Ortenau

Schutzgebiet der Artenvielfalt: Wie es dem Nationalpark geht

Autor: 
Anika von Greve-Dierfeld
Lesezeit 3 Minuten
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25. Juni 2019

©Benedikt Spether/dpa

Zitronengelbe Tramete, Pechbrauner Bartläufer, Blockhalden-Wolfspinne - es wächst und kreucht und fleucht im Nationalpark Schwarzwald. Fünf Jahre nach Gründung des Schutzgebietes zeigen inzwischen auch Zahlen, wie gut das Schutzgebiet der Artenvielfalt tut.

Der Nationalpark Schwarzwald beherbergt eine Fülle von Tieren, Pilzen und Pflanzen – das ergibt eine erste Zwischenbilanz zur Biodiversität in dem noch jungen Schutzgebiet. Rund fünf Jahre nach der Gründung haben die Forscher dort mehr als 2100 Tierarten erfasst, berichtete am Montag der Leiter der naturwissenschaftlichen Forschung am Nationalpark, Marc Förschler. Darunter seien etwa 1400 Insektenarten – allein davon werden in dem Gebiet rund 3000 Arten vermutet.

400 Moosarten

Zudem dokumentierten die Forscher bislang mehr als 1050 verschiedene Pilze, fast 600 Farn- und Blütenpflanzen, mehr als 200 verschiedene Flechten und fast 400 Moosarten. »Das sind rund 20 Prozent der in Baden-Württemberg insgesamt vorkommenden Tier-, Pilz- und Pflanzenarten«, sagte Förschler. Die Sammlung der Daten ist eine der Kernaufgaben des Nationalparks. Mit dem Nachweis weiterer, dort bislang unbekannter Arten wird über die Jahre gerechnet.

Die Forscher entdeckten unter anderem so wertvolle Exemplare wie die Zitronengelbe Tramete – ein kleiner Pilz, der sich nur bei urwaldähnlichen Bedingungen inmitten von Totholz ausbreiten kann. »Viele, viele Arten können sich nur da entwickeln, wo der Mensch Holz nicht aus dem Wald holt«, sagte Nabu-Artenreferent Martin Klatt. So entstünden biologische Lebensgemeinschaften, die es im Wirtschaftswald so nirgendwo gebe. »Der Nationalpark ist sehr wichtig für Baden-Württemberg.«

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) betonte: »Die Bedeutung wird weiter wachsen, die Entwicklung des Nationalparks steht ja erst am Anfang.« Die jetzt schon bekannte Vielfalt der Flora und Fauna sei in höchstem Maße schützenswert. Nach Angaben einer Nationalparkssprecherin zählte der Park im vergangenen Jahr rund 600 000 Besucher.

In dem Hundert Quadratkilometer großen Schutzgebiet leben auch seltene Spinnen und Insekten wie die Blockhalden-Wolfspinne, der Pechbraune Bartläufer oder Boschs Berg-Dammläufer, den es den Angaben zufolge weltweit nur im Südwesten gibt. Seit Gründung des Parks habe sich zudem die Zahl der knapp 300 bis dahin in dem Gebiet bekannten Käferarten auf rund 750 nachgewiesene Arten erhöht, ergänzte Jörn Buse, Fachmann im Nationalpark für wirbellose Tiere.

Qualität statt Quantität

Natürlich könnten auch da, wo der Mensch wirtschaftet, viele Arten sein, sagte Klatt. Es gehe aber um Qualität und nicht um Quantität. »Im Nationalpark können sich Tiere und Pflanzen entwickeln, die anderswo keine Chance hätten.« So lebe etwa der Dreizehenspecht, der mit Vorliebe Borkenkäfer frisst und vom Aussterben bedroht ist, im Südwesten nur im Schwarzwald.

Hintergrund

Der Nationalpark Schwarzwald

Der Nationalpark Schwarzwald wurde am 1. Januar 2014 gegründet und Anfang Mai des gleichen Jahres feierlich eröffnet. Vorangegangen war jahrelanger Streit, nicht nur innerhalb der Politik, sondern auch etwa zwischen der Holzwirtschaft und den Naturschützern. Der frühere Minister für den Ländlichen Raum, Alexander Bonde (Grüne), der sich seinerzeit für den Nationalpark hauptverantwortlich stark gemacht hatte, hält den Nationalparkark heute für etabliert. »Der Park läuft, und viele Menschen sehen den Mehrwert, den er mit sich bringt«, sagte der Grüne.

Drei Viertel der Fläche des Schutzgebietes zählen inzwischen zur sogenannten Kernzone: Hier darf nicht mehr in die natürliche Entwicklung eingegriffen werden. »Diese Kernzonen dürfen nicht weiter ausgeweitet werden, da ist die Sägeindustrie nicht dran interessiert«, betonte eine Sprecherin des Verbandes der Säge- und Holzindustrie (VSH) Baden-Württemberg.

Zudem appellierte der Verband an die Verantwortlichen, das sogenannte Borkenkäfermanagement weiter ganz hoch anzusiedeln. Dabei bekämpfen Mitarbeiter des Nationalparks den von Waldbesitzern als Holzschädling gefürchteten Käfer in einem Pufferstreifen zwischen dem Schutzgebiet und angrenzenden Wirtschaftswäldern.

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