gederer zu lesen. Der Ringsheimer Bürgermeister Pascal Weber war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. 

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 28 Minuten
Hochschule Kehl
Die Gleichstellung von Männern und Frauen bei der Berufsfeuerwehr, die Einführung von neuem Personal bei einer Gemeinde, Kriminalprävention oder Interkulturalität: Über alle diese Themen haben Studierende bei Claudia Trippel an der Hochschule Kehl schon Bachelor-Arbeiten verfasst. Die 43-Jährige...
vor 3 Stunden
Ortenau
34 Anwesen leiten seit 2019 ihre Abwässer nicht mehr in Kleinkläranlagen, sondern sind jetzt an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen. Davon profitiert laut Landratsamt die Umwelt. 
vor 3 Stunden
Neue Regelung
Barbershopswaren in die Kritik geraten, weil sie den Friseuren angeblich das Geschäft wegnehmen. Eine Änderung brachte Ruhe ins Thema: Allein ein besonderes Konzept genügt nicht mehr, um einen Salon zu eröffnen.
vor 3 Stunden
Offenburg
Das Mercure-Hotel am Messeplatz hat seit wenigen Tagen mit Jens Voss einen neuen Direktor, der gleich eine weitere Überraschung mitbringt. Ab Anfang Mai soll wieder gebaut werden. Das hat der neue Direktor vor.
vor 4 Stunden
Alternative Mobilität
Der Kehler Gemeinderat hat am Mittwochabend Maßnahmen zum Erhalt des Carsharing-Angebots in Kehl beschlossen.
vor 20 Stunden
Ortenau
Fahrgäste auf der Schwarzwaldbahn müssen zwischen Hausach und Villingen jetzt nicht mehr auf den Bus umsteigen. Dennoch warnt die Bahn, dass es zu Verspätungen kommen kann. Und das hat einen Grund.
24.02.2020
Kehl/Straßburg
Bei einer intensivierten Kontroll- und Fahndungsmaßnahmen im Grenzgebiet zu Frankreich, wurden in den vergangenen sieben Tagen eine Vielzahl an Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz festgestellt.
23.02.2020
Haus des Jugendrechts
Das Haus des Jugendrechts in Offenburg hat seine Arbeit aufgenommen. Es soll unter anderem dafür sorgen, dass Verfahren gegen junge Straftäter schneller abgeschlossen werden können. 
23.02.2020
Trend in ganz Deutschland
Die Ortenauer Maren Späth und Markus Mayer haben zwei Jobs gleichzeitig. Die Mittelbadische Presse hat mit ihnen über die Gründe für diese Entscheidung gesprochen. 
23.02.2020
Ortenau
Die Zahl der Mehrfachbeschäftigten in Deutschland ist mit 3,5 Millionen so hoch wie nie zuvor. Auch immer mehr Menschen aus der Ortenau gehen mehreren beruflichen Tätigkeiten nach – die Gründe für die zusätzliche Verpflichtung sind unterschiedlich.
23.02.2020
Clown attackiert Lokführer
Zwei Mitarbeiter der Deutschen Bahn sind am Wochenende Opfer von Gewalt geworden. In beiden Fällen sucht die Polizei noch nach den Tätern.   
22.02.2020
Interview mit Susanne Gebele
Das Urteil im Prozess um  schweren sexuellen Missbrauch vor dem Landgericht Offenburg am 12. Februar hat Kritik ausgelöst. Im Interview mit der Mittelbadischen Presse spricht  Susanne Gebele vom Verein „Aufschrei“ über fehlende gesellschaftliche Aufmerksamkeit für sexuelle Gewalt, und warum es für...

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...
  •  Der Freizeitpark "Funny World" in Kappel-Grafenhausen ist mit mehr als 50 Attraktionen ein ideales Ausflugsziel für groß und klein.
    07.02.2020
    Spiel, Spaß, Abenteuer in Kappel-Grafenhausen
    Der In- & Outdoor-Familienpark in Kappel-Grafenhausen wartet auch in diesem Jahr mit neuen Attraktionen, Workshops und vielen weiteren Aktivitäten für die gesamte Familie auf. Im Funny World können Kinder und Eltern ganzjährig einen Tag voller Spiel, Spaß und Abenteuer erleben.